Packung und Inhalt: ETF ist nicht gleich Geldanlage

Der Autor warnt davor, ETF mit Anlagestrategie gleichzusetzen. Entscheidend seien Marktwahl und Nettorendite – nicht die Verpackung.

Der Boom börsengehandelter Indexfonds hat nach Ansicht von Oliver Böttger, Partner und Leiter Vertrieb Wholesale bei Lupus alpha, zu einem weit verbreiteten Missverständnis geführt. ETFs seien ein sinnvolles Anlageinstrument, aber weder eine Anlagestrategie noch ein Garant für überdurchschnittliche Renditen. Wer ETF und Kapitalanlage gleichsetze, verwechsle die Verpackung mit dem Inhalt.

Gerade im Zuge der Diskussion um das geplante Altersvorsorgedepot werde der Begriff ETF zunehmend als Synonym für Vermögensaufbau verwendet. Aus Sicht Böttgers greift diese Sichtweise jedoch deutlich zu kurz. Über den langfristigen Anlageerfolg entscheide nicht die Fondshülle, sondern die Auswahl der Anlageklassen, deren Gewichtung und die Kosten nach Abzug sämtlicher Gebühren.

Zwar eigneten sich ETFs hervorragend für liquide und effiziente Märkte. Der häufig unterstellte Gleichlauf mit der Marktperformance sei jedoch ein Trugschluss. Selbst kostengünstige ETFs blieben aufgrund ihrer Gebühren hinter ihrem Vergleichsindex zurück. Am Beispiel des DAX verweist Böttger darauf, dass sich über 15 Jahre eine Differenz von nahezu 20 Prozentpunkten zwischen Indexentwicklung und ETF-Rendite ergeben habe.

Ein ETF erfordert ebenfalls Geduld

Besonders deutlich werde dies in weniger effizienten Marktsegmenten. Während breit gestreute Welt-ETFs häufig mit jährlichen Kosten von rund 0,1% auskämen, könnten ETFs auf Small und Mid Caps, Wandelanleihen oder spezialisierte Themen deutlich höhere Gebühren verursachen. Bei einzelnen Nischen- oder Themenfonds seien sogar Kosten von mehreren Prozent pro Jahr keine Seltenheit.

Gerade in diesen Marktsegmenten sieht Böttger aktives Management im Vorteil. Weniger liquide und weniger effiziente Märkte böten Chancen, durch gezielte Titelauswahl zusätzliche Rendite – sogenanntes Alpha – zu erwirtschaften. Wer ausschließlich passiv investiere, verzichte von vornherein auf diese Möglichkeit.

Auch sogenannte aktive ETFs sollten Anleger seiner Einschätzung nach kritisch prüfen. Die Bezeichnung „aktiv“ allein sage wenig darüber aus, wie stark sich ein Fonds tatsächlich von seinem Vergleichsindex unterscheide oder ob er nach Kosten einen Mehrwert liefere.

Als weiteres häufig angeführtes Argument nennt Böttger die jederzeitige Handelbarkeit von ETFs. Für langfristig orientierte Anleger spiele dieser Vorteil jedoch eine untergeordnete Rolle. Intraday-Liquidität erhöhe nicht automatisch den Anlageerfolg.

Oliver Böttger

Sein Fazit fällt entsprechend eindeutig aus: Nicht die Frage „aktiv oder passiv“ stehe im Vordergrund, sondern die Auswahl der richtigen Märkte und Strategien. Erst daraus leite sich ab, ob ein ETF oder ein aktiv gemanagter Fonds die geeignetere Lösung sei. Langfristig gelte daher: Strategie schlage Produkt – entscheidend sei die Rendite nach Kosten.

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