
CONDA-Capital-Co-CEO Dirk Littig sieht hinter den steigenden Unternehmensinsolvenzen mehr als eine Konjunkturschwäche. Gefragt seien breitere Finanzierungskonzepte.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit 2018 gestiegen. Für Dirk Littig, Co-Geschäftsführer von CONDA Capital, greift die Erklärung einer schwachen Konjunktur jedoch zu kurz. Die aktuelle Entwicklung offenbare vielmehr strukturelle Schwächen bei Finanzierung, Kapitalausstattung und Investitionsfähigkeit vieler mittelständischer Unternehmen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts meldeten im März rund 2.300 Unternehmen Insolvenz – ein Anstieg um knapp 16% gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Branchen mit hoher Kostenbelastung und geringen finanziellen Reserven. Dazu zählen Verkehr und Logistik, das Gastgewerbe sowie das Baugewerbe. Steigende Energie- und Personalkosten, eine schwache Binnennachfrage sowie die höheren Finanzierungskosten nach der Zinswende verschärften den Druck zusätzlich.
Littig bezeichnet die Insolvenzwelle als Stresstest für Geschäftsmodelle und Kapitalstrukturen. Besonders problematisch seien Kettenreaktionen entlang der Wertschöpfungsketten. Fällt ein wichtiger Auftraggeber oder Kunde aus, geraten häufig auch Lieferanten und Dienstleister in Schwierigkeiten. Aus einzelnen Unternehmenskrisen könnten so regionale Wirtschaftsprobleme entstehen.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor sei die veränderte Finanzierungssituation. Viele Geschäftsmodelle seien in einer langjährigen Niedrigzinsphase entstanden und müssten sich nun an deutlich höhere Finanzierungskosten anpassen. Gleichzeitig vergäben Banken Kredite restriktiver. Vor allem kleinere, jüngere oder kapitalintensive Unternehmen verfügten häufig nicht über ausreichende Bonität oder Eigenkapital, um notwendige Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung oder Energieeffizienz zu stemmen.
Dabei warnt Littig davor, jede Insolvenz als Zeichen eines gescheiterten Geschäftsmodells zu interpretieren. Häufig seien kurzfristige Liquiditätsengpässe der Auslöser, etwa durch verspätete Kundenzahlungen oder den Ausfall einzelner Großaufträge. Entscheidend sei deshalb die Unterscheidung zwischen vorübergehenden Finanzierungsproblemen und dauerhaft nicht mehr wettbewerbsfähigen Geschäftsmodellen. Während Liquiditätskrisen mit passenden Finanzierungsinstrumenten überbrückt werden könnten, lasse sich ein struktureller Wettbewerbsnachteil nicht allein durch zusätzliches Kapital beheben.
Als entscheidende Stabilitätsfaktoren nennt Littig eine solide Eigenkapitalquote, eine ausreichende Zinsdeckung sowie eine belastbare Liquiditätsplanung. Zwar liege die durchschnittliche Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstands inzwischen wieder bei über 30%, doch verdecke dieser Durchschnitt erhebliche Unterschiede. Gerade kleinere Unternehmen verfügten oft nur über sehr geringe Eigenkapitalpolster und reagierten entsprechend empfindlich auf wirtschaftliche Rückschläge.
Vor diesem Hintergrund plädiert der CONDA-Capital-Co-CEO für einen breiteren Finanzierungsmix. Neben klassischen Bankkrediten sollten Unternehmen verstärkt Instrumente wie Unternehmensanleihen, Nachranganleihen, Genussscheine oder Beteiligungskapital prüfen. Ebenso wichtig sei ein aktives Management des Working Capitals, um gebundene Liquidität freizusetzen. Wer Finanzierung frühzeitig diversifiziere und Investitionen nicht weiter aufschiebe, könne auch in einem anspruchsvolleren Kapitalmarktumfeld handlungsfähig bleiben.
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