
Luke Codrington (Co-Head EM Global Fixed Income) und Jonathan Davis (Client Portfolio Manager & Sustainable Investment Strategist – Emerging Markets Fixed Income) von PineBridge Investments zum Ausblick auf Schwellenländeranleihen 2026 (EM-Debt).
Schwellenländeranleihen könnten 2026 erneut relativ gut dastehen, obwohl das Renditeprofil nach dem starken Jahr 2025 normaler werden dürfte. PineBridge nennt als tragende Faktoren robuste Exporte, sinkende Inflation und eine insgesamt zurückhaltende Geldpolitik in vielen Schwellenländern. Selbst bei niedrigeren Ertragserwartungen sieht PineBridge die Basis dafür, das Engagement zu erhöhen, sofern Anleger konsequent nach Ländern, Emittenten und Währungen unterscheiden.
PineBridge begründet den Blick nach vorn auch mit dem Rückspiegel: 2025 hätten die meisten Kreditmärkte ihre Carry-Renditen erreicht, bei Schwellenländeranleihen sei neben Carry jedoch zusätzliche Überrendite entstanden. Ausschlaggebend seien Marktbedingungen und Fundamentaldaten gewesen, die den makroökonomischen Risiken standgehalten hätten. Für 2026 werden zusätzlich stabile Haushaltsdisziplin, robuste Unternehmensgewinne und eine Nachfrage skizziert, die das Angebot übersteigen könnte.
Handel und Inflation: warum das Makro nicht überall gleich wirkt
Beim globalen Handel bleibt das Bild laut PineBridge geordnet, aber länderspezifisch. 2025 sei das Handelsvolumen trotz tiefgreifender Änderungen der US-Handelspolitik stabil geblieben, weil viele Exporteure Lieferungen vor Zollfristen vorgezogen hätten. 2026 dürfte das Wachstum nachlassen, doch Ausnahmeregelungen, bilaterale Abkommen und die anhaltende Anfechtung der IEEPA-Zölle könnten die Auswirkungen begrenzen.
Der Chart zu den effektiven US-Zollsätzen unterstreicht den Kernpunkt von PineBridge: Die Belastung ist nicht homogen, sie variiert nach Land erheblich. Daraus leitet PineBridge ab, dass Zollrisiken eher selektiv wirken, statt das gesamte Schwellenländeruniversum zu treffen. Für Anleger bedeutet das weniger pauschale Makro-These, mehr Differenzierung.
Inhaltlich bleibe China das Zentrum der US-Handelspolitik. Gleichzeitig deutet PineBridge auf Kooperationssignale wie Vereinbarungen zu Fentanyl und Seltenerd-Elementen. In Asien dürften höhere Zölle vor allem Länder treffen, in denen US-Exporte einen wesentlichen Beitrag zum BIP leisten, genannt werden Vietnam und Korea.
Indien und Indonesien gelten hingegen als weniger anfällig. In Lateinamerika sieht PineBridge dagegen häufig effektive Zollsätze unter 10%, unter anderem wegen USMCA für Mexiko und produktbezogener Ausnahmen für südamerikanische Importe. Niedrigere Zölle könnten Exporte stützen und Investitionen auslösen, flankiert durch Rückenwind bei Metallen, Mineralien und Agrarprodukten.
Inflation und Geldpolitik sind der zweite große Baustein. PineBridge verweist auf Disinflation in vielen Schwellenländern, getragen durch Realzinsniveau und teils stabile Währungen. Selbst wenn der Trend in einzelnen Ländern an Tempo verlieren könnte, werde für eine Vielzahl von Märkten weiterhin eine moderate Inflation erwartet.
Der Inflationschart stützt die Ableitung, dass mehrere Zentralbanken 2026 Spielraum für Zinssenkungen haben könnten. PineBridge nennt die Türkei, die bereits 2025 einen zweistelligen Inflationsrückgang gesehen habe, sowie Argentinien. Weitere Kandidaten sind Brasilien und Kolumbien, Indonesien und Thailand sowie Südafrika und Ägypten. Ein breiterer Zinsrückgang stütze lokale Anleihemärkte und könne die Binnennachfrage verbessern.
Unternehmen, Technik und Positionierung: konkrete Chancen bei EM-Debt
Bei Unternehmensanleihen erwartet PineBridge 2026 Rückenwind durch makroökonomische Stabilität und solide Gewinnentwicklung. Zölle dürften sich laut PineBridge über Bestätigung oder sektorale Neuordnung stabilisieren, was viele Lieferketten planbarer machen kann. Nur wenige asiatische Corporate-Emittenten seien stark von US-Exporteinnahmen abhängig. Gleichzeitig wird eine Rohstoff-Divergenz beschrieben, mit Unterstützung für Metalle und Agrarprodukte und Druck auf Ölpreise, plus weiterhin solides Kreditwachstum im Finanzsektor.
Der Net-Leverage-Chart dient als visuelle Stütze für das Bilanzargument. PineBridge stellt damit auf die Bilanzen ab, die im Aggregat gesund wirkten, und auf konservatives Bilanzmanagement, das im Kreditzyklus Stabilität schaffe. Das passe zur These, dass EM-Corporates 2026 nicht nur Rendite, sondern auch Risikostreuung liefern können. Technisch verweist PineBridge auf einen Stimmungsumschwung. Nach mehrjährigen Abflüssen seien 2025 wieder Zuflüsse in EM-Anleihefonds zu verzeichnen gewesen. Gleichzeitig bleibe die Angebotsseite relevant, 2025 mit Rekorden bei USD-Staatsanleihen und hohen Corporate-Bruttoemissionen, während die Nettofinanzierung im Corporate-Segment negativ blieb.
Der Emissionschart verbindet beide Seiten. Wenn Zuflüsse anhalten und die Nettofinanzierung knapp bleibt, kann das laut PineBridge technischen Rückenwind für Preise schaffen. Für 2026 erwartet PineBridge sinkende Bruttoemissionen bei USD-Sovereigns und im Corporate-Bereich erneut eine negative Nettofinanzierung.
In der Positionierung priorisiert PineBridge drei Felder:
- Erstens höher verzinsliche Lokalwährungsanleihen, sofern Wechselkursvolatilität aktiv gesteuert wird und mit Blick auf mögliche fiskalische Anpassungen in Brasilien, Kolumbien und Mexiko.
- Zweitens im USD-EM-Segment B-geratete Staatsanleihen wegen Spread-Duration, bei engeren Spreads mit klarer Emittentenauswahl.
- Drittens im hochwertigen Segment BBB-Unternehmensanleihen mit steilen Kurven für Carry und Roll-down, mit Mehrwertpotenzial in Lateinamerika, selektiv in CEEMEA, und Asien als Qualitätsanker.
——————-
Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Finanzierung im Mittelstand 2025“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !




