Mittelstandsmarkt 2.0, Status: negativ – Expertenkommentar

Von Thomas Ronfeld, Abteilungsdirektor Capital Markets, DONNER & REUSCHEL

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„10 Mio. EUR bei hkw verschwunden?“,  „Bekleidungsbonds in Not“. Diese und ähnliche Schlagzeilen bestimmten die Berichterstattung über Mittelstandsanleihen Ende 2013. Der Markt bezahlt nicht nur den Preis für sein rasantes Wachstum in den vergangenen Jahren, sondern auch für seine Geburtsfehler und Wild-West-Methoden einiger Marktteilnehmer.

Platziert wurde, was hohe Zinsen versprach, mit einem bekannten Markennamen glänzte oder einfach eine hohe Platzierungsgebühr mit sich brachte. Private und semiprofessionelle Anleger im Renditerausch kauften nicht selten ohne ganz genau hinzuschauen und wurden hierbei teilweise auch durch mangelhaft durchgeführte Ratings in ihrer Kaufentscheidung bestärkt.

Die andere Seite
Auf der anderen Seite besteht weiterhin Bedarf an bankenunabhänigen Finanzierungsformen. Außerdem lastet der Druck auf den Schultern der Investoren, mehr Rendite zu erzielen als mit Bundesanleihen oder Festgeld zu erreichen sind. Selbstverständlich ist die Investition in den Mittelstand weiterhin eine erstklassige Chance, sein Geld sinnvoll anzulegen. Das Problem dabei? Leider findet man nicht allzu viele klassische Mittelständler in den Mittelstandssegmenten der verschiedenen Börsenplattformen. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) steht schon seit längerem die Finanzierung ohne Einbeziehung der öffentlichen Kapitalmärkte offen, indem sie als Alternative zur notierten Anleihe z. B. Schuldscheindarlehen begeben oder eine Privatplatzierung einer Anleihe durchführen.

Für diese Emittenten gibt es auch einen wachsenden Kreis von Investoren aus den Bereichen Versorgungskassen, Versicherungen und ähnlich gelagerten Kapitalsammelstellen.

Für die Begebung dieser Finanzierungsvehikel haben sich einige Mindeststandards herausgebildet. Diese umfassen unter anderem die Garantie eines jährlich erneuerten Ratings, feste Vereinbarungen über das Einhalten bilanzieller Standards und Quoten sowie positive Aussagen zur Kapitaldienstfähigkeit über die gesamte Laufzeit. Qualifizierte Emittenten haben also jederzeit die Möglichkeit, sich über – aber nicht von – Banken,  Finanzierungsmittel zu sichern.

Weiter so oder Neustart?
Der starke Platzierungserfolg bei öffentlich angebotenen sogenannten Mittelstandsanleihen hat von Anfang an die Ausbildung sinnvoller Standards und die nüchterne Einschätzung von Chance und  Risiko behindert. Durch die Schocks der letzten Zeit sollte nun eine Neubesinnung eintreten.

Investoren sind bereits selektiver geworden und werden wohl nur dann an die Märkte  zurückkommen, wenn ihnen hochwertigere Deals angeboten werden als zuvor.  Ein Weitermachen wie bisher scheint ausgeschlossen. Der Platzierungserfolg der letzten Jahre zeigt allerdings, dass es ein großes Interesse gibt, in den Mittelstand zu investieren.

Für Emittenten kann es daher auch in Zukunft durchaus interessant sein, ihre Firma für eine bestimmte Zeit (und unter Berücksichtigung der neuen Qualitätsanforderungen) ins Schaufenster der Öffentlichkeit zu stellen; quasi ein IPO auf Zeit.

Fazit
Um neues Vertrauen bei Investoren auszubilden sind alle Marktteilnehmer gefordert, sich auf transparente und verbindliche Standards für Emissionen zu einigen. Offensichtlich muss in Zukunft ein weitaus differenzierteres Pricing den Investoren die Sicherheit geben, fair behandelt zu werden. Mittelstandsanleihen müssen das Stigma der Digitalität verlieren. Es sollte keine Frage sein, ob eine Anleihe mit 0 oder 100 zurückgezahlt wird, sondern nur wie hoch der Zinskupon sein muss, um das Risiko richtig zu bewerten.