
Russland kämpft mit steigenden Finanzierungskosten, wachsendem Budgetdefizit und neuen Drohnenangriffen auf zivile Logistik. Zugleich verharrt die Inflation auf hohem Niveau.
Russlands Wirtschaft steht gleich an mehreren Fronten unter Druck. Das berichten Alexandra Prokopenko und Alexander Kolyandr in ihrer aktuellen Analyse für The Bell. Im Mittelpunkt stehen die zunehmend angespannte Staatsfinanzierung, neue ukrainische Angriffe auf die Logistikinfrastruktur sowie eine hartnäckige Inflation.
Die größte Sorge bereitet derzeit dem Finanzministerium die Refinanzierung des Haushaltsdefizits. Weil Investoren für zehnjährige russische Staatsanleihen (OFZ) inzwischen Renditen von bis zu 16,7% verlangen, hat Moskau die Auktionen neuer Anleihen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Drei Emissionen scheiterten binnen vier Wochen, eine weitere platzierte lediglich 9,1 Mrd. RUB. Die hohen Renditen spiegeln nach Einschätzung der Autoren neben der Zinspolitik auch steigende Haushaltsrisiken, Stagflationssorgen sowie geopolitische Unsicherheiten wider.
Parallel dazu intensiviert die Ukraine ihre Angriffe auf die zivile Logistikinfrastruktur. Erstmals gerieten mehrere Lagerstandorte des Onlinehändlers Wildberries ins Visier. Innerhalb weniger Tage wurden nach Angaben von Prokopenko und Kolyandr mindestens sieben Logistikzentren attackiert. Kiew begründet dies damit, dass dort Komponenten für Drohnen gelagert würden. Die Angriffe forderten Todesopfer und Verletzte; zugleich verlor Wildberries schätzungsweise bis zu 10% seiner Lagerkapazitäten.
Auch bei der Inflation zeichnet sich keine nachhaltige Entspannung ab. Die Wochenrate verharrte zuletzt bei 0,17%, während die Jahresinflation weiter anzog. Besonders auffällig ist die Entwicklung in einzelnen Regionen: In Tuwa überschritt die Teuerungsrate mit 12,2% erstmals in diesem Jahr die zweistellige Marke. Haupttreiber bleiben die Kraftstoffpreise, die dort binnen eines Jahres um rund zwei Drittel zulegten.
Die Analyse von Prokopenko und Kolyandr zeigt damit ein vielschichtiges Bild der russischen Wirtschaft: steigende Finanzierungskosten des Staates, wachsende Belastungen durch den Krieg sowie eine Inflation, die regional zunehmend außer Kontrolle gerät. Für Investoren bleibt insbesondere die Entwicklung am russischen Anleihemarkt ein wichtiger Indikator für die finanzielle Belastbarkeit des Staates.
Alexandra Prokopenko ist Non-Resident Fellow beim Carnegie Russia Eurasia Center und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der russischen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Alexander Kolyandr ist Journalist und Senior Fellow am Center for European Policy Analysis (CEPA). Beide schreiben regelmäßig für The Bell, einen auf Russland spezialisierten Wirtschafts- und Politikdienst.
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