Schwache Geschäftsmodelle gehen vom Netz: Eine Konsolidierung stabilisiert die Energiewende – sie beendet sie nicht

Die Krise einzelner Geschäftsmodelle ist laut aream keine Technologiekrise: Sinkende Preise und weniger Wettbewerb eröffnen Investoren neue Chancen.

Die Branche der Erneuerbaren Energien durchläuft derzeit eine spürbare Marktbereinigung. Nach Einschätzung von Markus W. Voigt, Executive Chairman der aream Group, handelt es sich dabei jedoch nicht um eine Krise der Technologie, sondern um eine Korrektur bestimmter Finanzierungs- und Geschäftsmodelle. „Investoren, die nicht den Hype, sondern die Realität gekauft haben, stehen gut da und ihnen eröffnen sich jetzt neue Chancen.“

Ein erstes Problem betrifft Projektentwickler, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf fertig entwickelter Projekte beruht. Flächensicherung, Gutachten und Genehmigungen verursachen über Jahre Kosten, während Einnahmen erst beim Verkauf entstehen. Seit der Zinswende sinken die erzielbaren Preise, Käufer agieren zurückhaltender und die Finanzierungskosten laufen weiter. Auch eine zu breite Aufstellung über Photovoltaik, Wind, Wasserstoff, Wärme und Speicher kann hohe Vorleistungen und komplexe Strukturen erzeugen.

Beim zweiten Muster geht es um Solar- und Windparks in der eigenen Bilanz, die überwiegend fremdfinanziert sind. Steigende Zinsen und gleichzeitig sinkende Erlöse je erzeugter Kilowattstunde können den Cashflow unter den erforderlichen Schuldendienst drücken. Zusätzliches Fremdkapital löse das Problem nicht dauerhaft, wenn es nicht zur strukturellen Verbesserung der Assets eingesetzt werde, etwa durch Hybridisierung mit Speichern.

Einzelne Geschäftsmodelle werden einer neuerlichen Prüfung unterzogen

Einzelne Geschäftsmodelle werden einer neuerlichen Prüfung unterzogen

Besonders unter Druck stehen laut Voigt Solarparks ohne Speicher, die nach Februar 2025 ans Netz gingen und über keinen langfristigen Stromabnahmevertrag verfügen. Alle Anlagen produzieren gleichzeitig, wenn die Sonne scheint – entsprechend sinkt der erzielbare Strompreis.

Die Capture Rate von Solarstrom in Deutschland fiel von rund 58% des durchschnittlichen Strompreises 2024 auf etwa 50% im Jahr 2025 und nochmals im Frühjahr 2026. In mehr als 7% der Stunden lag der Strompreis 2026 bereits unter null. Gleichzeitig setzen in rund 40% der Stunden Gaskraftwerke den Preis mit Grenzkosten zwischen 101 und 144 EUR je MWh. „Solarstrom ohne Speicher verliert damit an Wert, während der Strompreis am Abend hoch bleibt“, so Voigt.

Besser positioniert seien Investment- und Asset-Manager, die nicht ausschließlich vom Projektverkauf leben, sondern über langfristiges Kapital die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Die Anlagen produzierten schließlich weiterhin Strom und generierten laufende Erträge. Durch Speicher könne die Produktion zudem in die teureren Abend- und frühen Morgenstunden verschoben werden.

Für langfristig orientierte Investoren eröffnen sich damit neue Möglichkeiten. Teilentwickelte Projekte werden günstiger, während auf der Entwicklungsseite weniger Wettbewerb erwartet werde. Gleichzeitig bleibt die institutionelle Nachfrage nach erneuerbaren Erzeugungsanlagen hoch – auch wegen des erwarteten steigenden Stromverbrauchs in den kommenden Jahren.

Gerade Fonds für Erneuerbare Energien und Speicher-Hybridisierung könnten von der Korrektur profitieren. „Fondsrenditen werden im Einkauf verdient“, so Voigt. Fertig entwickelte und baureife Hybridprojekte seien dagegen weiterhin stark nachgefragt. „Eine Konsolidierung stabilisiert die Energiewende – sie beendet sie nicht.“

Markus W. Voigt, aream Group

Über den Autor und die aream Group: Markus W. Voigt ist Executive Chairman der aream Group SE. Das 2005 gegründete Unternehmen entwickelt und managt Investments in Wind- und Solarenergie, Netze und Speicher und deckt dabei die Wertschöpfungskette von Projektentwicklung bis Asset-Management ab.

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