„Gesunder Mix aus organischem Wachstum und Akquisitionen“

NWI

BondGuide sprach mit Philip Lehmann, Geschäftsführer / Chief Business Development der Nordwest Industrie Group (NWI) über das aktuelle Emissionsvorhaben. Wie sehen die Pläne vor dem Hintergrund der Anleiheemission aus, wie kann man sich die Aufstellung und Wachstumsmöglichkeiten der Industrieholding vorstellen – und natürlich, was erwartet der ‚Börsenneuling‘ vom Kapitalmarkt bzw. umgekehrt?  

BondGuide: Herr Lehmann, vielleicht könnten Sie zum Auftakt kurz etwas zur Nordwest Industrie Group sagen. Kann man die NWI als Endkunde kennen?
Lehmann: Nein, für Endkunden sind wir eigentlich nicht präsent. Jeder, der jedoch beispielsweise einen modern ausgestatteten Büroarbeitsplatz hat, sitzt mit recht großer Wahrscheinlichkeit an einem Schreibtisch, bei dem wesentliche Elemente aus der Fertigung von NWI-Gruppenunternehmen stammen. Die NWI ist eine inhabergeführte Beteiligungsholding mit Anteilen an verschiedenen Industrieunternehmen. Die Gruppe ist dezentral aufgestellt mit Firmenstandorten in vielen Ländern. Die Verwaltung der Holding befindet sich in Bremen, das Herzstück sind aber die mittlerweile 13 Inhouse-Berater, die unsere Beteiligungsunternehmen bei verschiedenen Themen unterstützen.

BondGuide: Diese sind ja aus unterschiedlichen Branchen: Gibt es da Synergieeffekte?
Lehmann: Da muss man ein wenig an die Anfänge der NWI zurückblenden ins Jahr 1996: Dort wurde ein Metallverarbeitungsunternehmen übernommen. Zu dem Zeitpunkt waren die beiden Gründer Bernd Petrat und Kurt Zech noch weit davon entfernt, an eine Unternehmensgruppe zu denken. Das Portfolio hat sich im Laufe der Jahre aufgebaut und besteht heute aus den vier Kernfeldern Zulieferindustrie Metall, Betriebs- und Ladeneinrichtungen, Gestell- und Unterkonstruktionen für Solarmodule und schließlich Spezial-Leasing.

„Die Erträge der Gruppe wurden jeweils thesauriert. Dies wird auch weiterhin so bleiben.“
Philip Lehmann, NWI

BondGuide: Und nun eine Unternehmensanleihe über 20 Mio. EUR. Wie weit kommt eine NWI mit dieser Größenordnung angesichts eines Jahresumsatzes von fast 400 Mio. EUR im vergangenen Jahr?
Lehmann: In der Vergangenheit war die NWI sehr stark über Gesellschafterdarlehen finanziert. Die Erträge der Gruppe wurden jeweils thesauriert. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Im vergangenen Jahr nun hatten wir erstmals ein Schuldscheindarlehen in Anspruch genommen. Die jetzige Anleihe ist also nicht mehr und nicht weniger als dafür vorgesehen, das weitere Wachstum der Gruppe zu unterstützen. Und natürlich, um finanziell etwas flexibler aufgestellt zu sein – als ein sinnvoller, ergänzender Baustein in unserem Finanzierungsmix.

Emission NWI

BondGuide: Und wie genau kann NWI wachsen, z.B. durch Akquisitionen?
Lehmann: Tatsächlich sehen wir uns gerade einen Zukauf im Bereich der Ladeneinrichtung an, um diesen auf die nächste operative Stufe zu heben. Dafür wäre der Erlös aus der Anleiheemission gedacht. Wir nehmen jedenfalls keine Fremdmittel auf Vorrat auf, sondern mit einer konkreten Idee und einer zweckgebundenen Verwendungsabsicht.

BondGuide: Im weltweiten Wachstumszyklus sind wir ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise schon etwas fortgeschritten. Gibt es da überhaupt noch im wahrsten Sinne Preis-werte Zukaufmöglichkeiten?
Lehmann: Ich denke, an unseren Geschäftszahlen konnte man in den vergangenen zehn Jahren sehr gut den gesunden Mix aus organischem Wachstum und Akquisitionen erkennen. 2016 hatten wir den letzten wesentlichen Zukauf für die Gruppe – die jüngsten Jahre dagegen brachten gutes, organisches Wachstum aus dem Bestand. Gerade der Bereich Gestell- und Unterkonstruktionen für Solarmodule wächst derzeit stark. Aber natürlich ist es auch die klassische Nachfolgeregelung bei einigen in die Jahre gekommenen Unternehmern, die sich auch nach ihrer aktiven Zeit eine nachhaltige Lösung für die Zukunft ihres Unternehmens wünschen. In dieses Profil passen wir als NWI perfekt hinein.

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