„Für Investoren erneut ein attraktives Angebot gestrickt“ – Thomas Gutschlag, Deutsche Rohstoff AG

Die Rohstoff AG (DRAG) startet mit einem neuen Unternehmensanleihe-Vorhaben: Dieses Mal sollen es bis zu 100 Mio. EUR werden, ein Umtausch aus der 2016er ist möglich. BondGuide sprach dazu mit CEO Thomas Gutschlag.

BondGuide: Herr Gutschlag, die Deutsche Rohstoff AG zählt am Kapitalmarkt bereits zu den bekannten Emittenten – die aktuelle Anleihe stammt aus dem Jahr 2016, Volumen ca. 67 Mio. EUR, mit Laufzeit bis Mitte 2021, daneben gibt es noch eine kleine Wandler-Tranche. Was sind Ihre Pläne aktuell?
Gutschlag: Ich denke, mit der 2016er Anleihe sind unsere Investoren recht zufrieden angesichts eines Kurses von im Schnitt 104%. Die Rendite bis zum Laufzeitende liegt bei unter 4% p.a. Insofern sind wir zuversichtlich, dass wir mit unserem neuen Vorhaben, der Anleihe 2019/24 und Kupon 5 ¼%, wieder ein attraktives Angebot gestrickt haben. Die Inhaber der Altanleihe honorieren wir mit 20 EUR Zuzahlung je Schuldverschreibung, wenn sie das Umtauschangebot annehmen und uns für weitere fünf Jahre begleiten möchten. Umtausch- und Zeichnungsmöglichkeit beginnen am 11. November.

BondGuide: Hätte ein niedrigerer Kupon dann nicht auch Konsens gefunden?
Gutschlag: An der Stelle möchte kein Emittent ein unnötiges Platzierungsrisiko eingehen. Zudem ist das Emissionsvolumen von bis zu 100 Mio. EUR bei der neuen Anleihe jetzt etwas höher. Die halbjährliche Zinszahlung werden wir beibehalten. Auch bei den Kreditklauseln, den Covenants, sind wir dem bisherigen bewährten Setup treu geblieben.

BondGuide: Und zwar wie?
Gutschlag: Neben den üblichen Covenants gibt es eine Veräußerungsbeschränkung sowie eine Mindesteigenkapitalquote von 25% in der AG. Zudem muss der Wert unserer Öl- und Gasreserven – plus liquide Mittel – mindestens das ausstehende Anleihevolumen decken. Diesen Wert hatten wir übrigens auch in der Vergangenheit nie auch nur in Sichtweite, sondern lagen immer ganz deutlich darüber.

BondGuide: Gut, lassen Sie uns hier mal einsteigen: Wie hat sich die Deutsche Rohstoff in den vergangenen Jahren, also seit der letzten Anleihe 2016, entwickelt – wie würden Sie dies jemandem zusammenfassen, der die DRAG schon kennt, aber quasi ein Update braucht?
Gutschlag: Die Deutsche Rohstoff hat sich als erfahrener Rohstoffproduzent in den USA – Kern sind natürlich Schieferöl und -gas – fest etabliert. Damit sind wir seit ca. zehn Jahren erfolgreich. Unsere gesicherten, gutachterlich bestätigten Reserven haben sich auf mittlerweile fast 1 Mrd. USD Umsatzpotential erhöht.

Deutsche Rohstoff DRAG

BondGuide: Speziell in Deutschland bekommt man das Gefühl, schon in Kürze sei die Welt vollkommen ‚elektrifiziert‘ – wozu noch Öl?!
Gutschlag: Das entspricht allerdings kaum der Realität. Der weltweite Energieverbrauch wird in den nächsten zwei Jahrzehnten um weitere ca. 20% zulegen. Wahrscheinlich gewinnen Renewables tatsächlich prozentual am meisten hinzu – allerdings von niedriger Basis aus. Der Bedarf an Erdöl geht deshalb keineswegs zurück, auch der steigt weiter, da unter anderem die Weltbevölkerung um 10% zunimmt. Den Anstieg des weltweiten Ölverbrauchs erwarten übrigens beispielsweise die Internationale Energieagentur und die OPEC gleichermaßen. Ebenfalls sollte man nicht vergessen, dass Erdöl nicht nur für Verbrennungsmotoren benötigt wird, sondern auch in der Industrieproduktion. Gerade der Gewinn aus US-Schieferölen – unser Thema also – ist geeignet, die zusätzliche Bedarfslücke zu füllen.

