
Drohnenangriffe auf Raffinerien und Energieinfrastruktur verschärfen die Kraftstoffversorgung in Russland. Millionen Menschen sind betroffen.
Russland sieht sich erneut mit wachsenden Treibstoffengpässen konfrontiert. Nach Angaben des unabhängigen Medienprojekts 7×7 haben inzwischen mindestens 14 russische Regionen Beschränkungen beim Verkauf von Kraftstoffen eingeführt. Auslöser sind vor allem die anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien, Energieanlagen und Logistikwege, schildert Sergey Smirnov von The BELL.
Betroffen seien sowohl die Metropolregionen Moskau und St. Petersburg als auch zahlreiche weitere Gebiete von der russischen Nordwestregion bis nach Sibirien und in den Fernen Osten. Besonders angespannt sei die Lage auf der von Russland annektierten Krim, wo zeitweise sogar ein vollständiges Verbot des freien Kraftstoffverkaufs verhängt wurde.
Nach Schätzungen lebt inzwischen fast ein Drittel der russischen Bevölkerung in Regionen, in denen Einschränkungen beim Kraftstoffbezug gelten. Die Maßnahmen reichen von Mengenbegrenzungen pro Tankvorgang über Verkaufsverbote für Kanister bis hin zu Couponsystemen und Rationierungen.
Bemerkenswert sei die Geschwindigkeit der Entwicklung. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Versorgungslage deutlich verschlechtert. Bereits 2025 hatten ukrainische Angriffe wiederholt zu Ausfällen in der russischen Raffinerie- und Energiewirtschaft geführt. Nun zeichnet sich ab, dass die Auswirkungen auf die zivile Versorgung größer ausfallen könnten als in den Vorjahren.
Für Moskau entstehe damit ein doppeltes Problem. Einerseits werden wichtige Teile der Energieinfrastruktur beschädigt oder vorübergehend außer Betrieb gesetzt. Andererseits erschweren Engpässe bei Treibstoffen die Versorgung entlegener Regionen und erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen und Verbraucher.
Während die russischen Behörden innerhalb des Kernlandes noch auf Reserven, Umleitungen und administrative Maßnahmen zurückgreifen können, gestaltet sich die Lage in den besetzten ukrainischen Gebieten deutlich schwieriger. Dort sind alternative Versorgungswege begrenzt und die logistischen Herausforderungen größer.
Die Entwicklung verdeutliche, dass der Krieg zunehmend auch die wirtschaftliche Infrastruktur Russlands selbst belastet. Was ursprünglich als militärische Operation gegen Energieanlagen begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Faktor, der den Alltag von Millionen Menschen beeinflusst.
Sergey Smirnov verfasst Meinungsartikel für The Bell, einem führenden unabhängigen russischen Wirtschaftsnachrichtendienst. 2022 stuften die russischen Behörden sowohl The Bell als auch ihre Gründer als ‚ausländische Agenten‘ ein und sperrten im Jahr darauf den Zugang zur Website in Russland.
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