Anleiheausblick 2020: Zuflüsse in Spread-Produkte dürften sich fortsetzen

Schwellenländer und Frontier Markets

Obwohl makroökonomische und politische Risiken weiter virulent sind, sind die Renditen von Schwellenländeranleihen derzeit stabil. Die jüngste Lockerung der Geldpolitik rund um den Globus wird die Schwellenländer unseres Erachtens kurz- bis mittelfristig weiter unterstützen. Wir glauben, dass eine erneute Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China vermieden wird. Stattdessen erwarten wir, dass beide Länder Zugeständnisse machen und Spannungen abbauen.

Für 2020 prognostizieren wir trotz der sich insgesamt leicht abschwächenden Wachstumsdynamik der Schwellenländer dennoch ein leicht zunehmendes Wachstumsgefälle zwischen Ihnen und den Industriestaaten. Dies ist vor allem auf die zyklische Dynamik in wichtigen Schwellenländern wie Brasilien zurückzuführen. In China dürfte sich das Wachstum aufgrund eines schwächeren weltwirtschaftlichen Umfelds allerdings weiter verlangsamen. Andererseits sollte sich das durchschnittliche Wachstum in den Frontier Markets von 2020 bis 2024 laut IWF-Weltwirtschaftsausblick von Oktober 2019 auf 3,9% jährlich beschleunigen. Dieser Wert lag in den vorangegangenen fünf Jahren bei 3,5%.

Die Fundamentaldaten der Schwellenländer sind im Allgemeinen robust. Die meisten Schwellenländer sind in einer relativ gesunden wirtschaftlichen Verfassung, sowohl außenwirtschaftlich als auch im Inland. Sie wachsen in einem Umfeld, das durch eine relativ niedrige Inflation und relativ unterbewertete lokale Währungen gekennzeichnet ist. Zudem waren die Rohstoffpreise, insbesondere für Öl, in den letzten drei Jahren stabil oder steigend. Angesichts der relativ hohen Realrenditen und des günstigen inflationären Umfelds sind wir der Meinung, dass die Zentralbanken der Schwellenländer einen gewissen Spielraum für eine Lockerung ihrer Geldpolitik haben, was das Wirtschaftswachstum ankurbeln könnte. Die Kombination dieser Faktoren sollte sich mittelfristig positiv auf die Wertentwicklung von Schwellenländeranleihen auswirken.

Wir gehen davon aus, dass sich die Zuflüsse in Schwellenländer in einem Umfeld, das von der Suche nach Rendite geprägt ist, fortsetzen werden. Sehr viele Vermögenswerte aus den Industriestaaten weisen negative Renditen auf, und Hochzinsanleihen aus den Schwellenländern sind attraktiv bewertet. Das gilt insbesondere für entsprechende Staatsanleihen in Hartwährung, für die wir in der kommenden Zeit ein geringeres Nettoangebot erwarten. Dies liegt zum Teil daran, dass viele Länder ihren Kreditbedarf reduzieren möchten (in vielen Fällen im Rahmen eines IWF-Programms) und daher weniger Emissionen vornehmen müssen.

Für Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern erwarten wir eine endzyklische Dynamik, die zuletzt sichtbarer wurde und sich bis ins Jahr 2020 fortsetzen wird. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Emissionen im Jahr 2020 über überschaubare Laufzeiten verfügt, erwarten wir eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit als die derzeit noch sichtbaren Tiefstände. Angesichts der bevorstehenden Wende im Kreditzyklus bevorzugen wir bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern tendenziell Emittenten von Investment-Grade-Anleihen gegenüber Hochzinsemittenten.

Fortsetzung nächste Seite