Im Gespräch mit Thomas Gutschlag

BondGuide: Warum ist die DRAG eigentlich gerade in den USA unterwegs?
Gutschlag: Genauer gesagt vor allem in Colorado in der Nähe von Denver. Denver ist einer der wichtigsten Standorte der US-Öl- und Gasindustrie neben Houston. Die USA sind sicherlich ein sehr aufgeschlossenes Land mit Blick auf die Ölförderung und haben zahlreiche Besonderheiten. Von Bundesstaat zu Bundesstaat variiert das noch ein wenig, aber Colorado hat eine besonders lange Historie beim Abbau von Erdöl. Das regulatorische Umfeld ist generell positiv und die Steuergesetzgebung vorteilhaft. Die letzte Steuerreform brachte zudem eine Reduzierung der Unternehmenssteuern von 38 auf 24%. Anders als in vielen Ländern sind die Bodenschätze zunächst einmal Eigentum des Besitzers der oberirdischen Landfläche. Die Rechte daran sind aber trennbar und können separat gehandelt werden. Dazu kommt noch eine Besonderheit: Sämtliche Produktionsdaten sind in einer nationalen Datenbank gespeichert und öffentlich zugänglich. Wenn man weiß, wo und wie seine Nachbarn etwas zutage gefördert haben, dann lohnt sich vielleicht ein genauerer Blick. So werden teure Bohrungen aufs Blaue vermieden. Tatsächlich hatten wir bisher immer eine Trefferquote von 100%: Wo die Deutsche Rohstoff bohrt, da fördern wir dann auch.

BondGuide: Über wie viele Bohrungen reden wir da?
Gutschlag: Derzeit sind es 44 Bohrungen sowie Beteiligungen an 40 weiteren. 36 kommen im Zeitraum 2019/20 hinzu. Aktuell beträgt unsere jährliche Produktion 3,3 Mio. Fass Erdöl-Äquivalente – die Erdgasbestandteile rechnet man bei diesen Angaben jeweils um.

BondGuide: Wie abhängig sind Sie dann vom Ölpreis?
Gutschlag: Das muss man etwas differenziert betrachten. Derzeit liegt der Preis für ein Fass Erdöl, WTI, bei etwas über 56 USD. Aufgrund des Börsengangs von Aramco darf damit gerechnet werden, dass die OPEC diesen auch stabilisiert – schon aus Imagegründen. Als der Ölpreis vor einigen Jahren kurzzeitig auf unter 30 USD fiel, haben alle Produzenten getan, was möglich war: ihre Kosten minimieren. Vor diesem Hintergrund gab es zahlreiche technische Innovationen, so dass wir heute bei unseren Horizontal-Bohrungen praktisch doppelt so weit für die gleichen Kosten im Gestein vorankommen.

BondGuide: Betreiben Sie Hedging der Produktion?
Gutschlag: Rund 80% unserer Produktion sind im laufenden Quartal abgesichert in einem ziemlich engen Korridor von aktuell etwa 57 USD. So können wir schon heute mit einem durchschnittlichen Verkaufserlös von 57 USD auch für 2020 kalkulieren. Im kommenden Jahr wollen wir rund 60% unserer Produktion absichern.

Thomas Gutschlag, DRAG

BondGuide: Und wie lange reichen die Reserven der Deutschen Rohstoff AG in den USA?
Gutschlag: Hier muss ich vorausschicken, dass bei Horizontalbohrungen produktionsbedingt die höchste Förderrate gleich im ersten Jahr erreicht wird. Das ist vom Cashflow sicherlich recht angenehm. Der potentielle Umsatz aus den zuvor erwähnten Reserven liegt aktuell bei rund 1 Mrd. USD über die gesamte Lebensdauer der Vorkommen, der Cashflow, der daraus für uns resultiert, beläuft sich auf 340 Mio. USD. Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme: Wir investieren auch weiterhin und werden bei unserem nächsten Gespräch sicherlich über weitere Ölfelder und neue Bohrungen berichten können. 

BondGuide: Herr Gutschlag, dann auch Ihnen viel Erfolg bei der neuen Emission!

Interview: Falko Bozicevic

Fotos: @DRAG