
Ein neuer Debütanleihe-Emittent tritt auf den Plan: Bei der WeGrow geht es um nachhaltige Holzproduktion. BondGuide sprach dazu mit Co-Gründer /CTO [1] Peter Diessenbacher.
Herr Diessenbacher, als Debütemittent müssen Sie sich wohl etwas ausführlicher vorstellen: Was macht die WeGrow und wie ist Ihr eigener Hintergrund?
Als Europas führender nachhaltiger Kiriholz-Produzent deckt die WeGrow-Gruppe die gesamte Wertschöpfungskette ressourcenschonender Holzwirtschaft für den Kiribaum ab. Das geht von Jungpflanzenzüchtung und -produktion über nachhaltige Holzproduktion bis hin zu Holzverarbeitung und -handel. Ich selbst habe Agrarwissenschaften in Bonn studiert. Bei meiner Kollegin und Co-Gründerin Allin Gasparian, die in Bonn Volkswirtschaftslehre studiert hat, ist primär der kaufmännische Part angesiedelt, bei mir der technische.
Es geht also um Holzanbau und seine Anwendungen. Aber was ist der Kiribaum? – hoffentlich bin ich nicht der Einzige, der noch nie davon gehört hatte bis dato…
Der Kiribaum ist der vermutlich am schnellsten wachsende Baum der Welt. Ursprünglich stammt er aus Asien, aber auch in heimischen Gefilden gedeiht er. Wenn Sie den Stamm dieses Baums mit einer gleichaltrigen heimischen Buche vergleichen, sehen Sie den riesigen Unterschied im Querschnitt – eine zum Beispiel zwölfjährige Buche wirkt gegen den Stamm des gleichaltrigen Kiribaums allenfalls wie ein starker Ast. Unsere vier selbstentwickelten, patentierten Kiribaum-Hybridsorten lassen sich problemlos auch in unseren Breiten anbauen und ernten – und zwar bereits nach drei Jahren. Unser Unternehmen wurde zudem nicht zufällig im Jahr 2009 gegründet, sondern geht zurück auf eine Gesetzesänderung, wonach wir auf landwirtschaftlichen Flächen anbauen und Holz gewinnen, also ernten, können. Wir benötigen somit keine Forstfläche oder konkurrieren gar um sie, sondern bauen ausschließlich außerhalb von Wäldern an. Unser Holz gilt als landwirtschaftliches Produkt und angesichts des Wachstums des Kiribaums ist das auch vollauf gerechtfertigt.
Der Unterschied im Wachstum ist beeindruckend. Auf einem Foto sehe ich Sie neben einem 4m hohen urwüchsigen Baum stehen. Laugt der nicht den Boden aus? Irgendwoher müssen ja die Substanzen für dieses gigantische Wachstum stammen.
Unser neuer Rekord, den wir auf unserer Hauptanbaufläche in Spanien erzielt haben, liegt sogar bei 7,50m nach sechs Monaten. Ein Kiribaum benötigt wie jeder andere Wasser, Sonne und Nährstoffe zum Gedeihen. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt nach drei, vier Jahren sogar zu, da sich ein organischer Kreislauf bildet, wovon der Baum, aber auch sein Laub die Bestandteile bildet. Die Blattmasse ist reichlich, aber zersetzt sich auch sehr schnell und trägt dann rasch zur Bodenfruchtbarkeit bei. Das ist ganz anders als bei heimischen Bäumen wie Pappeln, deren Laub zu Boden fällt und nur vermodert.
Spanien und Deutschland habe ich schon gehört. Wo bauen Sie denn an?
Angefangen hatten wir in der Nähe von Bonn, wo ich studiert habe. Dann in der Nähe von Heidelberg. Mittlerweile haben wir drei operativ tätige Agrarbetriebe in Tönisvorst und Güstrow sowie in Talavera de La Reina. In Summe sprechen wir hier von ca. 400 ha Kiriholz-Anbauflächen außerhalb von Wäldern, davon ca. 60% im Auftrag Dritter. Zusätzlich liefern wir auch Jungpflanzen in aktuell 47 Länder weltweit, die dann dort von unseren Kunden angepflanzt und bewirtschaftet werden. Auch die kontinuierlich wachsenden Bestände unserer Kunden erweitern die künftige Materialverfügbarkeit für die Kiriholz-Verarbeitung. Der Kiribaum ist also auf dem Weg, ein globales Thema zu werden, denn seine Vorzüge sind nahezu konkurrenzlos.
Was bietet Spanien, außer Urlaub natürlich?
