Musterdepot-Update: Vom Winde verweht

Die EZB hat die Leitzinsen moderat um ¼ Prozentpunkt erhöht. Klingt nicht viel – aber in den Kursen unserer KMU-Anleihen im Musterdepot spürt man es.

>> aus BondGuide #12-2026 vom 12. Juni<<

Anleihekurse haben die hoffentlich nur temporäre Zinspause durchaus schon abgebildet. Im Vergleich zur vorherigen Ausgabe vor zwei Wochen musste ich die Kurse fast jedes einzelnen Titels – bei Schalke 04 natürlich nicht – ein wenig nach unten korrigieren. Insgesamt stehen wir deshalb bei derselben Performance wie in Ausgabe BondGuide 11, allerdings mit zwei Wochen Zinsen mehr. D.h. im Klartext, kursseitig haben wir 0,3 Punkte eingebüßt, denn dies ist in etwa die Höhe der zweiwöchentlichen Veränderung durch aggregierte Zinsansprüche unserer Titel im Depot.

Handfeste News in den vergangenen zwei Wochen hielten sich in überschaubaren Grenzen. Wir gehen ja Richtung Ende des zweiten Quartals zur Jahresmitte. Dann erst beginnt der neue Berichtszyklus. Was es gab, ist Folgendes:

4finance stellt sich nach dem Verkauf der Beteiligung an der tbi Bank neu auf: Die Aktivitäten werden unter Mellenu neu gebündelt. Ein von Verwaltungsratschef Kieran Donnelly angeführtes Konsortium übernehme die Kerngesellschaften und bündelt sie unter der neuen Holding Mellenu.

Nach dem erfolgreichen Exit aus der Beteiligung an der tbi Bank und der vorzeitigen Rückzahlung der Anleihe 2026 hat die bisherige 4finance-Gruppe eine umfassende Neuordnung ihrer Eigentümerstruktur vereinbart. Im Mittelpunkt stehe ein Management-Buy-out der operativen Kerngesellschaften, die künftig unter der neu gegründeten Mellenu Holding mit Sitz in Luxemburg geführt werden. Mellenu wiederum werde von einem Investorenkonsortium kontrolliert, das sich aus dem Management mit rund 25%, einem regulierten Fonds mit ausgewählten bisherigen 4finance-Aktionären (35%) sowie einem zweiten Fonds mit neuen Investoren (40%) zusammensetzt. Beide Fonds werden von lizenzierten Fondsmanagern verwaltet.

Die DEAG startete planmäßig ins Jahr 2026, baut Beteiligungen aus und blickt dank prall gefüllter Event-Pipeline optimistisch nach vorn. Zwar spiegelte das erste Quartal erneut die typische Saisonalität der Live-Entertainment-Branche wider, dennoch sieht sich der Berliner Veranstaltungskonzern auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Besonders die hohe Zahl bereits verkaufter Tickets sorgt für Visibilität – sowohl für 2026 als auch bereits für 2027.

Der Umsatz fiel um 7% auf 62,1 Mio. EUR, das EBITDA ging um 40% auf 2,1 Mio. EUR zurück. Nach Unternehmensangaben lag das operative Ergebnis jedoch leicht über den eigenen Erwartungen. Für die Jahre 2026 und 2027 wurden bereits mehr als 4,7 Mio. Tickets verkauft. Für das Gesamtjahr rechnet die DEAG weiterhin mit einem Umsatz von über 400 Mio. EUR und einer verbesserten EBITDA-Marge. Parallel setzte die DEAG ihre Buy-&-Build-Strategie fort. So wurden die verbliebenen Minderheitsanteile am Konzert- und Tourneeveranstalter Wizard Live übernommen. Zudem erhöhte das Unternehmen seine Beteiligung am Festival Airbeat One. Hinzu kamen eine Mehrheitsbeteiligung am Musikfestival Juicy Beats sowie der Einstieg bei conneccted: Events & Live Marketing.

Die F.lli Ferrari Holding, ein Portfoliounternehmen der Mutares SE & Co. KGaA, hat den Verkauf ihres niederländischen Vertriebsgeschäfts an die HMF Group abgeschlossen. Das veräußerte Geschäft erzielt einen Jahresumsatz von rund 35 Mio. EUR und beschäftigt etwa 50 Mitarbeiter. Die Transaktion sei Teil der laufenden Restrukturierung und strategischen Neuausrichtung von F.lli Ferrari (übersetzt: Geschwister / Gebrüder Ferrari) nach der Übernahme von Teilen des Geschäfts von Hyva/JOST. Ziel sei es, die Unternehmensgruppe stärker auf ihre Kernaktivitäten in der Entwicklung und Fertigung eigener Kranplattformen auszurichten.

F.lli Ferrari zählt zu den etablierten Herstellern von Lkw-Kranen und Hebelösungen und verfügt über eine internationale Marktpräsenz. Seit dem Einstieg von Mutares wurden verschiedene operative und strategische Maßnahmen eingeleitet, um die Effizienz zu steigern, die Unternehmensstruktur zu verschlanken und die industrielle Positionierung zu schärfen.

Die operative Entwicklung der Deutsche Rohstoff AG in den USA läuft weiterhin nach Plan – und teilweise sogar darüber hinaus. Das Bohrprogramm 2026 im Powder River Basin bestätigt nach Unternehmensangaben sowohl die Qualität der Flächen als auch die operative Stärke der US-Tochter 1876 Resources.

UBM Development zahlt die verbliebene Hybridanleihe 2021 vorzeitig zurück. Unterstützung kommt dabei von Großaktionär PORR. Wie das Unternehmen mitteilte, werden die verbliebenen 56,4 Mio. EUR am 18. Juni und damit nach fünf Jahren Laufzeit zurückgeführt. In diesem Jahr war sie erstmals vorzeitig kündbar. Die ursprünglich mit 100 Mio. EUR platzierte Hybridanleihe richtete sich 2021 sowohl an österreichische als auch an internationale Investoren. Bereits im Mai 2025 hatten Anleihegläubiger 43,6 Mio. EUR in die neue UBM Green Hybridanleihe 2025 getauscht. Der nun verbleibende Restbetrag werde durch neu bereitgestelltes Hybridkapital der PORR refinanziert.

Ausblick
Natürlich keine spontanen aktuellen Veränderungen im BondGuide Musterdepot. Die neue PNE-Anleihe ist inzwischen platziert: Kupon 7,0%. Damit alte und neue ungefähr renditekongruent notieren, sollte die neue ca. 103% erreichen, wenn man die erste Kündigungsmöglichkeit 2029 (nicht Laufzeit!) im Hinterkopf behält. Wir schauen mal, ob wir doch noch aktiv werden könnten, falls die ersten Kurse nicht gleich vom Winde in die Lüfte gehoben werden sollten.

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