Dr. Dominik Benner, TPG (The Platform Group) : „Zahlenseitig untermauert und auch, was für unsere Vision 2030 notwendig wäre“

Aktien- und Anleiheemittent The Platform Group (TPG) hat 2025 sogar zweimal seine Prognose erhöht und lehnt sich mit der ‚Vision 2030‘ bewusst aus dem Fenster. BondGuide im Update-Gespräch mit CEO Dr. Dominik Benner

BondGuide: Dr. Benner, 2025 ist auch schon wieder herum – können Sie denn schon ein gewisses Resümee abgeben, ohne zu konkret werden zu müssen, um anstehenden Geschäftszahlen nicht vorzugreifen? – nach meinen Daten sollen diese Ende Januar kommen.
Benner: Tatsächlich steht die Veröffentlichung unserer vorläufigen Zahlen Ende Januar an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir unsere Prognose zweimal angehoben. Soweit heute absehbar, war auch das vierte Quartal positiv. Derzeit tragen wir die finalen Zahlen der Beteiligungen zusammen.

BondGuide: …und was sehen Sie persönlich als gewisses Highlight des beendeten Geschäftsjahres, gibt es da etwas?
Benner: Vielleicht kein einzelnes Highlight – gleichwohl war 2025 ein sehr bewegtes Jahr. Der Online-Handel hat sich in den letzten vier Jahren massiv verändert: Während einige Anbieter gute Wachstumszahlen erreichten, sind andere aus dem Markt ausgeschieden. In diesem Umfeld haben wir 2025 elf Übernahmen getätigt und einen neuen Geschäftsbereich Optics & Hearing aufgebaut. Parallel dazu haben wir unsere Führungsstruktur auf dem C-Level gezielt erweitert, um der zunehmenden Unternehmensgröße und Komplexität Rechnung zu tragen.

TPG setzt künftig lieber auf Optics & Hearing statt Automotive

TPG setzt künftig lieber auf Optics & Hearing statt Automotive & Autos

BondGuide: Turnusmäßig, gefühlt einmal pro Halbjahr, kommt eine Prognoseanhebung. Liegen diese nicht in der Natur des Plattformgeschäftsmodells, sofern sie mehr zukaufen als verkaufen?
Benner: Nicht direkt – einen Automatismus gibt es so nicht. Wir möchten natürlich stets organisch mit unseren Händlern wachsen. Bei Akquisitionen weisen wir Effekte stets transparent aus und zeigen, wie viel auf organisches Wachstum und wie viel auf M&A zurückzuführen ist.

BondGuide: Gibt es Segmente, bei denen Sie noch sinnvollen Ergänzungsbedarf erkennen – Brille und Hörgeräte hatte ich eben schon vernommen. Folgen Sie einem demografischen Trend?
Benner: In der Tat sind sowohl Brille als auch Hörgeräte sozusagen trendfolgend. Hörgeräte sind komplexe technologische Apparaturen, oft sehr kostspielig aufgrund ihres verbauten Knowhows – die Margen in diesem Segment sind daher tendenziell über dem Durchschnitt anderer Segmente, wir erzielen hier eine EBITDA-Marge von 25%. Aus diesem Grund möchten wir uns in diesem Teilsegment künftig auch noch weiter engagieren. Auch bei Luxusgütern sind die Margen gut. Deshalb wäre das der zweite Bereich, den ich nennen möchte für potenzielle Verstärkungen auf unserer Seite.

BondGuide: Welches Portal, sofern vorkommend, qualifiziert sich eigentlich auch mal für einen strategischen Exit – gibt es so etwas?
Benner: Das ist durchaus möglich, wobei wir sehr selten verkaufen. Letztes Jahr haben wir uns von vier kleinen Gesellschaften getrennt, die zu klein geworden sind im Konzern oder die Marge nicht ausreichend war. Und so haben wir uns beispielsweise vom Auto-Abo-Bereich getrennt, da wir dort perspektivisch kein profitables Modell mehr gesehen haben. Dieser Markt hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verändert, die Hersteller unterbieten sich in den Leasingraten, ein Auto bekommt man bereits für 150 EUR im Monat: Damit kann man kein Geld verdienen.

BondGuide: Sie hatten gesagt, der Online-Handel habe sich verändert – wie meinen Sie das?
Benner: Internationale Luxus-Händler, auch sehr große Namen, stehen aktuell erheblich unter Druck. In den USA wie auch in Europa sehen wir Rückzüge, Restrukturierungen oder Marktaustritte. Es ist richtig Bewegung im Markt. Wir meinen, dass man mit Luxusmarken gutes Geld verdienen kann, sofern man nicht kostspiele Lagerhaltung in seiner Bilanz hat. Möglichst wenig Lagerrisiko bedeutet heutzutage profitabel arbeiten zu können.

