Russlands Energie ist kein schneller Ausweg aus Europas Winterkrise

So sieht GPT das Thema

Europa geht mit niedrigen Gasspeichern und hohen Energiepreisen in den Winter. Tatiana Mitrova von The Bell erklärt, warum russische Lieferungen keinen schnellen Ausweg versprechen und auch die russische Geldpolitik unter Druck bleibt.

Europa steht vor einem schwierigen Winter: Niedrige Gasvorräte, hohe Energiepreise und Dieselknappheit treffen auf Lieferausfälle infolge der Störungen in der Straße von Hormus. Die Unterbrechungen betreffen Öl, raffinierte Kraftstoffe und Flüssigerdgas (LNG). Damit wächst die Sorge vor einer erneuten schweren Energiekrise. In Deutschland fordert unter anderem die AfD, wieder russische Energieträger zu beziehen. Auch im Friedensplan von US-Sondergesandtem Steve Witkoff findet sich ein Vorschlag zur Rückkehr zu russischem Gas.

Kein Ausweg für Europa: Russland hätte derzeit ohnehin kaum Exportkapazitäten

Kein Ausweg für Europa: Russland hätte derzeit ohnehin kaum Exportkapazitäten

Eine flächendeckende Versorgungskrise ist laut Tatiana Mitrova, Research Fellow am Center on Global Energy Policy der Columbia University und Direktorin des New Energy Advancement Hub, allerdings nicht zwangsläufig. Europa verfüge heute über mehr Handlungsoptionen als 2022. Die Beschaffung alternativer Lieferungen dürfte jedoch teuer werden und Haushalte, Industrie sowie ärmere Länder belasten, die um dieselben LNG-Ladungen konkurrieren.

Eine Rückkehr zu russischen Lieferungen wäre zudem kein verlässlicher kurzfristiger Ausweg. Die meisten Pipelineverbindungen sind geschlossen. Wie schnell Russland wieder mehr Diesel produzieren kann, hängt davon ab, in welchem Umfang beschädigte Raffinerien repariert werden. Ein großer Teil des verfügbaren russischen Rohöls und LNG gelangt bereits auf den Weltmarkt – ungenutzte zusätzliche Mengen stehen daher kaum bereit. Moskau nutze die angespannte Lage vielmehr, um politische Zugeständnisse zu erreichen und westliche Interessengegensätze zu vertiefen.

Russische Notenbank hält Leitzins bei 14%

Die russische Zentralbank beließ ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge bei 14%. Damit hält sie an einer restriktiven Geldpolitik fest, um die Inflation und das rasante Wachstum der Unternehmenskredite einzudämmen. Zuvor hatte die Notenbank den Leitzins seit Juni 2025 bei zehn aufeinanderfolgenden Sitzungen gesenkt.

Inflationserwartungen sinken überraschend

Die Inflationserwartungen russischer Haushalte gingen im Oktober von 14,2 auf 13,2% zurück – der niedrigste Wert seit Juli. Damals waren die Erwartungen nach kräftigen Kraftstoffpreissteigerungen infolge ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien gestiegen. Trotz des Rückgangs liegen sie weiterhin über dem Durchschnitt des ersten Halbjahres und dem historischen Normalniveau.

Die von Haushalten wahrgenommene Inflation erreichte im Oktober 14,5% und lag damit mehr als doppelt so hoch wie die offizielle Inflationsrate. Beide Kennzahlen könnten im November wieder steigen, wenn höhere Versorgungsrechnungen die Haushalte erreichen.

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