
Variable Anleihen können bei anhaltender Zinsvolatilität attraktiven Carry mit geringer Duration verbinden und das Zinsrisiko begrenzen.
Emma Gayrard, CFA, Credit Portfolio Manager bei Crédit Mutuel Asset Management, sieht variabel verzinsliche Anleihen (Floating Rate Notes, FRNs) in einem weiterhin volatilen Zinsumfeld als interessante Ergänzung für Anleiheportfolios. Sie könnten attraktive Carry-Erträge ermöglichen und zugleich das Durationsrisiko begrenzen.
Mehrere Faktoren belasten derzeit die Anleihemärkte. Ein wesentlicher Treiber ist der energiebedingte Inflationsschock infolge des Iran-Kriegs und der Spannungen in der Straße von Hormus. Höhere Energiekosten lassen die Inflation steigen und verstärken die Sorgen vor einer Stagflation. Gleichzeitig belasten steigende Haushaltsdefizite, Konjunkturprogramme und KI-bedingte Investitionsausgaben die Anleihemärkte durch eine hohe staatliche Emissionstätigkeit.
In diesem Umfeld dürften Zinsvolatilität und Unsicherheit anhalten. Für renditeorientierte Anleger erscheinen daher insbesondere kurze bis mittlere Laufzeiten interessant. Ein vorsichtiger und selektiver Ansatz mit Fokus auf Carry und begrenzte Duration kann dabei Vorteile bieten.
So funktionieren FRNs
Der Kupon einer FRN setzt sich aus einer festen Kreditmarge und einer variablen Geldmarktkomponente zusammen. Die Kreditmarge wird bei der Emission festgelegt und vergütet das Kreditrisiko des jeweiligen Emittenten. Die variable Komponente orientiert sich an kurzfristigen Referenzzinssätzen wie Euribor in Europa oder SOFR in den USA.
Die Geldmarktkomponente wird regelmäßig an das aktuelle Zinsniveau angepasst. Genau darin liegt der wesentliche Unterschied zu klassischen festverzinslichen Anleihen: Während deren Kurse bei Veränderungen der Marktzinsen deutlich schwanken können, weisen FRNs aufgrund ihrer sehr geringen Duration eine deutlich geringere Zinssensitivität auf.
Ihre modifizierte Duration liegt laut Gayrard in der Regel zwischen 0 und 0,25. Dadurch weisen FRNs gegenüber vergleichbaren festverzinslichen Anleihen eine rund 80% geringere Volatilität auf.
Auch bei sinkenden Zinsen interessant
FRNs sind dabei keine einseitige Wette auf steigende Zinsen. Sollten die Zentralbanken die Leitzinsen wieder senken, blieben die Kurse aufgrund der geringen Duration weitgehend stabil. Zwar würde sich der variable Kupon entsprechend nach unten anpassen, der Carry könnte jedoch attraktiv bleiben, solange die Zinsen auf einem vergleichsweise hohen Niveau verharren.
Diese Asymmetrie macht FRNs aus Sicht von Gayrard über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg interessant. Ein erneutes Niedrigzinsumfeld wie vor 2022 sei nicht zu erwarten.
Damit könnten variabel verzinsliche Unternehmensanleihen eine Kombination aus Absicherung gegen Zinsschwankungen, attraktivem Carry und Kursstabilität bieten. Gerade angesichts des weiterhin schwierigen Fixed-Income-Umfelds könnten FRNs daher eine interessante Differenzierungsmöglichkeit für Anleger darstellen.
Emma Gayrard, CFA, ist Credit Portfolio Manager bei Crédit Mutuel Asset Management.
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