Die USA und der schleichende Preis der Schuldenpolitik

Die USA zahlen nach Einschätzung von Janus Henderson Investors längst den Preis ihrer Schuldenpolitik – nicht abrupt, sondern über stetig steigende Kreditkosten.

Die USA werden nach Ansicht von Richard Bernstein, Global Head of Macro & Customized Investing bei Janus Henderson Investors, von den Kapitalmärkten bereits seit Jahren für ihre Haushaltspolitik abgestraft. Der Prozess verlaufe jedoch nicht schlagartig, sondern schleichend – wie beim sprichwörtlichen Frosch im Kochtopf.

Bernstein sieht den Verlust des AAA-Ratings im Jahr 2011 als Wendepunkt. Seither würden US-Staatsanleihen dauerhaft mit höheren Renditen gehandelt als vergleichbare deutsche Bundesanleihen. Auch die Credit Default Swaps (CDS) signalisierten, dass Investoren amerikanische Staatsschulden heute als risikoreicher einschätzten als die vieler verbliebener AAA-Staaten.

Die höheren Renditen blieben nach Einschätzung des Experten nicht auf den Staat beschränkt. Da sich Finanzierungskosten von Unternehmen und privaten Haushalten an den Renditen der Staatsanleihen orientierten, verteuerten sich Kredite in der gesamten US-Wirtschaft. Dies zeige sich unter anderem an dauerhaft höheren Hypothekenzinsen als in Deutschland. Langfristig könne dies die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen beeinträchtigen.

Die USA auf schwierigem Schuldenkurs

Zwar seien US-Treasuries aufgrund ihres tiefen und liquiden Marktes weiterhin der maßgebliche Referenzzinssatz an den Finanzmärkten. Ihren Status als nahezu risikofreier Zinssatz hätten sie nach Ansicht Bernsteins jedoch teilweise eingebüßt. Andere Staaten mit AAA-Rating würden inzwischen als kreditwürdiger eingestuft.

Eine nachhaltige Lösung könne nach Auffassung des Experten nur über höhere Staatseinnahmen und geringere Ausgaben gelingen. Republikaner lehnten Steuererhöhungen ab, Demokraten sperrten sich gegen deutliche Ausgabenkürzungen. Beide Seiten trügen damit dazu bei, dass die Finanzierungskosten für Staat, Unternehmen und Verbraucher hoch blieben.

Das Bild vom Frosch im Kochtopf zieht Bernstein bis zum Ende seines Kommentars durch: Frösche hätten ein Rückgrat und könnten aus heißem Wasser herausspringen. Die Politik in Washington müsse nun ebenfalls den Mut finden, den finanzpolitischen Kurs zu ändern, bevor die schleichend steigenden Kreditkosten dauerhaft zum Wettbewerbsnachteil würden.

Richard Bernstein

Richard Bernstein

Richard Bernstein ist Global Head of Macro & Customized Investing bei Janus Henderson Investors. Er analysiert globale Makrotrends und deren Auswirkungen auf Kapitalmärkte sowie Anlagestrategien.

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