Green Bonds und ihre Positionierung bei Kreditanalyse und Portfoliokonstruktion

Alles grün, oder was ?!

Beim Investieren in globale Anleihemärkte ergeben sich auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten vielfältige Möglichkeiten – v.a. Green Bonds. Von Samuel Manser*

Während bei der international anerkannten Benchmark ‚ICE BofA Global Corporate Index‘ rund 5% auf Green Bonds entfallen, können in Portfolios von nachhaltigen Anleihefonds Anteile von bis zu 20% Sinn machen. Insbesondere Versorger und Banken gehören zu den Emittenten von Green Bonds. Interessant sind regelmäßig Neuemissionen. Entsprechend kommt diesem Faktor eine große Rolle zu.

Des Weiteren können sich nachrangige Anleihen als interessant erweisen, zu denken ist an hybride Unternehmensanleihen (Corporate Hybrids) und nachrangige Finanzanleihen. Bei diesen Anleihegattungen gilt es, das Kreditrisiko sehr genau zu steuern und die vorhandenen Chancen defensiv zu nutzen. Wichtig ist: Die Schuldner müssen solide sein. Und davon gibt es auch im Bereich der Nachranganleihen erfreulicherweise eine hohe Anzahl.

Der Investmentprozess sollte Nachhaltigkeit und Performance vereinen. Angewendet auf ein Ausgangsuniversum wie die Benchmark ICE BofA Global Corporate Index mit rund 2.400 Emittenten kann das bedeuten, dass nach Anwendung von Ausschlusskriterien, einem ‚Positive Screening‘ mit Fokus auf nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Green Bonds sowie der Kreditanalyse und Portfoliokonstruktion nur wenige Hundert Emittenten übrigbleiben.

Kommen wir zum Marktgeschehen: Es gibt viele Faktoren, die meiner Meinung nach für eine Fortsetzung der freundlichen Marktentwicklung der vergangenen Monate sprechen. Die Wirtschaft wächst moderat, die kurzfristigen Zinsen sind auf einem Absenkpfad, der fiskalische Stimulus ist ununterbrochen und wird in Europa noch zunehmen, und sowohl Firmen als auch Konsumenten weisen solide Bilanzen auf. Positiv fällt mir auch auf, dass die Investoren nicht euphorisch sind und ihre Positionierung nicht extrem ist. Dazu kommt eine reichlich vorhandene Liquidität, mit Rekordbeständen, die im Geldmarkt geparkt sind.

Der Markt für Green Bonds wird nur größer - aber nicht mehr kleiner

Der Markt für Green Bonds wird nur größer – aber nicht mehr kleiner

Es gibt meines Erachtens aber auch Argumente für eine fällige Korrektur. Der Handelskrieg und die erratische Politik des Weißen Hauses haben bis jetzt bemerkenswert wenige Auswirkungen auf Investitionen, Konsum und Inflation gehabt. Aber diese könnten noch mit Verzögerung auftreten. Vor allem ein Aufflackern der Inflation in Kombination mit einer Abschwächung des Arbeitsmarktes könnte die FED vor ein Dilemma stellen.

Dazu kommt, dass ein immer größerer Anteil am Wirtschaftswachstum von Investitionen in die digitale Infrastruktur stammt, die auf absehbare Zeit keine Einkünfte generieren werden. Das Investitionsvolumen in den Bau von Datenzentren hat in den USA mittlerweile dasjenige für den Bau von Bürogebäuden übertroffen.

Samuel Manser

Generell gilt: Die Bewertungen von Unternehmensanleihen erscheinen nicht mehr günstig. Solide Unternehmens-Ergebnisse und eine weiterhin hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen senden meines Erachtens jedoch positive Signale. Derzeit bevorzuge ich weiterhin nachrangige Anleihen von soliden und nachhaltigen Investment-Grade-Emittenten und halte an einer defensiven Sektorpositionierung fest. Es empfiehlt sich eine vorsichtige Positionierung, beispielsweise in den Bereichen Gesundheit, Technologie und Finanzen, sowie etwa ein weitgehender Ausschluss des Energiesektors. Ebenfalls erscheinen mir weiterhin eine Untergewichtung in Schwellenländer-Anleihen (EMD) angezeigt.

*) Samuel Manser ist Portfolio Manager für Anleihefonds, Swisscanto / Zürcher Kantonalbank

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