Treffsicher oder nur Glück? Warum Anleger Prognosen nicht überschätzen sollten

Erfolgreiche Prognosen verleiten schnell dazu, deren Urheber als Genies zu feiern. Doch an den Finanzmärkten zählen Wahrscheinlichkeiten mehr als vermeintliche Gewissheiten.

Wer an den Finanzmärkten die Zukunft richtig vorhersagt, genießt schnell den Ruf eines Genies. Doch genau hier liegt nach Ansicht von Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, ein Denkfehler. Erfolgreiche Prognosen seien kein verlässlicher Beweis für die Qualität einer Analyse oder einer Anlagestrategie. Vielmehr gelte es, zwischen Können, Marktumfeld und Zufall zu unterscheiden.

Als Beispiel verweist Fischer auf einen Finanzstrategen, der die Fußball-Weltmeister der vergangenen drei Turniere korrekt vorhergesagt habe und nun die Niederlande als Titelträger 2026 sehe. Entscheidend sei jedoch nicht die Trefferquote, sondern die Frage, ob der Prognose überhaupt eine fundierte Analyse zugrunde liege. Eine richtige Vorhersage könne schließlich auch auf einer fehlerhaften Begründung beruhen.

Prognosen sollten sich eigentlich in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken

Prognosen sollten sich eigentlich in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken

Anleger neigten dazu, Fondsmanager nach kurzfristigen Erfolgen als Ausnahmetalente zu feiern oder bei schwächeren Ergebnissen vorschnell abzuschreiben. Dabei seien Renditen häufig das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Fachwissen, Marktbedingungen und Zufall. Selbst über mehrere Jahre könne eine Serie günstiger Umstände eine Rolle spielen. Vergangene Erfolge allein sollten deshalb nie ausschlaggebend für eine Investmententscheidung sein.

Nach Einschätzung von Fischer denken erfolgreiche Investoren in Wahrscheinlichkeiten statt in Gewissheiten. Gerade an den Finanzmärkten wirkten unzählige Faktoren auf die Entwicklung ein, sodass selbst ausgefeilte Prognosemodelle Unsicherheit nicht beseitigen könnten. Mehr Daten führten zudem nicht automatisch zu besseren Vorhersagen – einfache Modelle schnitten mitunter überraschend gut ab.

Besonders kritisch sieht Fischer die Illusion von Präzision. Exakte Kursziele oder Modellrechnungen vermittelten häufig eine Sicherheit, die in Wirklichkeit nicht existiere. Entscheidend seien vielmehr Diversifikation, Risikomanagement und robuste Portfolios, die auch dann Bestand hätten, wenn sich Prognosen als falsch erwiesen.

Fischers Fazit: Langfristig erfolgreiche Anleger zeichneten sich weniger durch perfekte Vorhersagen aus als durch einen disziplinierten Umgang mit Unsicherheit. Demut gegenüber den Märkten sei daher oft wertvoller als der Glaube an die eigene Prognosefähigkeit.

Thorsten Fischer, Moventum AM

Thorsten Fischer ist Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum Asset Management. Die Luxemburger Gesellschaft verantwortet die Vermögensverwaltung und das Fondsmanagement innerhalb der Moventum-Gruppe.

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