grenke AG: Erträge wachsen schneller als Kosten

grenke AG erreicht Gewinnziel für 2025

grenke steigert das Konzernergebnis im ersten Halbjahr um fast 25%. Gleichzeitig bleibt die Schadenquote erhöht. Entscheidend ist die deutlich bessere Kosteneffizienz.

Die grenke AG hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr verdient. Das Konzernergebnis stieg um 24,8% auf 32,6 Mio. EUR. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll: Die Schadenquote erhöhte sich auf 2,0%, während die Profitabilität des Neugeschäfts unter dem Vorjahresniveau liegt. Der entscheidende Hebel kommt derzeit aus einer anderen Richtung: grenke lässt seine Erträge deutlich schneller wachsen als die Kosten.

Kennzahlen im Überblick
(in Mio. EUR)
Quelle: grenke Pressemitteilung 13.08.2026

Die operativen Erträge legten um 11,0% auf 352,6 Mio. EUR zu. Die operativen Aufwendungen stiegen dagegen lediglich um 1,5% auf 181,9 Mio. EUR. Entsprechend verbesserte sich die Cost-Income-Ratio von 56,4% auf 51,6%. Das operative Ergebnis vor Schadensabwicklung und Risikovorsorge stieg um 23,2% auf 170,7 Mio. EUR.

Damit liefert grenke trotz des schwierigen Umfelds einen klaren Beleg für die Wirkung seiner Kostendisziplin. Vorstandschef Sebastian Hirsch betont entsprechend, dass die Erträge schneller wachsen als die Kosten und die operative Verbesserung dem Unternehmen zusätzlichen Handlungsspielraum verschafft.

Mehr Ertrag, aber auch mehr Risiko

Auch beim Leasingneugeschäft konnte grenke zulegen. Das Volumen stieg im ersten Halbjahr um 1,4% auf 1,6449 Mrd. EUR und lag damit leicht über den 1,6220 Mrd. EUR des Vorjahres. Allerdings ging die Profitabilität des Neugeschäfts zurück: Der Deckungsbeitrag 2 sank von 280,7 Mio. auf 260,8 Mio. EUR, die DB2-Marge von 17,3% auf 15,9%.

grenke erklärt den Margenrückgang unter anderem mit dem zeitlichen Versatz zwischen Zinsentwicklung und der Anpassung der Konditionen. Zusätzlich schlagen die inzwischen höher erwarteten Ausfälle und das weiterhin erhöhte Schadensniveau auf die Marge durch.

Genau hier liegt der entscheidende Gegenpol zur positiven Ergebnisentwicklung. Die Schadenquote stieg von 1,7% auf 2,0%. Das Ergebnis aus Schadensabwicklung und Risikovorsorge verschlechterte sich auf -118,6 Mio. EUR, nach -94,7 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum.

Dass das Konzernergebnis trotzdem so deutlich zulegen konnte, liegt damit nicht an einer Entspannung auf der Risikoseite. grenke kompensiert die höhere Belastung derzeit vor allem über steigende operative Erträge und eine deutlich bessere Kostenstruktur. Das operative Ergebnis stieg trotz des höheren Schadensniveaus um 8,9 Mio. auf 45,4 Mio. EUR.

grenke 2024/29

Regional bleibt das Bild unterschiedlich. Im deutschen Kernmarkt wuchs das Leasingneugeschäft um 7,8% auf 332,8 Mio. EUR. Auch West- und Südeuropa entwickelten sich positiv. Nord-/Osteuropa verzeichnete dagegen einen Rückgang auf 273,2 Mio. EUR. Als Gründe nennt grenke unter anderem ausgelaufene eBike-Subventionen in Finnland, bewusste Steuerungsmaßnahmen in Dänemark und Schweden sowie zurückhaltende Investitionsentscheidungen aufgrund der geopolitischen Lage.

Auch auf der Refinanzierungsseite baut grenke seine Basis weiter aus. Ende Mai platzierte das Unternehmen seine erste Anleihe in kanadischen Dollar mit einem Nominalvolumen von 100 Mio. CAD. Die Mittel dienen der Refinanzierung des lokalen Leasingneugeschäfts und ergänzen die bestehende Refinanzierung über Bankeinlagen, ABCP und externe Bankkredite.

Die Rechnung muss auch bei höheren Ausfällen aufgehen

Für 2026 bestätigt grenke seine Prognose eines Konzernergebnisses von 74 bis 86 Mio. EUR. Beim Leasingneugeschäft erwartet der Vorstand angesichts des weiterhin herausfordernden Umfelds inzwischen den unteren Bereich der bisherigen Spanne von 3,4 bis 3,6 Mrd. EUR.

Für Investoren ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Die operative Entwicklung ist klar positiv: Erträge wachsen, Kosten bleiben weitgehend unter Kontrolle und der Gewinn legt deutlich zu. Gleichzeitig sind die Risiken nicht verschwunden. Die Schadenquote steigt, die Risikovorsorge belastet stärker und die DB2-Marge des Neugeschäfts steht unter Druck.

Die zentrale Frage für grenke lautet daher nicht, ob das Unternehmen aktuell profitabel wächst, sondern ob die verbesserte operative Effizienz auch bei dauerhaft höheren Ausfällen ausreicht. Im ersten Halbjahr ist diese Rechnung aufgegangen. Für eine nachhaltige Entspannung auf der Risikoseite liefert die Entwicklung allerdings noch keinen Beleg.

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