
MetLife Investment Management sieht Schwellenländer strukturell im Wandel. KI, Energiewende und steigende Einkommen eröffnen neue Chancen.
Schwellenländeraktien haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Sie sind heute weniger abhängig vom chinesischen Wirtschaftswachstum, widerstandsfähiger gegenüber globalen Schocks und stärker von technologischen Innovationsführern geprägt. Zugleich werden sie weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber Industrieländern gehandelt. Taras Shumelda, Portfoliomanager für globale Schwellenländeraktien bei MetLife Investment Management (MIM), sieht darin attraktive langfristige Anlagechancen.
Asien steigt in der Wertschöpfungskette auf
China, Taiwan und Südkorea haben sich von kostengünstigen Produktionsstandorten zu führenden Anbietern hochentwickelter Halbleiter, Fertigungsanlagen, Elektrofahrzeuge und Technologien für erneuerbare Energien entwickelt. Ein wesentlicher Treiber sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung: Asiens Anteil an den weltweiten F&E-Ausgaben stieg von 23% im Jahr 2000 auf 45% im Jahr 2024.
Besonders deutlich wird das im KI-Ökosystem. Unternehmen wie TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix nehmen Schlüsselpositionen bei der Chip- und Speicherproduktion ein. Der chinesische Anbieter Wiwynn produziert KI-Server und Infrastruktur für Rechenzentren. Entsprechend hat sich auch die Zusammensetzung des MSCI Emerging Markets Index verändert: Der Anteil der Informationstechnologie stieg von 16,9% im Jahr 2020 auf 41,5% im September 2026.
Auch bei erneuerbaren Energien ist China führend. Das Land kontrolliert laut BloombergNEF mehr als 70% der Produktionskapazitäten in den wichtigsten Clean-Tech-Segmenten. 2025 entfielen zudem 60% der weltweit verkauften Elektroautos auf chinesische Unternehmen.
China bleibt wichtig, ist aber nicht mehr allein entscheidend
Chinas Anteil am MSCI Emerging Markets Index liegt bei knapp 21%, das Land trägt 51% zum BIP-Wachstum der Schwellenländer bei. Dennoch hat die Abhängigkeit der übrigen Märkte abgenommen. Die Korrelation zwischen MSCI China und MSCI Emerging Markets sank von durchschnittlich 80% zwischen 2000 und 2020 auf 64,3% nach der Pandemie. Seit Jahresbeginn liegt sie nur noch bei 57%.
Unterschiedliche Wachstumstreiber sorgen für eine stärkere Streuung: Taiwan profitiert von der Halbleiterindustrie, Indien vom Binnenkonsum, Indonesien von steigenden Einkommen und Südkorea von Technologie- und Rüstungsexporten. Das eröffnet aktiven Anlegern zusätzliche Möglichkeiten.
Widerstandsfähiger gegenüber globalen Schocks
Zölle, geopolitische Konflikte und höhere US-Zinsen haben bislang keine breit angelegten Kapitalfluchtbewegungen ausgelöst. Dazu tragen stärkere regionale Handelsbeziehungen bei. Der innerasiatische Handel macht inzwischen rund die Hälfte der gesamten Handelsaktivitäten der Region aus.
Auch die Unternehmensbilanzen sind robuster geworden: Rund 38% der Unternehmen im MSCI Emerging Markets verfügen über eine Netto-Cash-Position. Im Gesundheitswesen sind es 66%, in der Informationstechnologie 59%. Die Banken der Schwellenländer weisen zudem eine durchschnittliche Tier-1-Kapitalquote von 15% auf.
Bewertungsabschlag bietet Chancen
Trotz dieser Fortschritte werden Schwellenländeraktien deutlich günstiger bewertet als Titel aus Industrieländern. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt laut Konsensschätzungen bei etwa 9,2 gegenüber 17,5 bei Industrieländeraktien – ein Abschlag von nahezu 50%. Gleichzeitig dürften die Unternehmensgewinne 2026 und 2027 stärker wachsen als in den Industrieländern.
Geopolitische Risiken, Fragen der Unternehmensführung und regulatorische Unsicherheiten bleiben bestehen. Auch die zunehmende Gewichtung von KI-Unternehmen birgt Konzentrationsrisiken. Entscheidend sei daher die Auswahl der richtigen Unternehmen. Shumelda sieht aktive Manager mit lokaler Marktkenntnis und fundierter Fundamentalanalyse besonders gut positioniert, um nachhaltige Gewinner zu identifizieren.
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