
Die FED hebt die Zinsen auf 3,75 bis 4,00% an. Während der Ton restriktiv bleibt, rückt der langfristige Zinsboden stärker in den Fokus.
Die US-Notenbank FED hat ihren Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00% angehoben. Für Anleger ist jedoch weniger der Zinsschritt selbst entscheidend als die Frage, wie weit die Zinsen danach noch steigen und insbesondere, wie tief sie in einem späteren Zyklus wieder fallen können.
Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, hält die verbreitete Einordnung als ‘dovish hike’ deshalb für zu kurz gegriffen. Das wirtschaftliche Umfeld sei keineswegs schwach: Die FED sieht robustes Wachstum, starke Produktivität und eine solide Investitionstätigkeit, während die Inflation zugleich zu hoch bleibt. Für 2026 hob sie ihre Wachstumsprognose auf 2,3% an, senkte die Arbeitslosenprognose auf 4,1% und erhöhte die erwartete PCE-Inflation auf 3,7%.
Auch der Fed Dot Plot liefere ein gemischtes Bild. Der Median signalisiert nach dem aktuellen Schritt noch eine weitere Zinserhöhung 2026. Zugleich stieg der längerfristige Fed-Funds-Dot von 3,06 auf 3,25%. Für Nussbaumer ist gerade dieser höhere langfristige Zinsboden strategisch relevant: Ein Ende der Straffung muss demnach nicht automatisch eine Rückkehr zu früheren Niedrigzinsniveaus bedeuten.
Jeff Schulze, Head Investment Strategist beim Franklin Templeton Institute, sieht ebenfalls einen klar restriktiven Grundton. FED-Chef Kevin Warsh habe in seiner Pressekonferenz den hawkischen Ton seiner Jackson-Hole-Rede fortgesetzt und die Preisstabilität zur zentralen Priorität erklärt. Zugleich bekräftigte Warsh, nicht im Geschäft mit ‘Forward Guidance’ zu sein.
Für die Treasury-Kurve ergeben sich daraus unterschiedliche Szenarien. Kurzlaufende Renditen könnten zunächst steigen, wenn weitere Zinsschritte eingepreist werden. Werden diese Erwartungen später wieder ausgepreist, könnte dagegen ein Bull Steepener entstehen – also fallende Zweijahresrenditen bei vergleichsweise stabilen Zehnjahresrenditen.
An den Märkten zeigte sich zunächst die restriktive Interpretation: Fed-Funds-Futures und langfristige Anleiherenditen stiegen, während US-Aktien nachgaben. Entscheidend bleibt damit weniger die Etikettierung als ‘dovish’ oder ‘hawkish’, sondern die Frage nach dem Zinsboden des nächsten Zyklus.
Serge Nussbaumer ist Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix. Jeff Schulze verantwortet als Head Investment Strategist die Anlagestrategie beim Franklin Templeton Institute.
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