Wie der Home Bias seine Opfer fordert

Sollten Sie als Anleger wirklich nur kaufen, was Sie kennen oder könnte dieser Home Bias sogar schädlich für Ihr Portfolio sein?

Das fragt Investmentgesellschaft GrünerFisher Investments in ihrem jüngsten Newsletter und macht die Konsequenzen deutlich.

Anleger kaufen gerne, was sie kennen. Wie schädlich es ist, vor allem nur auf den Heimatmarkt konzentriert zu sein, zeigen jedoch die langfristigen Charts. Wer vor 15 Jahren 10.000 EUR in den deutschen Aktienindex DAX investierte, konnte hieraus inklusive Dividenden 37.700 EUR machen.

Wer jedoch im gleichen Zeitraum global investiert war, erreichte einen Wert von 66.500 EUR. (Zeitraum 01.05.2009 – 03.05.2024) Die Opportunitätskosten? Fast die Hälfte weniger.

Home Bias ist ein weltweites Phänomen: Anleger:innen vertrauen übermäßig auf Wertpapiere ihres Heimatlandes, obwohl ausländische Papiere oft attraktivere Renditen bieten. Ausreichende Diversifizierung ist wichtig: Auch bei ETFs tritt der Home Bias auf, wenn vorwiegend Fonds des eigenen Landes gewählt werden.

Der Home Bias kann teuer werden

Denn diese Anlagestrategie wird nicht nur von Privatanlegern, sondern auch oft von Fondsmanagern der Investmentfonds oder Pensionsfonds verfolgt. Der Home Bias ist nicht nur auf Finanzprodukte oder Finanzinstrumente beschränkt, sondern bei allen Vermögenswerten anzutreffen. Die dem Home Bias zugrunde liegende Rekognitionsheuristik besagt, dass bei der Auswahl zwischen mehreren Alternativen vorzugsweise die bekannte Alternative gewählt wird, wobei der Wiedererkennungseffekt als alleiniges Entscheidungskriterium verwendet werde.

Letztlich ist der Home Bias eine selektive, also eingeschränkte Wahrnehmung.

Als Gründe für den Home Bias werden im Wesentlichen drei Aspekte angeführt:

Transaktionskosten: Eine Geldanlage im Ausland ist mit höheren Transaktionskosten verbunden. Ihre Vermeidung erhöht die Rendite der Geldanlage. Das gilt auch für die Doppelbesteuerung: Risiko bzw. zusätzlicher Aufwand durch ausländische Quellensteuern.

Informationsdefizite: Während sich der Anleger über die Unternehmensdaten am Heimatmarkt relativ gut informieren kann und unter anderem deshalb glaubt, die Chancen und Risiken gut einschätzen zu können, fehlen ihm teilweise diese Informationen bei Anlagen auf ausländischen Märkten.

Wechselkursrisiken: Da die Rendite des Anlegers neben der Rendite der Anlage selbst durch die Änderung des Wechselkurses bestimmt wird, erscheint eine Anlage im gleichen Währungsraum risikofreier.

Diese Risiken können nur im Falle des Wechselkursrisikos durch Sicherungsgeschäfte einer ganzen oder teilweisen Risikokompensation unterzogen werden.

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