Die FED vor der Nagelprobe: Volcker oder Burns?

Die FED steht vor einer historischen Weichenstellung: Auf die hawkishe Rhetorik von Kevin Warsh müssten nun auch geldpolitische Taten folgen.

Benjamin Bente, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Vates Invest, sieht FED-Präsident Kevin Warsh nach dessen jüngster Rede beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole weiterhin auf einem zunächst vor allem rhetorisch restriktiven Kurs. Warsh sei bislang eher ‚hawkish in words‘, während seine tatsächlichen Entscheidungen eher taubenhaft ausgefallen seien.

Als Hawk (Falke) oder Dove (Taube) bezeichnen Beobachter die beiden möglichen Kurse der US-Notenbank.

Bemerkenswert sei dabei Warshs klare Aussage zur Inflation: Die Verantwortung für die inzwischen seit 65 Monaten erhöhte Teuerung liege eindeutig bei der US-Zentralbank. Damit distanziere er sich zumindest verbal von seinem Vorgänger, der lange von einer lediglich vorübergehenden Inflation gesprochen habe.

Chef der FED : Kevin Warsh. Schon in Kürze wird auch er wohl den Groll von Trump 2.0 ernten.

Chef der FED : Kevin Warsh. Schon in Kürze wird auch er wohl den Groll von Trump 2.0 ernten.

Für Bente stellt sich deshalb die entscheidende Frage: Folgen den Worten nun Taten? Eine wirksame Inflationsbekämpfung lasse sich schließlich nicht durch Appelle erreichen, sondern nur durch konsequentes Handeln – insbesondere durch Zinserhöhungen.

An den Märkten zeigt die Rede bereits Wirkung. Die Geldmärkte preisen inzwischen wieder zwei Zinserhöhungen ein; die erste wird bereits für die September-Sitzung erwartet. Damit könnte die FED noch vor den US-Zwischenwahlen vor einer entscheidenden Probe stehen.

Warsh bleiben laut Bente nur noch ein bis zwei Sitzungen, um seine restriktive Rhetorik mit konkreten Entscheidungen zu untermauern. Eine Leitzinsanhebung vor den Midterms wäre politisch allerdings heikel, da sich Warsh damit direkt gegen US-Präsident Donald Trump 2.0 stellen würde.

Damit steht der FED-Präsident vor einer historischen Richtungsentscheidung: Folgt er dem Beispiel von Paul Volcker, der die Inflation konsequent bekämpfte – unabhängig von politischen Interessen und persönlicher Popularität? Oder orientiert er sich eher an Arthur Burns, dem eine zu große Rücksichtnahme auf politische Belange vorgeworfen wurde?

Volcker oder Burns: Letztlich werden nicht Warshs Worte, sondern seine Taten – oder deren Ausbleiben – darüber entscheiden, welchen Weg die US-Notenbank einschlägt.

Benjamin Bente, Vates Invest

Benjamin Bente ist Geschäftsführer und Leiter Portfoliomanagement der Vates Invest GmbH, die er 2011 gründete. Vates Invest ist eine inhabergeführte Asset-Management-Boutique mit Schwerpunkt auf quantitativen Analysen des monetären, konjunkturellen und sentimenttechnischen Umfelds.

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