
Frankreichs Ruf bröckelt weiter: Erstmals zahlt Frankreich für Zehnjahresanleihen mehr Zinsen als das traditionell hochverschuldete Italien – ein historischer Rollentausch, der tief blicken lässt.
Die alte Einteilung in Kern- und Randländer der Eurozone ist endgültig Geschichte. Mitte Oktober lag die Rendite französischer Staatspapiere rund 0,3 Prozentpunkte über dem italienischen Niveau. Ein bemerkenswerter Vorgang: Italien schleppt zwar eine Schuldenquote von knapp 139% mit sich herum, während Frankreich bei rund 118% steht; indes honoriert der Markt die aktuelle Haushaltsdisziplin. Rom drückt sein Defizit gegen 3%, während Paris für dieses Jahr mit über 5% Minus plant.
Für Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank, folgt diese Entwicklung einem alten Muster. Schon zu Napoleons Zeiten zählte Verlässlichkeit mehr als nackte Macht. Während Großbritannien damals billiges Geld einsammelte, musste Napoleon mangels Vertrauens seine Kriege teuer über Steuern finanzieren. Am Kapitalmarkt entscheidet eben der Ruf als Schuldner über die Kreditkosten.
Der Renditeabstand zur deutschen Bundesanleihe kletterte im Oktober zeitweise auf gut 1,4 Prozentpunkte – der höchste Wert seit über zehn Jahren. Schuld daran ist nicht zuletzt die politische Zersplitterung. Die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu ringt erbittert um den Etat 2027. Folgerichtig droht am 23. Oktober ein negatives Rating durch die Agentur Moody’s.
Eine akute Euro-Krise sieht Beil zwar nicht, für den französischen Staat wird es dennoch teuer: Die Zinsausgaben steigen im kommenden Jahr voraussichtlich um 10 Mrd. EUR. Auf die EZB und ihr Schutzwerkzeug TPI sollte man derweil nicht wetten; dieses greift nur bei fundamental unbegründeten Verwerfungen.
Für Anleger sei die höhere Rendite kein Geschenk, sondern eine handfeste Risikoprämie. Beil rät vom Kauf französischer Papiere ab. Frankreich muss seine Verlässlichkeit erst wieder selbst unter Beweis stellen.
Die 1921 gegründete Hamburger Sutor Bank verbindet klassisches Private Banking mit einer digitalen Plattform für Fintechs. Mathias Beil verantwortet dort die Vermögensverwaltung und analysiert regelmäßig die globalen Rentenmärkte.
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