Staatsschulden als neue Anlagevariable

Staatsschulden - die deutsche Schuldenuhr tickt

Hohe Staatsschulden und niedrige Realrenditen verändern laut der apoBank die Vermögensanlage und rücken Sachwerte stärker in den Fokus.

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) erwartet, dass die Staatsverschuldung in den Industrieländern weiter steigt. Für Anleger gewinnen damit Inflation, Zinsen und insbesondere die Realrenditen an Bedeutung. Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer der apoBank, hält radikale Lösungen wie harte Austerität, Hyperinflation oder Staatsinsolvenz für wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei ein Umfeld aus nominalem Wachstum, etwas höherer Inflation und vergleichsweise niedrigen Zinsen.

Historisch bietet laut apoBank insbesondere die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einen Hinweis darauf, wie hohe Schulden tragbar gehalten werden können: Wenn die Finanzierungskosten der Staaten unter dem nominalen Wirtschaftswachstum liegen, bleiben Realzinsen häufig niedrig oder sogar negativ. Für Anleger wird damit der Kaufkrafterhalt wichtiger als die Betrachtung nominaler Renditen allein.

Sachwerte gewinnen an Gewicht

Schuldenbremse für Staatsschulden: inzwischen außer Kraft

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In einem Umfeld hoher Staatsverschuldung und niedriger Realrenditen sieht die apoBank Aktien und andere reale Anlagen im Vorteil. Aktien verkörpern Beteiligungen an produktiven Unternehmenswerten und können langfristig vom nominalen Wachstum profitieren. Besonders Qualitätsaktien mit stabilen Geschäftsmodellen, starken Marken und hoher Preissetzungsmacht seien in einem inflationären Umfeld gut positioniert.

Auch Gold könne als Stabilitätsanker zusätzliche Robustheit in Portfolios bringen. Immobilien böten weitere Diversifikationsmöglichkeiten. Beide Anlageklassen könnten produktive Unternehmensbeteiligungen ergänzen, diese jedoch nicht ersetzen.

Anleihen bleiben unverzichtbar

Trotz der beschriebenen Inflations- und Verschuldungsrisiken hält die apoBank Anleihen weiterhin für einen wichtigen Bestandteil der strategischen Vermögensallokation. Sie liefern laufende Erträge, Liquidität und Stabilität. Gerade große Staatsanleihemärkte seien aufgrund ihrer Tiefe und Liquidität für das globale Finanzsystem zentral.

Innerhalb des Anleihemarktes sei allerdings eine differenzierte Auswahl wichtig. Unternehmensanleihen könnten durch Risikoaufschläge und höhere laufende Erträge einen Puffer gegen Kaufkraftverluste bieten. Auch inflationsindexierte Anleihen könnten in einem solchen Umfeld eine Rolle spielen. Entscheidend bleibe die Diversifikation über Laufzeiten, Emittenten und Bonitätssegmente.

Reinhard Pfingsten

„Für langfristig orientierte Anleger ist in einem Umfeld hoher Staatsschulden nicht die Vermeidung jeder Schwankung entscheidend, sondern eine robuste Struktur für Kaufkrafterhalt“, erläutert Pfingsten. Eine breite Mischung aus Aktien, Sachwerten und Anleihen bleibe aus Sicht der apoBank der beste Schutz vor Unsicherheit und Kaufkraftverlust.

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