
Die Midterms könnten zunächst Tech- und Finanzwerte belasten. Doch Trumps Vetorecht begrenzt den Spielraum der Demokraten für weitreichende Reformen.
Sollten die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen im November sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen, könnte die Börse zunächst nervös reagieren. Höhere Unternehmenssteuern, strengere Regeln für Technologiekonzerne und zusätzliche Sozialausgaben dürften Anleger beschäftigen. Allerdings wäre ein solcher Machtwechsel wirtschaftspolitisch weniger weitreichend, als es zunächst erscheinen könnte: Präsident Donald Trump 2.0 behält sein Vetorecht. Um dieses zu überstimmen, wäre in beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, die für die Demokraten nicht in Reichweite liegt.
Tech und Banken zunächst unter Druck
Eine demokratische Mehrheit nach den Midterms könnte die parlamentarische Kontrolle über große Technologiekonzerne verschärfen und Fragen zu Marktmacht, Datenschutz und KI stärker in den Mittelpunkt rücken. Auch der Finanzsektor müsste mit intensiverer Aufsicht rechnen. Zunächst dürfte weniger die unmittelbare Verabschiedung neuer Gesetze als vielmehr die Aussicht auf politische Untersuchungen und strengere Kontrolle die Bewertungen belasten.
Marktanalyst Jens Klatt hält eine überzogene erste Marktreaktion deshalb für möglich. Politische Schlagzeilen bedeuteten nicht automatisch fundamentale Veränderungen. Zudem seien die Auswirkungen je nach Geschäftsmodell und Marktposition der Unternehmen unterschiedlich.
Gesundheit und erneuerbare Energien als mögliche Gewinner
Profitieren könnten dagegen Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und dem Bereich erneuerbare Energien. Im Gesundheitssektor stünde der Schutz öffentlicher Programme wie Medicaid und der Zuschüsse im Rahmen des Affordable Care Act im Vordergrund. Klatt nennt unter anderem Centene, Molina Healthcare und Elevance Health als mögliche Profiteure einer stabileren Förderung.
Auch US-Hersteller und Projektentwickler im Bereich sauberer Energie könnten von einer Fortführung bestehender Fördermaßnahmen profitieren. Als Beispiel führt Klatt First Solar an, das über erhebliche Produktionskapazitäten in den USA verfügt. Einzelhändler wie Dollar General und Walmart könnten wiederum von stabilen Sozialleistungen und einer gestützten Kaufkraft einkommensschwächerer Haushalte profitieren.
Haushaltspolitik bleibt entscheidender Unsicherheitsfaktor
Die größte Unsicherheit könnte allerdings von den Haushaltsverhandlungen ausgehen. Eine demokratische Mehrheit könnte Ausgabenprioritäten stärker beeinflussen und etwa Gesundheitszuschüsse, Medicaid oder Infrastrukturinvestitionen zum Gegenstand politischer Kompromisse machen. Höhere Ausgaben ohne ausreichende Gegenfinanzierung könnten die Sorgen vor steigenden US-Haushaltsdefiziten verstärken. Das wiederum könnte die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben treiben und den US-Dollar belasten.
Für Anleger kommt es laut Klatt daher weniger auf die politische Färbung des Kongresses als auf die tatsächlich umsetzbaren Maßnahmen an. Ein Wahlsieg der Demokraten könnte einzelne Branchen zunächst belasten oder begünstigen. Nachhaltig entscheidend sei jedoch, welche politischen Vorhaben den Weg durch beide Kammern und letztlich am Präsidenten vorbei oder mit ihm gemeinsam ins Gesetz finden.
Jens Klatt ist Marktanalyst beim Online-Broker XTB. Dieser wurde 2004 in Polen gegründet und ist ein technologieorientiertes, international reguliertes Unternehmen. Seit 2016 ist XTB an der Warschauer Börse notiert.
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