
Signifikantes Plus in den vergangenen zwei Wochen im BondGuide Musterdepot: Dabei gab es noch gar nicht so zahlreiche Geschäftszahlen für das erste Halbjahr.
>> aus BondGuide #15-2026 vom 24. Juli<<
Wir haben uns selbst leicht verwundert den Sand aus den Augen gerieben. Aber in den letzten 14 Tagen seit BondGuide 14/2026 legte das Musterdepot um 1,3 Prozentpunkte zu. Auf Basis der auflaufenden Zinsansprüche sollte es ein Drittel davon sein. Die Differenz geht also auf Kursgewinne zurück.
Mellenu – ehemals 4finance – hat sich 104% zurückerobert nach zwischenzeitlicher kleinerer Schwächeperiode. Ich meine: zurecht. Und zwar beides. Der zweistellige Kupon ist weiterhin ein Geschenk. Traditionell kommen die Geschäftszahlen der Finanzdienstleister früh nach einem Quartalsende. Natürlich wird die Frage sein, ob der Vergleich Vorher-Nachher nicht kompliziert wird nach der Refirmierung und Reorganisation zur Mellenu. Wir werden es in Kürze wissen.
Warum es eine gute Idee war, Ende vergangenen Jahres noch alle Hebel in Bewegung zu setzen, um bei der neuen UBM-Anleihe mit an Bord zu sein, zeigt sich spätestens jetzt angesichts neuer Höchstkurse. Der Kupon von unter 7% ist überschaubar attraktiv, aber zusammen mit der Kursentwicklung wird ein Schuh draus.
Die Deutsche Rohstoff AG, kurz: DRAG, hob ihre Prognose für 2026 erneut an. Auslöser sei ein weiterer Teilverkauf der Beteiligung an Almonty Industries, der einen Ergebnisbeitrag von rund 65 Mio. EUR liefere und die EBITDA-Erwartung deutlich steigen lässt. Der Ergebnisbeitrag entspricht dem Verkaufserlös abzüglich des Buchwerts der Beteiligung und erhöht damit unmittelbar die für die Guidance maßgebliche Ergebnisgröße EBITDA. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag laut Gesellschaft bei knapp 16 USD je Aktie. Die Umsatzprognose bleibe dagegen unverändert und liegt weiterhin bei 260 bis 280 Mio. EUR.
Auch an den Annahmen für das Basisszenario hält das Unternehmen fest: Dieses basiert auf einem Ölpreis von 75 USD je Barrel, einem Gaspreis von 3,50 USD je mcf sowie einem EUR/USD-Wechselkurs von 1,15. Trotz des Teilverkaufs bleibt die DRAG ein bedeutender Aktionär von Almonty Industries. Nach Abschluss der Transaktion hält das Unternehmen weiterhin rund 5,5 Mio. Aktien. Darüber hinaus bestehen Forderungen aus Wandelschuldverschreibungen sowie weiteren Ausleihungen und Darlehen gegenüber der Beteiligung.
Anleger haben reconcept erneut Rückenwind verliehen: Der Green Global Energy Bond II (DE000 A460PE 6) mit einem Kupon von 7,75% wurde im maximalen Emissionsvolumen von 12,5 Mio. EUR vollständig platziert. Zusammen mit der ersten Tranche über 10,73 Mio. EUR flossen damit insgesamt nahezu 25 Mio. EUR zu – und damit deutlich mehr als das ursprünglich angestrebte Zielvolumen von 15 Mio. EUR. Hinweis: Das ist nicht die Anleihe hier im Musterdepot. Der reconcept GGEB II hat den höchsten Kupon, nämlich 7,75%.
Mit der nahezu vollständigen Ausschöpfung des Gesamtemissionsvolumens von 25 Mio. EUR setzt reconcept seine Platzierungsbilanz fort. Das Unternehmen finanziert über Green Bonds den Ausbau seiner Aktivitäten in den Bereichen Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft, Gezeitenkraft und Energiespeicher und zählt seit dem Markteintritt 1998 zu den Pionieren bei nachhaltigen Kapitalanlagen.
Die Underberg-Gruppe hat sich im Geschäftsjahr 2025/26 erneut robuster entwickelt als der Gesamtmarkt. Während der deutsche Spirituosenmarkt nach Unternehmensangaben um rund 4% schrumpfte, steigerte die Semper idem Underberg AG ihren Konzernumsatz um 2% auf 136,9 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA übertraf mit 12,3 Mio. EUR den prognostizierten Zielkorridor. Wachstumstreiber waren vor allem das internationale Geschäft, Third-Party-Marken sowie das innovationsstarke eigene Markenportfolio.
