
Außer Spesen einiges gewesen! Während die Aktienmärkte weiter ächzen, haben KMU-Qualitätsanleihen in unserem BondGuide Musterdepot nicht ein Iota preisgegeben.
>> aus BondGuide #7-2026 vom 03. April<<
Ehrlich gesagt bin ich selbst etwas überrascht. Turnusmäßig nehme ich die Tabelle von vorheriger Ausgabe, aktualisiere zuerst die Kurse und anschließend die Zinsansprüche für die vergangenen zwei Wochen. Meine Hoffnung war, dass die Kursrückgänge womöglich nur moderat wären und im Best Case würden die Zinsansprüche – ca. 0,3 Prozentpunkte (PP) für einen 2-Wochen-Zeitraum zwischen unseren Ausgaben – etwaige Kursrücksetzer aufwiegen, so dass im Vergleich zu BG 06 kein Drama zu beklagen wäre.
Unverhofft kommt oft. Hier und dort habe ich Nachkommastellen bei den Anleihekursen des BondGuide-Musterdepots verändern müssen, aber praktisch nirgends etwas darüber hinaus. Es gab nicht mal wirklich Kursrückgänge in den vergangenen zwei Wochen, lediglich kleine Kursveränderungen. Plus Zinsansprüche für 1/26 des Jahres macht folglich +0,3 PP Zugewinn seit BG 06. Zum Vergleich: Der DAX hat bereits ca. 11% seit seinem Allzeithoch Mitte Januar abgegeben. Wie auch die allermeisten Indizes.
Ich bin schwer beeindruckt, wie gut sich unsere KMU-Anleihen gehalten haben. Bisher war man doch eher gewohnt, dass alle Assetklassen leiden, wenn Liquidität von den Kapitalmärkten abfließt. Irgendetwas ist dieses Mal anders. Meine Erklärung dafür, die vollständig unbeweisbar bleiben muss, ist, dass die Probleme, in die die Autokraten dieser Welt uns hineingezogen haben, noch nicht vollständig von allen Marktteilnehmern erfasst wurden oder realisiert werden möchten. Offensichtlich muss wieder das Wort ‚temporär‘ bemüht werden, wie schon bei der vermeintlich temporären Inflation ab 2021. Ungefähr so temporär wie der Anstieg des Preises meines täglichen Hauptgetränks, das jetzt konstant je nach Verbrauchermarkt 50 bis 80% teurer ist als 2020. Und bleibt.
Bei Beteiligungsholding Mutares gibt es News ja mindestens im Wochentakt, so auch in den vergangenen 14 Tagen. Ich zähle allein acht Beiträge auf bondguide.de seit BG 06. Fürs Musterdepot relevant: Der Waiver ist durch, die Anleihegläubiger stimmten für die vorgeschlagene Covenant-Änderung (Waiver). Konkret ging es um den temporären Verzicht auf eine Finanzkennzahl zum Verschuldungsgrad. Für jeden non-Profi-Anleger ein absolutes Non-Event. Die Zustimmung erfolgte im Rahmen des am 18. März gestarteten schriftlichen Verfahrens (AoV – Abstimmung ohne Versammlung).
Sofern ich das richtig verstanden habe, erhalten alle Anleiheinhaber – also nicht nur diejenigen, die sich an der AoV beteiligten – eine Prämie von 1,5 Prozentpunkten auf ihre Anteile. Zahlbar Mitte April. Macht 300 EUR extra-Ausschüttung oder knapp 0,2 weitere PP.
Just zum Redaktionsschluss kam Katjes International mit ihren 2025er Geschäftszahlen. Konkret kletterte der Konzernumsatz um über ein Viertel auf rund 503 Mio. EUR (Vj.: 392,6 Mio. EUR), wobei das Wachstum sowohl durch die positive Entwicklung des bestehenden Portfolios als auch durch gezielte Akquisitionen unterzuckert wurde. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarte Katjes Konzernumsatzerlöse von über 650 Mio. EUR sowie eine EBITDA-Marge in einer Bandbreite von 10 bis 12%. Beeindruckend!
Auch bei Schalke 04 gab es Zahlen. Die können Sie bitte auf bondguide.de dezidiert nachlesen. Ferner auch bei der UBM Development, die wieder profitabel unterwegs ist. Exorbitant dagegen die Deutsche Rohstoff AG (DRAG), doch wenig überraschend: Bisher planten die Mannheimer mit einem durchschnittlichen Ölpreis von ca. 75 USD. Davon kann aktuell keine Rede mehr sein bei seit März über 100 USD. Das Unternehmen erwarte nunmehr ein EBITDA von 290 bis 310 Mio. EUR, nachdem zuvor 115 bis 135 Mio. EUR veranschlagt waren. Anleihegläubiger können sich freuen, wenn auch nicht ganz so sehr wie Aktionäre.
Ausblick
Die veränderte Musterdepotstrategie, die wir seit nunmehr über zwei Jahren fahren, verstetigt sich weiter: keine Experimente oder Spekulationen mehr. Seither läuft es mehr als rund. Früher oder später in diesem Jahr wird schon der eine oder andere namhafte Refinanzierungsemittent aufschlagen – und dann muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Wer noch zu riskant aufgestellt ist, sollte beginnen, endlich umzudenken. Für das eingegangene Risiko erhielten auch wir in der Vergangenheit keine angemessene Entschädigung – sondern ebenfalls Verluste, wie vor allem 2022/23. Schluss mit diesen Irrlichtern.
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