Unter der Lupe: AMD liefert, bleibt aber im Kernschatten

AMD hat zwar geliefert – operativ, ertragsseitig und in Teilen auch strategisch – doch im entscheidenden Segment des KI-Booms bleibt das Unternehmen klar in der Rolle des Herausforderers. Von Sandeep Rao*

Mit der Vorlage der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 am 3. Februar hat der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) ein insgesamt solides Zahlenwerk präsentiert. Dennoch blieb die Reaktion an der Börse verhalten. Trotz spürbarer Fortschritte auf der Ertragsseite mehren sich die Zweifel, ob AMD im aktuell attraktivsten Teil des KI-Marktes, dem Rechenzentrumsgeschäft, tatsächlich entscheidend Boden gutmachen kann.

Während CEO Lisa Su im Rahmen der Ergebnisse für das dritte Quartal 2025 noch in Aussicht gestellt hatte, dass die Kooperation mit OpenAI – angelehnt an das dichte Partnernetzwerk von Nvidia – langfristig ein Umsatzpotenzial von über 100 Mrd. USD eröffnen könnte, ist dieser strategische Durchbruch in den aktuellen Zahlen zumindest noch nicht klar erkennbar.

Datacenter-Geschäft wächst – aber ohne strukturellen Durchbruch

Im vierten Quartal bestätigte AMD weitgehend die Umsatztrends, die bereits nach dem dritten Quartal sichtbar waren, während das verwässerte Ergebnis je Aktie stärker zulegen konnte. Das Umsatzwachstum wurde maßgeblich durch steigende Erlöse im Rechenzentrumssegment getragen. Nachdem für diesen Bereich im dritten Quartal 2025 noch ein vergleichsweise moderates Wachstum von 18% erwartet worden war, legte er im Gesamtjahr 2025 um 32% zu – nahezu doppelt so stark wie ursprünglich prognostiziert.

Dennoch gelang es AMD nicht, den im Vorquartal unterstellten Rückgang der Marktanteile vollständig auszugleichen. Das Unternehmen schloss das Geschäftsjahr mit einem Rückgang des Umsatzanteils von rund einem Prozentpunkt gegenüber 2024 ab.

Ein Teil des Umsatzanstiegs war zudem einmaliger Natur: Rund 1% der Erlöse des Geschäftsjahres 2025, bzw. etwa 7% der Rechenzentrumsumsätze im vierten Quartal, entfielen auf die Freigabe zuvor exportbeschränkter Instinct-MI308-GPUs nach China im Juli. Diese Entscheidung der Trump-Administration ermöglichte AMD den Abbau von Lagerbeständen in Höhe von rund 360 Mio. USD und die Verbuchung zusätzlicher Umsätze von etwa 390 Mio. USD.

Während das Datacenter-Geschäft an Dynamik gewann, erwies sich erneut das Segment Client and Gaming als stabilster Wachstumstreiber. Die operative Entwicklung in diesem Bereich verbesserte sich leicht: Das Umsatzwachstum beschleunigte sich von 138% nach dem dritten Quartal auf 141% im Gesamtjahr.

[…] Auffällig bleibt zudem, dass sowohl der Anteil der Herstellungskosten als auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben gemessen am Umsatz seit 2023 rückläufig sind. Parallel dazu stiegen die Anteile von operativem Ergebnis und Nettogewinn. Ein Zeichen zunehmender Effizienz, aber auch ein Hinweis darauf, dass derzeit kein aggressiver Investitionszyklus wie in den Jahren 2021 und 2022 stattfindet. […]

AMD liefert

Nvidia bleibt strukturell im Vorteil

[…] AMD hingegen scheint bei großen Unternehmenskunden weiterhin primär außerhalb klassischer Hyperscale-Rechenzentren positioniert zu sein. Ein Umstand, der den anhaltenden Erfolg des Client- und Gaming-Segments erklärt, jedoch die Wachstumsfantasie im Kernbereich des KI-Hypes begrenzt.

Nachlassende Überzeugung

Die verhaltene Kursreaktion im nachbörslichen Handel sowie in den frühen Handelsstunden nach der Veröffentlichung deutet darauf hin, dass Investoren derzeit keine substanzielle Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Rechenzentrumsmarkt erwarten. Trotz solider Ergebnisverbesserungen dürfte ein Teil der hohen Bewertung, die AMD im Zuge des KI-Booms zuerkannt wurde, in den kommenden Quartalen auf den Prüfstand gestellt werden. Bis zur nächsten Ergebnisveröffentlichung ist daher mit einer erhöhten Volatilität und einer eher holprigen Kursentwicklung zu rechnen.

Sandeep Rao, Leverage Shares

AMD hat zwar geliefert – operativ, ertragsseitig und in Teilen auch strategisch – doch im entscheidenden Segment des KI-Booms bleibt das Unternehmen klar in der Rolle des Herausforderers. Solange sich die Marktstellung im Rechenzentrumsgeschäft nicht substanziell verbessert, dürfte es schwerfallen, die hohen Erwartungen dauerhaft zu rechtfertigen. Der Markt verlangt zunehmend nicht nur Wachstum, sondern sichtbare Marktanteilsgewinne im profitabelsten Teil der Wertschöpfung. Genau hier bleibt AMD bislang hinter den Hoffnungen zurück. […]

*) Sandeep Rao ist Senior Analyst bei Leverage Shares & Income Shares

Leverage Shares

…ist Pionier und der größte Emittent von börsengehandelten Produkten (ETPs) aus dem Einzelaktien-Segment in Europa. https://leverageshares.com/de/

——————-

Unsere neueste BondGuide-Jahresausgabe „Finanzierung im Mittelstand 2025“ kann jetzt vollkommen kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Daneben können auch unsere weiteren Nachschlagewerke wie bisher als kostenlose E-Magazine bequem heruntergeladen, gespeichert & durchgeblättert werden.

Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !