Asset Allokation im Nebel und auf Sicht

Asset Allokation wird komplexer: Crédit Mutuel Asset Management sieht Chancen bei Aktien – jedoch mit wachsender Unsicherheit.

Die Märkte seien insgesamt positiv in das Jahr gestartet, gleichwohl zeigten sich laut Crédit Mutuel Asset Management zunehmend differenzierte Entwicklungen in der Asset Allokation. Während viele Aktienmärkte zulegen konnten, seien zugleich markante Trendwechsel zu beobachten gewesen – insbesondere im US-Technologiesektor, so François Rimeu, Senior Strategist bei Crédit Mutuel Asset Management.

Vor allem Softwareunternehmen hätten zuletzt deutlich schwächer abgeschnitten; die Underperformance habe sich in den vergangenen zwei Monaten nochmals verstärkt. Hintergrund sei unter anderem die Veröffentlichung neuer KI-Modelle, wodurch Investoren das disruptive Potenzial verschiedener Geschäftsmodelle stärker hinterfragten.

Asset Klassen und Entwicklung seit 1945 - @UBS

Asset Klassen und Entwicklung seit 1945 – @UBS

Die Gewinnerwartungen blieben indes nach einer soliden Berichtssaison stabil. Die daraus resultierenden Kursrückgänge hätten das Bewertungsniveau spürbar sinken lassen, sodass das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis nun unter 20 liege. Rücksetzer seien selektiv für Positionsaufstockungen genutzt worden; jedoch verhindere die anhaltende Unsicherheit bislang eine breitere Rückkehr in den Sektor.

Auch die Rohstoffmärkte hätten seit Jahresbeginn deutlich angezogen. Edelmetalle setzten ihren Aufwärtstrend trotz hoher Volatilität fort, während sich der Ölpreis wieder am oberen Ende der Jahresspanne bewege. Besonders positiv werde Gold eingeschätzt – noch stärker jedoch Goldminenaktien. Treiber wie hohe Haushaltsdefizite und Inflationsunsicherheit blieben weiterhin präsent; zugleich erhöhe sich beim Öl das Risiko möglicher Angebotsverknappungen durch jüngste geopolitische Spannungen.

Nvidia versus SAP und Microsoft

Nvidia versus SAP und Microsoft

Das makroökonomische Umfeld erscheine insgesamt konstruktiv: Verbesserte Wachstumsprognosen könnten 2026 erneut zu robustem Nominalwachstum führen und damit ausgewogene Unternehmensgewinne unterstützen. Risikoanlagen, insbesondere Aktien, würden daher weiterhin übergewichtet. Die EZB dürfte in den kommenden Monaten ihre Geldpolitik unverändert lassen, da die Kerninflation noch über dem Zielwert liege; hingegen bleibe die Perspektive der US-Notenbank weniger eindeutig.

François Rimeu, Crédit Mutuel AM

Zusätzliche Unsicherheit entstehe durch juristische Entwicklungen rund um US-Handelszölle. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs könnte neue Handelskonflikte auslösen und kurzfristig höhere Volatilität nach sich ziehen – ein Umfeld, das eine flexible und selektive Asset Allokation weiterhin erforderlich mache.

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