China liefert sich Wettlauf um die nächste Weltraum-Ära

China holt im Weltraum auf: Wiederverwendbare Raketen, Solartechnik und KI-Infrastruktur könnten das Kräfteverhältnis mit den USA verändern.

Das Weltraum-Ökosystem wird heute weitgehend von den USA dominiert – vor allem dank SpaceX und der Starlink-Konstellation. China verfügt zwar erst über rund 9% der weltweit rund 5.000 Satelliten gegenüber fast 77% der USA, verfolgt jedoch eine langfristig angelegte Aufholstrategie.

China akzeptiert dabei zunächst einen technologischen Rückstand, argumentiert Alexis Bienvenu von LFDE, investiert massiv in bestehende Technologien und versucht anschließend, diese auf industriellem Niveau und zu geringeren Kosten einzusetzen. Ein Beispiel dafür sind wiederverwendbare Trägerraketen. 2026 gelang es den chinesischen Unternehmen CASC und LandSpace erstmals, entsprechende Raketen erneut einzusetzen. Der Abstand zu SpaceX bleibt zwar erheblich, doch die technologische Entwicklung könnte Chinas Position im Weltraum stärken.

Energie wird zur nächsten Front

Das Rennen um den Weltraum beschränkt sich allerdings längst nicht mehr auf Beobachtung, Kommunikation und militärische Anwendungen. Eine weitere mögliche Schlüsseltechnologie ist die Energieversorgung.

China will im Weltraum nach dem Beispiel von SpaceX aufholen

China will im Weltraum nach dem Beispiel von SpaceX aufholen

China arbeitet an Konzepten, mit großen Solarmodulen im Orbit Strom zu erzeugen. Dieser könnte perspektivisch Weltraum-Rechenzentren für KI oder Infrastruktur auf dem Mond versorgen. Denkbar wäre zudem eine Übertragung der Energie per Mikrowellen zur Erde.

Dabei könnte China auf seine starke Position bei der Herstellung terrestrischer Solarmodule aufbauen. Besonders interessant sind Perowskite, eine neue Generation von Photovoltaikmaterialien. Sie sind leichter und potenziell leistungsfähiger als herkömmliches Silizium – ein wichtiger Vorteil, wenn jedes Kilogramm zunächst in die Umlaufbahn gebracht werden muss.

Noch stehen solchen Konzepten allerdings erhebliche Hürden gegenüber. Ein kommerzielles Solarkraftwerk im Weltraum existiert bislang nicht. Start, Montage, Energieübertragung und Wartung verursachen hohe technologische und wirtschaftliche Kosten. Von einem industriellen Einsatz ist das Konzept daher noch weit entfernt.

Europa bleibt zurück

Europa ist im Weltraum ebenfalls ein relevanter Akteur. Mit Ariane 6, Galileo, Copernicus und IRIS verfügt die Region über wichtige eigene Technologien und Infrastrukturen. Bei der Entwicklung wiederverwendbarer Trägerraketen besteht allerdings ein deutlicher Rückstand: Bislang verfügt Europa über keine entsprechende Trägerrakete.

Aus Sicht von Bienvenu zeichnet sich damit ein neuer technologischer Wettlauf zwischen den USA und China ab. Während die USA bei Satelliten und Trägerraketen weiterhin deutlich vorne liegen, könnte die Solarenergie im Weltraum ein Bereich werden, in dem China seine industrielle Stärke ausspielt.

Für Anleger rückt damit ein langfristiger Technologietrend in den Blick: Der Wettbewerb um die nächste Generation der Weltrauminfrastruktur könnte sich zunehmend von Raketen und Satelliten auf Energie, KI und die dafür notwendige industrielle Lieferkette verlagern.

Alexis Bienvenu

Alexis Bienvenu ist Fondsmanager bei La Financière de l’Échiquier (LFDE). Die 1991 gegründete französische Vermögensverwaltungsgesellschaft ist seit 2023 Tochtergesellschaft von LBP AM und verwaltet nach eigenen Angaben per 30. Juni 2026 mehr als 26 Mrd. EUR. LFDE beschäftigt rund 170 Mitarbeiter.

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