Zum einen bietet Spanien einen rechtssicheren Raum für den Erwerb von Immobilien und Agrarflächen. Zum anderen auch eine höhere Wärmesumme aufgrund der südlicheren Vegetationszone. In Spanien liegen viele Flächen einfach brach – das wäre hierzulande beinahe undenkbar. Der Erwerb von Anbauflächen ist also vergleichsweise unproblematisch und wirtschaftlich attraktiv.
Spielt Regulierung, sei es in Deutschland oder eben in Spanien, in Ihrem Metier dennoch eine Rolle?
Prinzipiell gibt es in der EU keine nennenswerten Einschränkungen, die wir nicht leicht erfüllen könnten. Grundsätzlich geht stets eine Standortbewertung voraus. Natürlich muss man auf Themen wie Zugvögel und dergleichen achten. In Spanien gilt die Umwelt-Unbedenklichkeitsnutzung dahingehend, nachzuweisen, dass man mit der neuen Nutzung einer beanspruchten Fläche nicht mehr Wasser verbraucht als mit der vorherigen. Das alles sind bekannte Standards, die wir selbstverständlich vollumfänglich berücksichtigt haben.
Und was kann man mit diesem Holz machen – wofür eignet es sich am besten? Das Kiriholz ist sehr leicht. Das Volumen einer vergleichbaren Eiche wiegt das Dreifache. Es trocknet auch sehr schnell, was es für einen Einsatz im Außenbereich prädestiniert. Da besitzt es eine der höchsten Beständigkeitsnoten. Aufgrund des hohen Lufteinschlusses ist auch der Dämmwert sehr gut. All das macht es zu einem sehr hochwertigen Bauholz. Das ist der Bereich, auf den wir uns die vergangenen Jahre auch fokussiert haben. Für unser modulares Holzbausystem haben wir ein entsprechendes Patent angemeldet.
Schafft Kiri-Holz mit diesen Eigenschaften denn auch die Anforderungen an die Feuerfestigkeit, wenn es im Hausbau dienen soll?
Ja, es ist sogar überaus feuerfest. Standard sind 30 Minuten Feuerfestigkeit, 60 sind schon sehr gut. Bei unserem Massivholzbausystem KiriBloX haben wir die Brandschutzprüfung nach 99 Minuten freiwillig beendet und damit die Feuerwiderstandsklasse REI 90 erreicht. Grund für dieses sehr gute Ergebnis sind hauptsächlich der geringe Ligningehalt, die wabenförmige Zellstruktur und die stehenden Fasern unseres Bausystems. Im Brandschutztest waren die KiriBloX mit einer Last von 30 Tonnen beladen. Nach aktueller Sachlage kann man es daher auch für Häuser mit bis zu acht Stockwerken nutzen. Und das Beste: Sollte man irgendwann das Haus wieder abbauen, kann man alle Stecksysteme wiederverwenden. Dazu muss man lediglich die Verbindungs-Dübel ausbauen. Die Wiederverwertbarkeit der Baustoffe ist ein wichtiger Bestandteil der Ressourcenschonung und Klimafreundlichkeit.
Und was können Sie mit dem Anleihevolumen von bis zu 10 Mio. EUR anfangen?
Wir benötigen sowohl für Anbau und Ernte als auch für den Vertrieb jede Menge Betriebsmittel und Infrastruktur. Für unsere KiriBloX-Module planen wir ein vollautomatisiertes Sägewerk mit entsprechender Verarbeitungslinie. Der Output bei voller Auslastung wäre ungefähr das Volumen eines Wohnhauses pro Tag. Unsere Bäume wachsen ja bereits auf den für uns verfügbaren Flächen, da läuft also schon alles. Die Mittel der Anleihe finanzieren somit im Wesentlichen den Schritt vom Feld zum fertigen Produkt.
Und das Volumen von 10 Mio. EUR ist genau, was Sie konkret für alle Vorhaben und Umsetzungen benötigen?
Das ist unser Business-Plan. Die Formulierung ist aber auch ‚bis zu 10 Mio. EUR‘. Wir haben unsere Maßnahmen so strukturiert, dass sie in Etappen umsetzbar sind. Ein gewisser Spielraum besteht also – je nach Höhe der eingeworbenen Mittel. Umgekehrt gilt: Vielleicht wird in der Zukunft der Ruf nach einem zweiten Säge- und Verarbeitungswerk laut, aber nicht jetzt im ersten Schritt.
Herr Diessenbacher, ganz herzlichen Dank an Sie und auch Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Debütanleihe.
Interview: Falko Bozicevic
[1] CTO = Chief Technician Officer / technischer Vorstand
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