Magyar und Ungarn gewinnen, Orbán verliert – und jetzt? Machtwechsel oder Machtverlagerung in Ungarn

Die Insignien in Ungarn werden neu verteilt

Wahlsieg für Herausforderer Magyar in Ungarn: Hoffnung auf Wandel – doch Geschichte lehrt, dass viel Macht auch viele Risiken birgt.

Der Wahlsieg von Magyar in Ungarn wird vielerorts als Befreiungsschlag gefeiert. Das Narrativ vom Ende des ‚Mafiastaats‘ unter Orbán macht schnell die Runde – auch befeuert durch Stimmen wie Daniel Freund. Doch bei aller Euphorie gilt: Ein Machtwechsel ist noch kein Systemwechsel. Und schon gar keine Garantie für nachhaltige Rechtsstaatlichkeit. Die Ungarn unter Orbán zunehmend abhandengekommen war.

Denn die eigentliche Frage lautet nicht, wer gewonnen hat – sondern was mit dieser gewonnenen Macht geschieht. Mit einer 2/3-Mehrheit verfügt Magyar über ein politisches Instrumentarium, das tiefgreifende Eingriffe ermöglicht: Verfassungsänderungen, institutionelle Umbauten, personelle Neubesetzungen. Genau jene Hebel also, die bereits unter Viktor Orbán den schleichenden Umbau des Staates ermöglicht haben: zum System Orbán eben.

Entthront: Victor Orbán hat fertig nach insgesamt 20 Jahren Herrschaft in Ungarn

Entthront: Victor Orbán hat fertig nach insgesamt 20 Jahren Herrschaft in Ungarn

Die Geschichte ist ein schlechter Ratgeber für blinden Optimismus. Orbán selbst war in seiner ersten Amtszeit kein Autokrat. Die Transformation kam schrittweise – getragen von wachsender Machtfülle. Ähnliche Muster ließen sich bei Recep Tayyip Erdoğan, Vladimir Putin oder Xi Jinping beobachten: Macht korrumpiert – viel Macht korrumpiert umfassend.

Genau hier liegt das Risiko der aktuellen Entwicklung. Wer heute den Abbau eines Systems feiert, sollte sich fragen, ob nicht zugleich die Grundlage für ein neues gelegt wird. Der politische Reflex, den Wahlsieg als endgültigen Sieg über illiberale Strukturen zu deuten, greift zu kurz. Systeme verschwinden nicht über Nacht – sie verändern lediglich ihre Träger.

Auch die internationale Dimension verdient einen nüchternen Blick. Der Wahlausgang mag als Signal gegen bestimmte politische Strömungen interpretiert werden, doch entscheidend ist nicht die Symbolik, sondern die konkrete politische Praxis der kommenden Jahre. Wird Macht begrenzt – oder erneut konzentriert?

Falko Bozicevic zum Machtwechsel in Ungarn

Falko Bozicevic

Fazit

Der Wahlsieg von Magyar eröffnet Chancen, zweifellos. Doch er schafft zugleich neue Risiken. Wer aus der Ära Orbán wirklich Lehren ziehen will, sollte nicht nur auf den Wechsel an der Spitze schauen, sondern auf die Strukturen der Macht dahinter. Entscheidend ist nicht, wer sie nutzt – sondern ob sie begrenzt werden. Magyar wird man an seinen Taten messen müssen, nicht an seinen Worten im Moment des Sieges. Wohltuende Worte sprechen sich leicht aus im Moment des Triumphs.

Falko Bozicevic

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