Der KI-Boom bleibt, doch Rendite muss irgendwann folgen

Der KI-Boom hält an, doch nach der Korrektur bei Technologie- und Halbleiterwerten rücken Bewertungen, Cashflows und Renditen stärker in den Fokus.

Michael Titz, Leiter Investment Office beim Bankhaus Herzogpark, ordnet die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten ein.

Der Juli hat gezeigt, dass starke Börsentrends nicht geradlinig verlaufen. Besonders KI-, Halbleiter- und Technologiewerte gerieten nach einer außergewöhnlichen Rally unter Druck. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor innerhalb weniger Wochen mehr als ein Fünftel gegenüber seinem Juni-Hoch. Der langfristige KI-Trend steht damit allerdings nicht grundsätzlich infrage. Vielmehr hinterfragen Anleger zunehmend, ob die hohen Bewertungen durch Gewinne und Cashflows gedeckt sind.

Damit verschiebt sich der Blick bei den großen Technologiekonzernen: Nicht mehr allein die Höhe der KI-Investitionen zählt, sondern deren messbarer wirtschaftlicher Ertrag. Gerade bei den sogenannten Hyperscalern entstehen enorme Ausgaben für Rechenzentren und Infrastruktur, während ein Teil der erwarteten Erträge erst in einigen Jahren sichtbar werden dürfte. Bei Alphabet etwa führten Investitionen von knapp 45 Mrd. USD im zweiten Quartal trotz hoher Umsätze und Gewinne erstmals zu einem negativen freien Cashflow.

Der KI-Boom ist noch da und lässt sich auch in einzelnen Indizes ablesen

Der KI-Boom ist noch da und lässt sich auch in einzelnen Indizes ablesen

Gleichzeitig fiel die US-Berichtssaison außergewöhnlich stark aus. Bis zum Redaktionsschluss hatten 88% der S&P-500-Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt, fünf von sechs übertrafen die Gewinnerwartungen. Das ausgewiesene Gewinnwachstum von rund 50% sollte allerdings differenziert betrachtet werden: Ein erheblicher Teil resultierte aus Bewertungsgewinnen auf Beteiligungen und nicht aus dem operativen Geschäft. Bereinigt um Alphabet und Amazon lag das Gewinnwachstum immer noch bei rund 32%.

Auch das makroökonomische Umfeld bleibt anspruchsvoll. Die Weltwirtschaft wächst weiter, verfügt angesichts geopolitischer Risiken, Energiepreisen und Inflation aber über wenig Puffer. Die FED beließ ihren Leitzins im Juli bei 3,5 bis 3,75%; zugleich stimmten drei Mitglieder für eine Zinserhöhung. Die EZB hielt ebenfalls inne. Für Anleger bedeutet dies einen weiterhin schwer kalkulierbaren Zinspfad.

Michael Titz

Für die kommenden Monate dürfte daher entscheidend sein, ob Nachfrage, Gewinne und Cashflows mit den hohen KI-Erwartungen Schritt halten. Ende August und insbesondere mit der nächsten Berichtssaison im Oktober stehen weitere Prüfsteine an. Nach Ansicht von Titz ist die zunehmende Differenzierung langfristig sogar gesund: Nicht die Frage, ob KI ein bedeutender Investitionszyklus bleibt, entscheidet – sondern welche Unternehmen daraus dauerhaft attraktive Renditen erwirtschaften können.

———-

BondGuide nutzt KI zum Orthografie-Check sowie bei Bildern, Kollagen oder Grafiken.

! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !