
Debütemittent Leef Blattwerk geht mit ihrer Debütemission auf die Zielgerade: Der WpProspekt ist noch bis zum 9. November gültig. Zum Update sprach BondGuide nochmals mit CFO Jens Christoph.
Herr Christoph, als wir zum Zeichnungsstart Ihrer Debütanleihe vor rund einem Jahr das erste Mal sprachen, hatte ich diese Frage nicht, die ich nunmehr nachholen möchte: Fühlen Sie sich mit der LEEF Blattwerk noch näher an einem Startup oder näher an einem etablierten Unternehmen, bei dem sich alles um die berühmte ‚Hochskalierung‘ dreht?
Wenn man den Grad der Professionalität des Teams betrachtet, dann haben wir die Startup-Phase längst verlassen. Im Laufe der Unternehmensentwicklung hat sich das Team immer wieder ausgetauscht und die Profis mit Senior-Skills haben diejenigen abgelöst, die alles sympathisch improvisiert gleichzeitig gemacht haben. Jede Phase benötigt bestimmte Skills, so gesehen sind wir definitiv schon eine Weile in der Skalierungsphase angekommen. Anderseits würde das Team zur Meuterei aufrufen, wenn wir im Management mit den typischen Corporate-artigen, hierarchischen Strukturen aufwarten würden. Wir pflegen eine postmoderne, agile Netzwerkstruktur, auf ganz natürliche Art divers, mit Rollen statt Stellen und agieren mit starkem Projektbezug auf Augenhöhe. Da findet man den typischen Geist eines Startups dann eben doch wieder. Aber eben aus einer bewusst gewählten Vorstellung von Zusammenarbeit heraus und nicht aus dem Chaos geboren.
…oder ist das Kunststück gar, das Beste aus beiden ‚Unternehmensformen‘ zu verheirateten, das Brauchbare mitzunehmen und das Unbrauchbare abzustreifen?
Ich würde es eher als eine Evolution bezeichnen. Das heute Unbrauchbare war in vorherigen Phasen absolut notwendig, und nicht alles, was heute essenziell ist, wird morgen noch so benötigt. Das Team entwickelt sich weiter und die Zusammensetzung verändert sich. Aus vielen Jahren Erfahrung mit Change Management kann ich sagen: Das funktioniert nur sehr bedingt. Das Team ist in seiner Zusammensetzung entscheidend und die Veränderung im Unternehmen muss genau dort seine Entsprechung finden. Und dieser Prozess endet nicht, nur so lässt sich die Agilität in allen Unternehmensphasen bewahren, die erforderlich ist, um sich ständig weiterzuentwickeln. Starre Strukturelemente sind im Grunde wie Sargnägel. Kommen irgendwann genug zusammen, braucht es nur noch die Träger, um das Unternehmen zu beerdigen. Die zurückliegenden Krisen waren so betrachtet ein wahres Lehrbuch, denn sie haben für eine unvergleichliche Beweglichkeit gesorgt. Wir haben uns ja in viele Richtungen bewegt, um dieses wunderbare Material, mit dem wir uns alle täglich beschäftigen, in die Welt zu bekommen.
Vor einem Jahr war meine Sorge etwa die: tolle Produkte, wunderbar ästhetisch und ganz prima Haptik – wie Sie wissen, kann ich das ja im wahrsten Sinne aus eigener Hand beurteilen. Jetzt müssen die großen Kooperationen kommen, sprich die Umsatzbringer. Natürlich habe ich nochmal die diversen Nachrichten der vergangenen zwölf Monate überflogen. Was davon war am wichtigsten, möglicherweise gar richtungsweisend?
Jede einzelne Nachricht für sich war wichtig, denn sie war Ergebnis unseres Entwicklungsprozesses. Am wichtigsten ist nach meiner Überzeugung aber nicht eine einzelne Nachricht, sondern das Konzert, in dem sie alle spielen. Neue Produkte und neue Märkte stehen für einige der wichtigsten Learnings aus der Coronapandemie, neue Zielgruppen sind ein weiterer wesentlicher Teil der Risikostreuung. Unsere Meldung zur Eintragung unseres Versiegelungspatentes steht für die IP-Absicherung, die Meldungen zum Nachhaltigkeitspreis und zur Kooperation mit O-Cycle, dem Hersteller von Kompostierungsmaschinen, sind ganz natürlicher Teil unserer DNA, die man kaum überbetonen kann. Hierzu gehört auch unsere besondere Hinwendung zum Thema Klimazertifizierung.