… und auch Tierbedarf liegt voll im demografischen Trend

BondGuide: Was ist wichtiger, Umsatz-, GMV- oder Margenentwicklung: Über welche Kennzahl steuern Sie vorrangig?
Benner: Es ist eine Mischung – und das legen wir auch in unserem Geschäftsbericht offen. Aber die finanziellen Kennzahlen wie Umsatz und EBITDA sind nur ein Aspekt, nicht der alleinige – auch Non-Financials zählen, denn sie sind die Grundlage unseres Geschäftsmodells. Wir schauen vor allem, ob wir neue Händler, neue Produkte und neue Kunden hinzugewinnen.

BondGuide: Im Herbst hatte die TPG die Anleihe von 2024 um 20 auf 70 Mio. EUR aufgestockt. Konnten Sie die Mittel denn erfolgversprechend allokieren?
Benner: Ja – wie erwähnt: Wir haben zahlreiche Übernahmen im vergangenen Geschäftsjahr vollzogen bzw. unterzeichnet und entsprechend die Mittel eingesetzt. Die Veränderungen daraus werden wir im laufenden Jahr wiederum transparent ausweisen. 

BondGuide: TPG ist ja Aktien- und Anleiheemittent: Der Anleihekurs ist stabil, der Aktienkurs hat 2025 jedoch stark gelitten. Mir ist bekannt, dass man Vorstände nicht den eigenen Aktienkurs kommentieren lässt – daher liefere ich mal als Vorgabe: Wie belastend ist die schwelende Austragung um Deutungshoheit zu diversen Punkten, die das managermagazin im Laufe des Jahres 2025 aufgebracht hat?
Benner: Mit der Entwicklung des Aktienkurses waren wir 2025 nicht zufrieden. Aber darauf haben wir nur beschränkt Einfluss. Wegen des Magazins: Wir haben dazu ja eine Gegendarstellung veröffentlicht auf einer eigenen Webseite, sie heißt TPG Fakten gegen Mythen. Dort ist alles gesagt, was wir dazu beisteuern können.

BondGuide: Es waren wirklich viele verschiedene Punkte von Personal-Fluktuation bis zum Einstecktuch, das Sie gerne in Ihren Sakkos tragen: Welcher Punkt hat Sie ggf. persönlich verärgert?
Benner: Nein – nicht mal zu meinem Faible für Einstecktücher. Uns sind auch keine anderen Zeitungen bekannt, die dieser Berichterstattung gefolgt sind oder deren Punkte aufgegriffen hätten. Als Unternehmer muss man negative Berichterstattung zuweilen mit einer gewissen Portion Humor erdulden. Wir stellen falsch dargestellte Punkte richtig und fertig – als CEO habe ich wichtigere Aufgaben, die ich wahrnehmen muss, als mich mit einem einzelnen Magazin zu beschäftigen.

… und Mode geht natürlich eigentlich immer

BondGuide: Zum Abschluss: So müssen wir ja schon auf 2026 und in die Zukunft blicken und mit Ihrer Vision 2030 tun Sie das ja proaktiv. Ist es üblich, sich zu mehreren Jahren im Voraus zu committen?
Benner: Jedenfalls bei uns – wir wollten Aktien- und Anleiheinvestoren einen Ausblick geben, was uns mittelfristig vorschwebt, kurz: was wir vorhaben. Das haben wir zahlenseitig untermauert und auch, was dafür notwendig wäre. Wir möchten beispielsweise bei der Marge in einen zweistelligen Bereich kommen. Das ist in unserer Branche anspruchsvoll, schwierig umzusetzen und keineswegs selbstverständlich. Dazu muss man sowohl Top-Line beim Umsatz ansetzen wie auch weiter seine Kosten im Griff behalten. Auch unangenehme Entscheidungen können da die Folge sein.

CEO Dr. Dominik Benner, TPG

CEO Dr. Dominik Benner, TPG

BondGuide: Wie weit stören Sie chinesische Plattformen wie Temu dabei?
Benner: Diese Frage hat einen wirtschaftlichen, einen philosophischen und einen Umwelt-Aspekt. Jeder entscheidet frei, wo er oder sie einkauft. Ob unsere heimische Politik hier nochmal irgendwann dezidiertere Leitplanken für den Online-Handel einführt, lässt sich nur schwer einschätzen und darauf verlassen wir uns auch nicht. Wir selbst arbeiten teilweise mit Temu als Verkaufskanal zusammen, falls Händler von uns wünschen, ihre Waren auch über Temu vertreiben zu dürfen. Temu ist schon aktuell nicht nur im Günstig-Bereich aktiv – teilweise kann man aber den ursprünglichen Merchant-Seller, also den Ursprung des Angebots, nicht klar erkennen. 

BondGuide: Herr Dr. Benner, danke für das Update und die Vision 2030 überprüfen wir sicherlich beizeiten!

Interview: Falko Bozicevic

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