Das Vertrauen der Märkte in US-Schulden bröckelt

Die US-Schulden steigen auf 40 Bio. USD, zugleich ziehen die Langfristzinsen an. Antecedo warnt vor wachsendem Misstrauen.

Kay Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management, sieht in der steigenden US-Verschuldung und den höheren Langfristzinsen ein gefährliches Gemisch für die Finanzmärkte. Besonders der Anstieg der Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen zeige, dass das Vertrauen der Anleger nachlasse.

Rund 40 Bio. USD Schulden haben die USA inzwischen angehäuft. Zwar hatte die FED seit 2023 die Leitzinsen gesenkt, nachdem die Inflationsraten nach dem Corona-Schock zurückgegangen waren. Doch seit dem Amtsantritt von Donald Trump habe sich die Entwicklung gedreht: Zölle und geopolitische Konflikte hätten Vertrauen gekostet, während die langfristigen Zinsen wieder stiegen.

Steigende Zinsen, steigende Schuldenlast

Bei niedrigen Zinsen sei die hohe Verschuldung noch vergleichsweise problemlos gewesen, so Tönnes. Inzwischen belaufe sich allein die jährliche Zinslast der USA auf mehr als 1 Bio. USD – und damit auf mehr als den US-Verteidigungshaushalt.

Auch die jüngsten Versuche des Finanzministeriums, über einen sogenannten Treasury Twist langlaufende Treasuries gegen kurzfristige T-Bills zu tauschen, könnten daran wenig ändern. Für die Märkte ergebe sich daraus ein ‚Teufelscocktail‘.

Die US-Schulden wachsen unter Trump 2.0. Für Themen wie 'Pflege' hat man in den USA derzeit kein offenes Ohr.

Die US-Schulden wachsen unter Trump 2.0. Für Themen wie ‚Pflege‘ hat man in den USA derzeit kein offenes Ohr.

Aktienmärkte unter Druck

Eine ausgewachsene Staatsschuldenkrise wäre laut Tönnes auch für Aktien gefährlich. Schon die steigenden Zinsen könnten beispielsweise Ausfälle im Private-Debt-Bereich begünstigen. Zudem beobachtet er eine zunehmende Vorsicht der Anleger.

So hätten Tech-Konzerne wie Microsoft und Nvidia zuletzt starke Zahlen und teils angehobene Prognosen vorgelegt, die Aktienkurse hätten jedoch weniger stark reagiert, als angesichts der Ergebnisse zu erwarten gewesen wäre. Für Tönnes ein Warnsignal.

Zusätzlichen Druck sieht er durch die Politik. Die größeren Korrekturen der vergangenen zwei Jahre seien nicht primär wirtschaftlich, sondern politisch ausgelöst worden – etwa durch Trumps Zollpolitik oder den Krieg mit dem Iran. Mit Blick auf die US-Wahl 2028 hält Tönnes weitere Überraschungen für möglich.

Öl könnte zum Joker werden

Ein Entlastungsszenario wäre eine Wiederöffnung der Straße von Hormus. Eine anschließende Ölschwemme könnte den Ölpreis laut Tönnes bis auf 40 USD je Barrel drücken und damit Inflation und Zinsen entlasten. Scheitere eine militärische Operation dagegen, könne Öl ebenso auf 120 bis 150 USD steigen.

Tönnes rät Anlegern daher zu Vorsicht und dazu, beispielsweise bei Tech-Werten Gewinne mitzunehmen. Optionen und Derivate könnten zur Absicherung dienen. Antecedo habe bereits umfangreiche Positionen in langlaufenden Optionen aufgebaut. Noch seien die Kosten für Absicherungen überraschend niedrig – doch das Umfeld aus hohen Schulden und politischer Unsicherheit spreche dafür, dass die Märkte nicht dauerhaft entspannt bleiben dürften.

Kay-Peter Tönnes, Antecedo AM

Kay Tönnes ist Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management. Die Gesellschaft ist auf aktive Anlagestrategien und insbesondere die Absicherung von Portfolios gegen unterschiedliche Marktrisiken spezialisiert.

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