Inflationstrend in den USA hauptsächlich durch Geopolitik verursacht

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Zugegebenermaßen bin ich spät und zögerlich zu der Einschätzung gelangt, dass die Fed die Zinsen anheben würde, vor allem aufgrund meiner Ansicht des zugrunde liegenden Inflationstrends, unabhängig von den Ölpreisen. Der aktuelle Marktkommentar von Stephen Li Jen, CEO bei Eurizon SLJ Capital:

Die Grafik zeigt, dass die Kern-PCE-Inflation – auf die sich die Fed konzentriert – seit dem Sommer tatsächlich wieder gestiegen ist, während sich die anderen von uns beobachteten Inflationsmaße in die entgegengesetzte Richtung entwickelt haben. Die Preise für Wohnraum und Dienstleistungen sind stabil geblieben, und die Inflation bei Gebrauchsgütern lag bei etwa null. Angesichts des bevorstehenden positiven Angebotsschocks durch KI war ich der Auffassung, dass der zugrunde liegende Inflationstrend in den USA und weltweit moderat war. Daher wird dieser Inflationsanstieg hauptsächlich durch die Geopolitik verursacht und stellt eine Abweichung vom primären Abwärtstrend der Inflation dar – davon bin ich weiterhin überzeugt.

Im Vorfeld des FOMC hatte der Markt bereits eine Wahrscheinlichkeit von nahezu 100% für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte eingepreist. Die Entscheidung kam daher nicht überraschend. Je weniger Orientierung die Fed auf ihren zukünftigen Kurs gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Markt und Fed nicht vollständig auf einer Linie liegen und der Markt dies erst an den FOMC-Tagen erfährt. Am Mittwoch gab es keine Überraschung, doch meines Erachtens sind die inhärenten Überraschungsrisiken unter Warsh höher als unter Powell.

Investitionsausgaben der Tech-Unternehmen bleiben hoch
Der GDPNow-Indikator der Atlanta Fed für das dritte Quartal wurde gerade auf 5,1% nach oben revidiert. Bei einer niedrigen Arbeitslosenquote sind die Kosten von Zinserhöhungen gering. Die Investitionsausgaben der Technologieunternehmen in den USA bleiben hoch, wobei etwas mehr als die Hälfte der Ausgaben auf den Import von Hardware entfällt. Die sogenannte Leakage liegt bei rund 55%. Der Konsum dürfte aufgrund höherer Hypothekenzinsen und Ölpreise weiterhin unter Druck bleiben, aber die Unternehmen sollten widerstandsfähiger gegenüber höheren Zinsen sein. Um die Wirtschaft effektiv abzubremsen und eine zweite Inflationsrunde einzudämmen, müsste die Fed den Konsum schwächen.

Stephen Li Jen, Eurizon SLG Capital

Abschwächung des Dollars
Die Umstände passen perfekt zur bekannten Saisonalität: ein schwacher September, gefolgt von einer Rally bis zum Jahresende. Viele Risiken sind inzwischen bekannt (Iran, KI), und die spekulative Positionierung bei Aktien ist bereits gering. Die Renditen langlaufender Anleihen sind hoch – ich denke, zu hoch und auf nicht nachhaltigem Niveau –, während die Fed einen Straffungszyklus eingeleitet hat, der meiner Einschätzung nach zu kurz sein wird. Ich vermute, dass die Aktienmärkte einige Wochen gedämpft bleiben dürften. Der Dollar verhält sich rational. Die Stabilität von USD/JPY deutet darauf hin, dass die Risiken weiterhin eher nach unten gerichtet sind. Mit Blick auf das vierte Quartal erwarte ich eine Rally bei Aktien, eine Beruhigung der Anleiherenditen und eine Abschwächung des Dollars.

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