
Serge Nussbaumer von Maverix sieht am langen Ende der Treasury-Kurve einen zunehmenden Einfluss fiskalischer Risiken.
Die rund 32 Bio. USD Marktschulden treffen auf ein Haushaltsdefizit von voraussichtlich 5,8% des BIP im Fiskaljahr 2026. Bis 2036 erwartet das Congressional Budget Office (CBO) sogar 6,7%. Bemerkenswert ist dabei der konjunkturelle Kontext: Die USA weisen strukturell hohe Defizite auf, obwohl keine klassische Rezession vorliegt. Von fiskalischer Konsolidierung kann daher kaum die Rede sein.
Für Anleger zählt allerdings nicht nur die Schuldenhöhe, sondern auch der Preis der Finanzierung. Die Rendite 30-jähriger Treasuries erreichte zuletzt zeitweise mehr als 5,3%, die zehnjährige näherte sich 4,7%. Neben der Fiskalpolitik wirken zwar auch Ölpreise, Inflation, geopolitische Unsicherheit und der Zinspfad der Federal Reserve. Die Fiskalpolitik entwickelt sich jedoch zunehmend zu einem eigenständigen Risikofaktor.
Von einer US-Schuldenkrise kann laut Nussbaumer noch keine Rede sein. Die Nachfrage nach Treasuries ist vorhanden, Auktionen funktionieren und ein Käuferstreik ist nicht erkennbar. Gleichzeitig verlangt der Markt zunehmend eine höhere Entschädigung für langfristige Finanzierungen. Hohe Defizite erhöhen den Finanzierungsbedarf, steigende Renditen verteuern die Refinanzierung und höhere Zinsausgaben belasten wiederum den Haushalt. Allein die Nettozinsausgaben könnten laut CBO bis 2036 auf rund 2,1 Bio. USD jährlich steigen.
Washington versucht gegenzusteuern – bislang eher taktisch als strukturell. Das Treasury plant für Juli bis September eine Nettomittelaufnahme von rund 739 Mrd. USD. Zugleich sollen Rückkäufe von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren von 2 auf mindestens 4 Mrd. USD je Operation verdoppelt werden.
Die unmittelbare Marktreaktion fiel deutlich aus: Die Rendite 30-jähriger Treasuries sank zeitweise um rund zehn Basispunkte. Doch Bond-Buybacks verbessern die Marktmechanik, nicht die Schuldentragfähigkeit. Sie können Liquiditätsprämien reduzieren und Marktverwerfungen glätten, ändern aber nichts am strukturellen Defizit.
Die USA haben derzeit kein Finanzierungsproblem. Sie haben jedoch ein zunehmendes Problem mit dem Preis ihrer Finanzierung. Treasury-Buybacks können die Liquidität verbessern und die Laufzeitprämie kurzfristig dämpfen. Die strukturellen Defizite und die wachsende Menge an Staatsschulden bleiben jedoch bestehen.
Für professionelle Anleger bedeutet das: Die Renditen am langen Ende werden nicht mehr nur von Wachstum, Inflation und dem erwarteten FED-Pfad bestimmt. Fiskalpolitik, Emissionsvolumen und Laufzeitprämie gewinnen als eigenständige Preistreiber an Bedeutung. Treasuries bleiben ein Kernbestandteil globaler Portfolios – Duration ist aber keine automatische Wette mehr auf fallende Fed Funds.
Der Bondmarkt zweifelt demnach nicht daran, dass Washington zahlen kann. Er verlangt vielmehr einen höheren Preis dafür, Washington zu finanzieren.
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