
Vossloh will mit der Übernahme der britischen Cordel Group digitale Bahninspektion und KI-gestützte Infrastrukturüberwachung ausbauen.
Die Vossloh AG treibt den Ausbau ihres Digitalgeschäfts weiter voran und plant die Übernahme des britischen Lidar-Spezialisten Cordel Group PLC. Mit der Transaktion stärkt der Bahninfrastrukturkonzern gezielt seine Kompetenzen im Bereich automatisierter Gleisinspektion und KI-basierter Überwachungssysteme.
Cordel entwickelt Hard- und Softwarelösungen zur digitalen Vermessung von Bahnstrecken. Dabei erfassen auf Zügen installierte Laserscanner dreidimensionale Daten entlang von Schienenkorridoren, die anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert werden. So lassen sich Probleme wie beschädigte Schotterbetten, Vegetationshindernisse oder tief hängende Oberleitungen frühzeitig erkennen.
Für Vossloh ist die geplante Übernahme strategisch bedeutsam. Das Unternehmen sieht digitale Bahn-Lösungen inzwischen als zentrale Wachstumspriorität. Durch die Kombination der Cordel-Technologien mit den bestehenden Laserinspektionssystemen von Vossloh sollen künftig automatisierte Systeme zur kontinuierlichen Überwachung von Bahnnetzen entstehen. Ein gemeinsames Pilotprojekt in Kontinentaleuropa habe die technische Machbarkeit bereits bestätigt.
Die Bewertung der Cordel Group liegt bei rund 29 Mio. GBP beziehungsweise etwa 33 Mio. EUR. Den Aktionären sollen 0,124 GBP je Aktie angeboten werden. Der Vollzug der Übernahme wird derzeit für das dritte Quartal 2026 erwartet und steht noch unter regulatorischen Vorbehalten sowie der Zustimmung der Cordel-Aktionäre.
Digitalisierung wird zunehmend Wachstumstreiber
Für Kapitalmarktteilnehmer ist der Schritt vor allem deshalb relevant, weil sich Vossloh damit stärker in Richtung datengetriebener Infrastrukturservices entwickelt. Digitale Überwachungslösungen gelten im Bahnmarkt als attraktives Wachstumsfeld, da Betreiber weltweit ihre Wartungskosten senken und gleichzeitig die Verfügbarkeit ihrer Netze erhöhen wollen.
Zudem erweitert Vossloh durch die Akquisition seine internationale Präsenz im Bereich digitaler Bahndienstleistungen. Cordel ist bereits bei großen Bahnbetreibern wie Amtrak oder Network Rail aktiv und verfügt über Standorte in mehreren Ländern.
Für Investoren signalisiert die Übernahme damit eine strategische Weiterentwicklung des klassischen Infrastrukturgeschäfts hin zu margenstärkeren Technologie- und Serviceangeboten – ein Trend, der im europäischen Industriegütersektor zunehmend an Bedeutung gewinnt.
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