Trotz des weiterhin schwachen Konsumklimas blickt die Unternehmensführung vorsichtig optimistisch nach vorn. Underberg wolle unverändert profitabel wachsen und gezielt in Marketing und Vertrieb investieren. Belastend dürfte indes die geplante Anhebung der Alkoholsteuer wirken. Parallel hatte mit Berentzen ein früherer Anleiheemittent Zahlen berichtet. Umsatz, EBITDA und EBIT gingen allesamt auch im zweiten Quartal zurück – die Prognose für das Gesamtjahr wurde gleich mit reduziert. Berentzen scheint noch keine Antwort auf die berühmte Konsumstimmung wie auch ‚verändertes Verbraucherverhalten‘ gefunden zu haben.
EXKURS VORZEITIGE KÜNDIGUNGSRECHTE
Vorzeitige Kündigungsrechte gehören für Anleiheinvestoren zu den meistunterschätzten Renditefaktoren. BondGuide berücksichtigt sie seit Langem systematisch – sowohl im Musterdepot als auch bei der Darstellung der einzelnen Emissionen.
BondGuide möchte diesen Artikel um praxisrelevante Aspekte ergänzen, denn erst daraus ergibt sich für Anleger ein vollständiges Bild:
Anleger freuen sich verständlicherweise über steigende Anleihekurse. Doch gerade bei Unternehmensanleihen kann ein hoher Kurs zum Problem werden: Viele Emittenten besitzen das Recht, ihre Anleihen bereits vor dem eigentlichen Laufzeitende zu kündigen. Erfolgt die Rückzahlung dann beispielsweise zu 101 oder 102%, während die Anleihe am Markt bei 106 oder 107% notiert, schmilzt der vermeintliche Kursgewinn rasch dahin und ergibt die sog. Yield-to-first Call-Rendite.
Für BondGuide-Leser ist dieses Thema keineswegs neu. Vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten gehören seit Jahren zu den Kriterien, die wir bei der Analyse von Unternehmensanleihen berücksichtigen. Denn letztlich zählt nicht allein der Kupon oder der aktuelle Börsenkurs, sondern die tatsächlich noch erzielbare Rendite bis zum nächstmöglichen Kündigungstermin. Diese muss jedoch um eine Einschätzung ergänzt werden, wie realistisch – oder überhaupt finanziell möglich – eine vorzeitige Kündigung der Anleihe seitens des Emittenten überhaupt wäre.
Ob eine Anleihe gekündigt werden kann oder darf, ist eine juristische Frage. Ob sie tatsächlich gekündigt wird, ist hingegen eine ökonomische.
Das zeigt sich speziell im BondGuide-Musterdepot. Dort tragen unsere Titel bewusst nicht die Bezeichnung 2025/30 oder 2024/29. Stattdessen verwenden wir seit Langem eine Schreibweise wie Schalke (27/30). Die erste Jahreszahl bezeichnet dabei nicht das Emissionsjahr, sondern den ersten möglichen Kündigungstermin. So erkennt der Leser bereits auf den ersten Blick, wann sich die Renditebetrachtung verändern kann.
Machen wir es an einem Beispiel konkret: Schalke hat mit der Emission von Ende 2025 sage und schreibe 90 Mio. EUR vereinnahmt. Wie wahrscheinlich bzw. finanziell möglich wäre dem Jetzt-wieder-1st-Bundesligisten eine vorzeitige Refinanzierung? Meines Erachtens asymptotisch bei 0%.
Vorzeitige Kündigungsreche bedeuten ausdrücklich nicht, dass ein Emittent zwingend von einem Kündigungsrecht Gebrauch machen wird. Diese Covenants einzubauen, ist bei den meisten Anleihen Standard. Ebenso wenig gilt jede hoch notierende Anleihe automatisch als Verkauf. Entscheidend bleibt vielmehr der Yield-to-Call, also die Rendite bis zum ersten möglichen [bzw. bis zum nächsten möglichen] Kündigungstermin. Gerade sie wird von vielen Marktteilnehmern häufig unterschätzt.
Ausblick
Wir halten unser Pulver trocken für die Spätsommer- und Herbstemissionen. Damit wir nicht wie gegen Ende 2025 erst etwas umständlich verkaufen müssen, um genug Liquidität frei zu haben. Mit der derzeitigen Liquidität hätten wir Platz für die berühmte No-Brainer-Emission, wenn sie denn endlich zutage tritt.
Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Green & Transition Finance 2026“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.
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