FED-Chef Warsh taugt zum US-Präsidenten

Die FED hat den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Carsten Mumm sieht darin mehr als einen Zinsschritt: Es geht auch um die geldpolitische Unabhängigkeit.

Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL, ordnet den jüngsten Zinsentscheid der US-Notenbank ein:

Die Entscheidung des FOMC, den Leitzins auf 3,75 bis 4,00% anzuheben, war nach Einschätzung von Mumm weit mehr als Routine. Erstmals seit Längerem stehe nicht allein die Zinshöhe im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, ob die FED ihre geldpolitische Unabhängigkeit unter erheblichem politischen Druck behaupten kann. Das FOMC votierte einstimmig mit 12:0 für den Schritt.

Ökonomisch sei die Entscheidung nachvollziehbar: Die Inflation bleibt erhöht, während die US-Wirtschaft robust wächst und sich der Arbeitsmarkt stabil zeigt. Die FED selbst verwies auf weiterhin erhöhte Inflation, robuste Konsumausgaben, starke Produktivität und hohe Investitionen.

Keine Zinserhöhung wäre das größere Thema gewesen

Seit Kurzem Chef der FED : Kevin Warsh vor erster Feuerprobe

Seit Kurzem Chef der FED : Kevin Warsh vor erster Feuerprobe

Eine unveränderte Leitzinspolitik hätte aus Sicht von Mumm die Finanzmarktrisiken erhöhen können. Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen und Zweifel an der Unabhängigkeit der FED hätten die Inflationsbekämpfung erschwert. Der nun vollzogene Schritt könne dagegen dazu beitragen, die geldpolitische Glaubwürdigkeit zu sichern und der US-Regierung Zeit für einen weniger expansiven Fiskalkurs zu verschaffen.

Hinzu kommen die geopolitischen Risiken. Handelspolitik und Energiepreise wirken derzeit zusätzlich auf die Inflation. Die FED selbst verwies auf erhöhte Unsicherheit durch geopolitische Entwicklungen.

Warsh setzt auf Preisstabilität

FED-Chef Kevin Warsh machte in der Pressekonferenz deutlich, dass die Preisstabilität angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks Priorität behalten müsse. Zugleich rückte er das Thema Affordability in den Mittelpunkt – also die Frage, wie erschwinglich Wohnen, Energie und andere Güter des täglichen Lebens für breite Bevölkerungsschichten noch seien.

Mumm hebt dabei insbesondere die Belastung jener Amerikaner hervor, die über wenig Vermögen verfügen und daher stärker auf einen stabilen Arbeitsmarkt und niedrige Inflation angewiesen sind. Die steigenden Lebenshaltungskosten treffen diese Gruppe besonders unmittelbar. Zugleich verweist Mumm auf den zusätzlichen Inflationsdruck durch Zölle, Migration und gestiegene Energiepreise.

Für Mumm zeigt sich damit ein politisch unbequemer Zielkonflikt: Die Regierung fordert niedrigere Zinsen, während die Notenbank angesichts der Inflation an einem restriktiveren Kurs festhält. Präsident Donald Trump kritisierte die Zinserhöhung unmittelbar und forderte deutlich niedrigere Zinsen.

Der eigentliche Punkt des Kommentars liegt damit weniger im einzelnen Zinsschritt als in dessen Signalwirkung: Mumm sieht die FED unter Warsh als Institution, die sich trotz politischen Drucks an ihrem Mandat orientiert. Die Frage, wie lange diese Unabhängigkeit Bestand haben kann, dürfte die Finanzmärkte damit weiter beschäftigen.

Carsten Mumm

Carsten Mumm ist Chefvolkswirt von DONNER & REUSCHEL und ordnet regelmäßig die Markt- und Wirtschaftsentwicklung ein. Das Bankhaus ist seit 1798 aktiv und gehört zur SIGNAL IDUNA Gruppe.

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