Anlegertrends: EZB-Zinspolitik lässt Anleger risikofreudiger agieren

Panthermedia / Petrus Bodenstaff Bodenstaff

Vor dem Hintergrund der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wagen sich Anleger in immer risikoreichere Gefilde. Nachdem die EZB in der vergangenen Woche den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25% gesenkt hat, ist die Trüffelsuche nach halbwegs rentierlichen Anlagen von einigermaßen ordentlichen Schuldnern nochmals schwieriger geworden. Gleichzeitig werden am Beispiel Italien die Beweggründe greifbar, die die EZB zu dem erneuten Zinsschritt getrieben haben. Bei einer Versteigerung von einjährigen Schuldtiteln in dieser Woche konnte sich das südeuropäische Land so günstig wie noch nie refinanzieren.

Auffallend war nach der jüngsten Zinsentscheidung die Wiederentdeckung von Fremdwährungsanleihen. Im Zuge einer schwächeren Euro-Entwicklung rückten somit Bonds der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die in brasilianischen Real und türkischer Lira notieren, in den Blickpunkt. Gesucht waren unter anderem eine Anleihe der KfW (WKN: A1E8U5) in türkischer Lira mit Laufzeit 2/2016 und einer Rendite von ca. 7,82% sowie eine Medium Term Note der KfW (A1RE8Z) in brasilianischen Real, die mit ca. 9,56% rentiert und 3/2016 fällig wird.

Klaus Stopp, Baader

Klaus Stopp, Baader

Gesucht waren auch Anleihen der Euro-Peripherie, die aufgrund der Zusicherung der EZB, alles für den Erhalt des Euros zu tun, in den vergangenen Monaten stetig gestiegen sind. So gesehen, sind diese Bonds anscheinend keine Risikopapiere mehr, werfen aber wie eine zehnjährige Anleihe Spaniens (A1HK7U) immer noch rund 4 % Rendite ab.

Ebenso gefragt waren ein Bond von Hyundai (A1HKXR), der im Mai 2017 fällig wird und mit ca. 4,80 % rentiert sowie eine Anleihe von NH Hoteles (A1HS2R) mit ca. 6,36 % Rendite und Laufzeit bis November 2019.

Dass nicht immer alle Rechnungen aufgehen, haben Anleger erlebt, die in Venezuela engagiert waren. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) geäußert hatte, er sehe das ölreiche Land von einer Wirtschaftskrise bedroht, waren dessen Anleihekurse eingebrochen. So fiel ein bis März 2015 laufender Bond von Venezuela (A0DZ45) auf rund 91 %, nachdem der Kurs zuvor stabil um pari notiert hatte. Bei dem jetzigen Kursniveau errechnet sich eine Rendite von rund 14,30%.

Doch trotz Anlagenotstands gehen die Investoren selektiv vor. Darauf deutet  eine Untersuchung der Ratingagentur Scope hin. Demnach ist die Platzierungslücke bei hochrentierlichen deutschen Mittelstandsanleihen in diesem Jahr auf 30% gestiegen. 2010 waren es noch 12%. Die in diesem Jahr bekannt gewordenen Unternehmensinsolvenzen haben die Investoren offenbar vorsichtiger werden lassen. Bei den hohen Kupons ist es durchaus möglich, gezielt Chancen zu nutzen.

Corporate Bonds: Daimler und Danone bringen milliardenschwere Bonds an den Markt
Unter einer ganzen Reihe von Neuemissionen stachen in dieser Woche Bonds von Daimler und Danone heraus. Der Stuttgarter Autobauer brachte eine 5-jährige Anleihe (A1X3GC), die mit einem Kupon von 1,50% ausgestattet ist und bis November 2018 läuft, erfolgreich am Markt unter. Gepreist wurde der 1 Mrd. EUR schwere Bond bei +43 bp über Mid-Swap, was einem Emissionspreis von 99,756% entsprach. Ebenfalls 1 Mrd. EUR schwer ist die neue Anleihe des Getränke- und Lebensmittelkonzerns Danone mit Sitz in Paris (A1HTD0), die im November 2021 fällig wird und einen Kupon von 2,25 % aufweist. Gepreist wurde der „Yoghurt“-Bond bei +53 bp über Mid-Swap. Der Emissionspreis betrug 99,92%.

Mit General Mills begab  ein weiterer Lebensmittelkonzern eine 7-jährige Anleihe (A1HTD1) mit Fälligkeit November 2020. Der Kupon des 500 Mio. EUR schweren Bonds beträgt 2,10%. Gepreist wurde die Anleihe bei +55 bp über Mid-Swap, was einem Emissionspreis von 99,98% entsprach.

Der Bergbau- und Rohstoffkonzern Anglo American zapfte gleich mit zwei Anleihen den Kapitalmarkt an. Der erste Bond (A1HTLG) läuft bis November 2017 und weist einen Kupon von 1,75% auf. Gepreist wurde die 4-jährige Anleihe, deren Volumen 900 Mio. EUR beträgt, bei +97 bp über Mid-Swap. Der Emissionspreis wurde mit 99,675% fixiert. Der zweite neue Bond von Anglo American (A1HTLH) mit Laufzeit November 2020 und einem Kupon 2,875 % ist 600 Mio. EUR schwer. Gepreist wurde der 7-jährige Titel bei +65 bp über Mid-Swap, was einem Emissionspreis von 99,395 % entsprach.

Ebenfalls ein Duo an Bonds platzierte Total, ein französisches Mineralölunternehmen. Zum einen emittierte Total eine Anleihe (A1HTK1), die bis November 2021 läuft und einen Kupon von 2,125 % aufweist. Die 850 Mio. EUR schwere Anleihe wurde bei +47 bp über Mid-Swap gepreist. Der Emissionspreis betrug 99,361%. Zum anderen begab Total eine 650 Mio. EUR schwere Anleihe (A1HTK2) mit Fälligkeit November 2025 und einem Kupon von 2,875%. Gepreist wurde die 12-jährige Anleihe bei +65 bp über Mid-Swap, was einen Emissionspreis von 99,331% ergab.

Klaus Stopp, Leiter Skontroführung Renten, Baader Bank AG
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