>> Hier geht es zur ‚Neuemission im Fokus Leef Blattwerk‘ (25. Jan.) <<
Und welche Corporate News hätten Sie sich womöglich seit Start der Anleiheemission im November 2023 seither gewünscht? – abgesehen von einer Vollplatzierung des Volumens.
Gewünscht hätte ich mir viel mehr positive Meldungen bezüglich bereits realisierter Umsatzerlöse. An dieser Stelle haben wir ein Defizit. Das Rollout in etablierte große Vertriebsstrukturen dauert einfach viel zu lange, wir haben auch die Risikoaversion der Großhändler nach Corona völlig unterschätzt. Auf die nach außen kaum vertretbare Umsatzschwäche haben wir jetzt mit einem radikalen, auch personellen Umbau im Vertrieb reagiert. Aber um Ihre Frage ganz konkret zu beantworten: Umsatzerfolge sind in dieser Phase ausgeblieben und genau die hätte ich gerne mittels Corporate News gemeldet. Das Konzert der Nachrichten hätte kaum besser sein können, aber die Kirsche auf der Torte lässt zu lange auf sich warten, das belastet über die Verlustvorträge die Eigenkapital-Quote.
Besagte Eigenkapitalquote der LEEF müsste m.W. nach sogar negativ sein, dem stehen aber Finanzierungsinstrumente gegenüber, die wirtschaftlichem Eigenkapital entsprechen oder ihm zugerechnet werden. Wäre nach mehreren Jahren des liebevollen Aufbaus und damit verschiedener Finanzierungsinstrumente nicht mal die Zeit gekommen, altes Mezzanine-Kapital, Crowd-Irgendwas und was da so alles war, ‚nachhaltig‘ zu entrümpeln und alles auf ein Gleis zu stellen?
Naja, so ein Kapitalmix hat auch etwas für sich, wenn das Risiko noch nicht niedrig genug ist. Aber richtig ist: Auf Dauer ist das kein Weg. Spätestens, wenn wir jetzt in Kürze anfangen, die Früchte der Anstrengungen der letzten Zeit zu ernten, also die vorbereiteten Umsatzsprünge zu realisieren, dann wird es Zeit für eine Konsolidierung, bei der der Markt auch mitgeht. Die Zusammenfassung in einer größeren Anleihe bietet sich dann auch dafür als gangbarer Weg an.
Der WpProspekt der Anleihe ist nur noch einige Zeit gültig, jedenfalls für ein öffentliches Angebot. Womit könnten Interessierte, die die Nachrichten seit Start vor elf Monaten sicherlich da und dort verfolgt haben, auf der Zielgeraden noch überzeugt werden?
Am einfachsten wäre es, uns auf einer unserer Messen zu besuchen. Ab dem 3. November sind wir in Chicago auf der PACK EXPO International. Dort kann man das Potenzial all unserer Produkte förmlich mit den Händen greifen, so wie wir es gerade in Göteborg auf der SCANPACK erleben. Leider ist das in der Regel kaum machbar. Überzeugen kann aber, sich einige Produkte einfach bei amazon zu bestellen und sich von der überragenden Qualität zu überzeugen. Langfristig gewinnt Qualität am Markt.
Falls jetzt das Zielvolumen nicht ganz voll werden sollte – meiner Erfahrung nach nennen Emittenten durchschnittlich ohnehin ein ca. 50% höheres Zielvolumen als eigentlich angestrebt –, auf was müsste die LEEF da verzichten und was wäre ggf. sogar schmerzlich?
Auch wir haben natürlich Puffer in unserer Emission, alles andere wäre ja auch nicht seriös. Wirklich verzichten müssen wir nicht. Mehr Liquidität eröffnet uns in dieser ‚engen‘ Phase jedoch Spielräume, mit denen wir uns agiler und schneller bewegen können – davon haben am Ende alle etwas, gegen diese Art von Wachstum dürfte niemand etwas haben. Es ist also eher andersherum: Jede weitere Erhöhung unserer aktuellen Emission beschleunigt unsere Prozesse.
Herr Christoph, dann ganz herzlichen Dank an Sie!
Interview: Falko Bozicevic
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