Wer verdient mit KI-Infrastruktur eigentlich wirklich Geld?

Der Boom bei der KI-Infrastruktur geht weiter – doch mit steigenden Investitionen wird die entscheidende Frage immer dringlicher: Wer verdient damit tatsächlich Geld?

Andrew O’Brian, CFA, Portfoliomanager und Analyst für Sektor- und Themenstrategien bei Putnam Investments, Teil von Franklin Templeton, sieht ein breiter werdendes Chancenspektrum. Der Ausbau beschränkt sich längst nicht mehr auf GPUs: Auch Speicher, Netzwerktechnik, optische Komponenten, kundenspezifische Chips und Halbleiterausrüstung werden wichtiger.

Vieles spricht laut O’Brian dafür, dass die KI-Investitionen weiter steigen. Unternehmen investieren sowohl offensiv für neue Umsatzquellen als auch defensiv, um bei Rechenkapazitäten und geistigem Eigentum nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zugleich ist die KI-Nutzung noch vergleichsweise früh – und könnte mit zunehmender Verbreitung die Nachfrage nach Rechenzentren und Stromkapazitäten überproportional antreiben.

KI-Infrastruktur boomt - toll wäre, wenn jemand auch Geld verdienen würde...

KI-Infrastruktur boomt – toll wäre nun, wenn auch jemand Geld verdienen würde…

Ein interessanter Gradmesser ist die Monetarisierung pro Gigawatt: Wie viel Umsatz lässt sich mit einer bestimmten Stromkapazität eines Rechenzentrums erzielen? Zwar steigen die Kosten für den Ausbau, gleichzeitig wächst aber auch das Umsatzpotenzial. Das könnte bestehende Kapazitäten wertvoller machen und weitere Investitionen der Cloud-Anbieter stützen.

Bei der Rendite bleibt indes vieles offen. Während der Ausbauphase stiegen die Investitionsprognosen teils deutlich schneller als Umsatz- und Gewinnerwartungen. Bei Amazon lagen die Konsensschätzungen für die Investitionsausgaben 2027 zu Jahresbeginn rund 120% über dem Niveau zwei Jahre zuvor, während die Umsatzschätzungen für 2027 weitgehend unverändert blieben. Zuletzt haben sich jedoch Umsatzwachstum und Auftragsbestände verbessert – ein mögliches Zeichen dafür, dass die Monetarisierung mit den Ausgaben Schritt hält.

Für Anleger stellt sich damit vor allem die Frage, wer den geschaffenen Wert vereinnahmt. Nicht zwangsläufig das Unternehmen mit dem fortschrittlichsten KI-Modell. Vertrieb, firmeneigene Daten, die Integration in bestehende Arbeitsabläufe, Preissetzungsmacht und Hürden für einen Anbieterwechsel könnten mindestens ebenso wichtig sein.

O’Brian nennt daher drei zentrale Prüfsteine: Hält die Nachfrage an? Verbessert sich die Wirtschaftlichkeit mit zunehmender Skalierung? Und wer kontrolliert die Kundenbeziehung? Früh in der KI-Infrastruktur dabei zu sein, sei jedenfalls noch keine Investmentthese.

Andrew O’Brian

Andrew O’Brian ist CFA und Portfoliomanager sowie Analyst für Sektor- und Themenstrategien bei Putnam Investments. Putnam Investments gehört zur Franklin-Templeton-Gruppe und ist im Asset Management tätig.

———-

BondGuide nutzt KI zum Orthografie-Check sowie bei Bildern, Kollagen oder Grafiken.

! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !