Neuemission EverYield: „Grundlage für weiteres Wachstum schaffen“

CEO Mario Mildner und CFO Christoph Kaltenbacher über die EverYield-Debütanleihe, Phosphorrückgewinnung und Infrastruktur mit Regulierungsrückenwind.

BondGuide: Herr Mildner, Herr Kaltenbacher, wer ist EverYield eigentlich – und natürlich gerne auch einige Worte zu Ihnen beiden zum Kennenlernen.
Mildner: Die Gesellschaft wurde im Dezember vergangenen Jahres zunächst als EverYield Properties gegründet. Da unser Schwerpunkt jedoch nicht auf der klassischen Immobilienentwicklung liegt, haben wir uns inzwischen für den neutraleren Namen EverYield AG entschieden. Ich bin Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft, Christoph Kaltenbacher verantwortet den Finanzbereich als CFO. Ursprünglich komme ich aus der Immobilienbranche, beschäftige mich jedoch seit 2019 intensiv mit dezentralen Energie- und Verwertungslösungen. Im Zuge dieser Aktivitäten entstand die Idee, die heutigen Herausforderungen rund um Klärschlammverwertung und Phosphorrückgewinnung in einem größeren infrastrukturellen Maßstab anzugehen. In Kürze wird zudem Herr Kurz als weiteres Mitglied des Vorstands zu uns stoßen.

BondGuide: Wie kommt man von dort ausgerechnet auf das Thema Klärschlamm- und Phosphorinfrastruktur?
Mildner
: Der wesentliche Treiber ist die Regulierung. Deutschland schreibt die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm für größere Kläranlagen ab 2029 vor; Österreich wird vergleichbare Vorgaben ab 2033 umsetzen. Kommunen und Betreiber müssen daher neue Verwertungskapazitäten schaffen. Genau hier setzen wir an: Wir entwickeln die notwendige Infrastruktur und bieten die verfahrenstechnische Aufbereitung als Dienstleistung an. Erste Projekte zum Aufbau entsprechender Kapazitäten befinden sich bereits in der Umsetzung.

BondGuide: Die Anleiheemission der EverYield läuft unter dem Schlagwort „Regulatory-Driven Infrastructure Bond“. Da müssen Sie interessierten Lesern erst einmal helfen.
Mildner: Der Begriff beschreibt den Kern unseres Geschäftsmodells. Wir investieren in Infrastruktur, deren Bedarf nicht primär von Konjunkturzyklen oder kurzfristigen Markttrends abhängt, sondern durch regulatorische Anforderungen entsteht. Die gesetzlichen Vorgaben zur Klärschlammbehandlung und Phosphorrückgewinnung schaffen einen langfristigen Investitionsbedarf, während die notwendige Infrastruktur bislang nur in begrenztem Umfang vorhanden ist.
Kaltenbacher: Hinzu kommt die strategische Bedeutung von Phosphor. Europa verfügt kaum über eigene Vorkommen und ist weitgehend auf Importe angewiesen. Gleichzeitig ist Phosphor für die Landwirtschaft unverzichtbar. Es geht daher nicht nur um Umwelt- und Entsorgungsfragen, sondern auch um Versorgungssicherheit. Die regulatorischen Vorgaben beschleunigen diese Entwicklung zusätzlich.

BondGuide: Gibt es in Deutschland und Österreich tatsächlich einen solchen Handlungsdruck oder ist das eher noch ein „nice to have“?
Mildner: Aus unserer Sicht besteht erheblicher Handlungsbedarf. Klärschlamm fällt täglich an und muss dauerhaft verwertet werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung. Viele Kommunen wissen bereits heute, dass sie künftig neue Lösungen benötigen werden. Für einzelne Gemeinden sind die dafür notwendigen Investitionen allerdings häufig nur schwer allein zu stemmen.
Kaltenbacher: Genau deshalb sehen wir uns als Infrastrukturpartner. Wir entwickeln, finanzieren und betreiben Anlagen, die diese Aufgaben übernehmen können. Die Nachfrage wird nicht künstlich erzeugt, sondern ergibt sich aus den regulatorischen Anforderungen, der Rohstoffsicherung und dem Bedarf an langfristig tragfähigen Entsorgungslösungen.

BondGuide: Sie bedenken aber schon, dass in Deutschland und Österreich regelmäßig gewählt wird? Wir würden nicht zum ersten Mal erleben, dass Fristen oder Deadlines im Nirwana verschwinden. Wie abhängig ist Ihr Geschäftsmodell von der jeweiligen Regierung?
Mildner: Selbst wenn Fristen angepasst würden, verschwinden die zugrunde liegenden Herausforderungen nicht. Themen wie Klärschlammverwertung, Schadstoffbelastungen, Ressourcenschonung und Versorgungssicherheit bleiben bestehen. Unser Geschäftsmodell basiert daher nicht auf einzelnen politischen Entscheidungen, sondern auf langfristigen strukturellen Entwicklungen.
Kaltenbacher: Zudem verfügen unsere Projekte über mehrere Erlösquellen. Neben der Klärschlammannahme entstehen Erträge aus der Energieerzeugung, der Nutzung von Prozesswärme, der Phosphorrückgewinnung sowie weiteren verwertbaren Stoffströmen. Das sorgt für eine breitere wirtschaftliche Basis.

BondGuide: Wer kümmert sich außer Ihnen um diese Themen, wer sind die Mitbewerber?
Mildner
: Der Markt befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Viele bestehende Konzepte setzen auf große zentrale Anlagen mit entsprechend hohen Investitionssummen und langen Genehmigungszeiten – Stichwort Umweltverträglichkeitsprüfung.

Kaltenbacher: Unser Ansatz ist bewusst dezentraler. Wir setzen auf kleinere regionale Einheiten, die näher an den Entstehungsorten des Klärschlamms errichtet werden können. Das reduziert Transportaufwand und erleichtert eine zügigere Umsetzung. Wir verstehen uns daher weniger als direkter Wettbewerber großer Zentralanlagen, sondern verfolgen einen komplementären Ansatz.

BondGuide: Nun gibt es die Projekte womöglich erst auf dem Reißbrett, also mehr oder minder einen Blindpool. Was passiert, wenn weniger Mittel als geplant eingeworben werden?
Mildner: Wir starten nicht bei null. Mit den Projekten in Neumarkt und St. Lambrecht verfügen wir bereits über konkrete Vorhaben. Die Vorarbeiten laufen seit längerer Zeit; erste vertragliche Schritte wurden bereits eingeleitet beziehungsweise vorbereitet.
Kaltenbacher: Darüber hinaus basiert unsere Finanzierung nicht ausschließlich auf der Anleihe. Die Gründer bringen Eigenkapital ein, zusätzlich prüfen wir Förderprogramme sowie klassische Projektfinanzierungen über Banken. Die Anleihe ist ein wichtiger Baustein, aber nicht die einzige Finanzierungsquelle.

<em>Mario Mildner</em>, EverYield

Mario Mildner

Christoph Kaltenbacher

BondGuide: Welche konkreten Meilensteine sollten Investoren in den kommenden Jahren auf dem Radar behalten?
Mildner: Der wichtigste Schritt ist die erfolgreiche Umsetzung und Inbetriebnahme der ersten Projekte. Damit wollen wir die technische und wirtschaftliche Funktionsfähigkeit unseres Modells im praktischen Betrieb nachweisen.
Kaltenbacher: Darauf aufbauend wollen wir weitere Standorte entwickeln und ein Netzwerk entsprechender Infrastrukturprojekte aufbauen. Jeder erfolgreich realisierte Standort erhöht unsere operative Erfahrung und schafft die Grundlage für weiteres Wachstum. Große internationale Marktteilnehmer wie Veolia verfolgen naturgemäß andere Dimensionen und Zielmärkte. Angesichts des erheblichen Infrastrukturbedarfs in Europa sehen wir ausreichend Raum für unterschiedliche Anbieter und Konzepte.

BondGuide: Herr Mildner, Herr Kaltenbacher, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Falko Bozicevic

—————-

! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !