US-Small-Caps liefern gute Argumente für ein Comeback

US-Small-Caps holen auf: Bewertungen nahe historischer Tiefstände treffen auf steigendes Gewinnwachstum, KI-Investitionen, Reshoring und Deregulierung.

Lange Zeit blieben US-Small-Caps hinter ihren Large-Cap-Pendants zurück. Zwar waren kleinere Unternehmen vergleichsweise günstig bewertet, doch es fehlten die fundamentalen Katalysatoren für nachhaltiges Gewinnwachstum. Das könnte sich nun ändern: KI-Investitionen, Deregulierung und Reshoring schaffen ein Umfeld, von dem kleinere US-Unternehmen profitieren könnten, so das U.S. Growth and Core Equity Team von William Blair Investment Management.

Im bis zum 31. Juli 2026 reichenden Einjahreszeitraum erzielten Small Caps bereits eine starke Entwicklung und lagen 1.400 Basispunkte vor Large Caps. Die fünf Argumente für eine Fortsetzung dieser Entwicklung beginnen bei der Bewertung.

  1. Bewertungsabschlag auf historischem Niveau

Zum 30. Juni 2026 lag das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von Small Caps im Verhältnis zu Large Caps bei 0,77. Der historische Median liegt bei 1,04. Der Bewertungsabschlag ist damit ungewöhnlich groß. Historisch folgten auf vergleichbare Bewertungsunterschiede Phasen einer Outperformance von Small Caps. Eine Rückkehr zum langfristigen Mittel könnte entsprechend Spielraum für eine Neubewertung eröffnen.

Bewertungen von US-Small-Caps auf historischen Tiefs

Bewertungen von US-Small-Caps auf historischen Tiefs

  1. Gewinnwachstum beschleunigt sich

Nach einer Gewinnrezession 2023 und 2024, die unter anderem durch höhere Finanzierungskosten belastet wurde, ist das Gewinnwachstum wieder positiv. Konsensschätzungen erwarten für die kommenden drei Jahre Zuwächse im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Die erwartete Beschleunigung ist zudem über Industrie-, Rohstoff- und andere zyklische Sektoren verteilt und nicht auf einen einzelnen Treiber beschränkt.

  1. KI schafft eine physische Lieferkette

Die massiven KI-Investitionen der Hyperscaler könnten eine nachhaltige Nachfrage nach kleineren Unternehmen erzeugen. Die Investitionsausgaben von Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle dürften laut William Blair in den kommenden beiden Jahren jeweils die Marke von 700 Mrd. USD beziehungsweise 1 Bio. USD überschreiten.

Davon profitieren nicht nur die großen Technologiekonzerne selbst. Die KI-Infrastruktur benötigt Stromversorgung, Rohstoffe, Rechenzentren, Bauleistungen, Wartung und zunehmend auch Robotik. Small Caps könnten dabei als „Schaufeln und Spitzhacken“ der KI-Investitionswelle fungieren. Gleichzeitig könnten neue KI-Werkzeuge die Produktivität kleinerer Unternehmen erhöhen und deren Margen verbessern.

  1. Deregulierung und Reshoring

Ein weniger restriktives regulatorisches Umfeld, niedrigere Unternehmenssteuern und Investitionsanreize sollen die heimische Produktion in den USA fördern. Davon könnten Small Caps überproportional profitieren. Die stärkere Binnenmarktausrichtung macht sie zudem weniger abhängig von Währungsbewegungen sowie Veränderungen der Zoll- und Handelspolitik.

Auch für Fusionen und Übernahmen könnte das Umfeld günstiger werden. Attraktiv bewertete Small Caps könnten potenzielle Übernahmeziele für größere Unternehmen sein.

  1. Diversifikation abseits der Mega-Caps

Die Konzentration im S&P 500 hat laut William Blair historische Extremwerte erreicht: Die größten Unternehmen stehen inzwischen für 38% der Marktkapitalisierung des Index. Small Caps bieten demgegenüber einen deutlich anderen Branchenmix mit höheren Anteilen von Finanzwerten, Industrie und Gesundheit.

Damit können sie einen Diversifikationseffekt liefern, statt lediglich eine weitere Variante der stark konzentrierten Mega-Cap-Positionierung darzustellen. Zugleich eröffnet der breitere Sektormix Zugang zu anderen Wachstumstreibern der US-Wirtschaft.

Fazit

Aus Sicht von William Blair treffen bei US-Small-Caps derzeit mehrere Faktoren zusammen: Bewertungsabschläge, wieder anziehendes Gewinnwachstum, hohe KI-Investitionen, Deregulierung und eine stärkere Ausrichtung auf den US-Binnenmarkt. Nach einer Rendite von 34% im bis Ende Juli laufenden Einjahreszeitraum sieht das Investmentteam darin die Möglichkeit für eine breitere Beteiligung am robusten US-Wachstum.

Die Argumentation bleibt dabei eine Investmentthese von William Blair; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen.

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