Musterdepot-Update: Stärken stärken

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In großer Höhe fliegt man am besten allein. Ich kann mich leider nicht erinnern, ob das Zitat von einem ehemaligen Lufthansa-Chef ist oder eine der 237 Ferengi-Erwerbsregeln.

Um ehrlich zu sein, erschloss sich mir der Sinn ohnehin nie wirklich. Ich meine, ein Lufthansa-Chef hat sich damit irgendwann wie ein Pavian auf die Brust getrommelt – kurz bevor die Kranich-Airline in eine ihrer turnusmäßig nächsten Krisen mit fortfolgender Staatshilfe ans Gate andockte.

Hier, in unserem Zusammenhang, sollte der Sinn wohl lauten: Verlass Dich nur auf Dich selbst. Ich möchte es abzuschwächen zu ‚vor allem‘. ‚Nur‘ würde ich in beratungsresistent einordnen.

Nichts könnte ferner liegen. Mit Ausflügen in Spekulationen wie bei Terragon, Cardea oder einige andere, die mittlerweile verkauft sind, haben wir schon länger fertig. Wir begnügen uns inzwischen mit Katjes, Underberg und Co.

Und man schaue bitte, wie die Kurse immer noch laufen. Ich meine, die neue Karlsberg hat gerade ein neues Hoch erreicht – hatte ich das nicht irgendwo orakelt? Es wird nicht das letzte gewesen sein: Vor wenigen Tagen hat die EZB proaktiv die Leitzinsen um einen Viertel Punkt gesenkt. Das macht alle ausstehenden Anleihen um einen Viertel Punkt attraktiver – Pi mal Daumen.

Nun müssen wir bei KMU-Anleihen nicht unbedingt eine Standleitung zur EZB pflegen. Es reicht die Gewissheit, dass die nächsten Aktionen nach unten gerichtet sein werden. Ob ein oder zwei Quartale mehr oder minder, ist weniger von Relevanz. Unsere 12-, 11-, 10- und einstellig hohen prozentualen Kupons werden mit jedem Zinsschritt wertvoller. Wenn in einem Jahr von jetzt an die Festgeldzinsen wieder unter 2% gefallen sein werden, ist die Frage, wie alternativ 4finance, Mutares, Underberg, DEAG, Katjes oder Karlsberg sein können. Sind sie jetzt schon.

Ein reduziertes Portfolio aus diesen sechs bringt rund 8 ½% Casflow pro Jahr. Bei einer Anlagesumme von 100 TEUR wären das ca. 6 TEUR nach Steuern oder 500 EUR pro Monat arbeitsfreies Einkommen. Wie Mieterlöse, nur ohne deren Drumherum und für 100 TEUR Investitionsbetrag könnte man heute höchstens in Hoyerswerda eine zu vermietende Wohnung erwerben. Oder wo ich gerade am PC sitze, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn die vergangenen Jahre uns eine Lektion erteilt haben, dann die, dass sich Spekulationen wie mit Cardea nur leisten kann, wer schmerzfrei 10 TEUR oder eine beliebige andere Summe abschreiben kann. In einem virtuellen Depot mag es einfach erscheinen, ich bin aber trotzdem angesäuert hinsichtlich Cardea, Terragon und speziell Euroboden. Die Pleite von Euroboden 2023 ist für den KMU-Anleihemarkt vergleichbar mit der von der KTG-Gruppe 2016. Selbst die Beschwichtigungsformeln ähnelten sich.

Zukunft kommt bekanntlich von vorne, also blicken wir dahin. Im laufenden Jahr läuft es bisher ganz formidabel. Es gibt auch keinen Grund, etwas zu ändern – wo denn? Am schlimmsten wäre beinahe, wenn eine namhafte Emissionen auf den Plan träte, wo wir wirklich nachdenken müssten, die nicht zu verpassen. Damit soll Debütemittenten nicht ihre Daseinsberechtigung abgesprochen werden, aber wir können hier schließlich nicht 27 interessante Emissionen führen, sondern bleiben bei maximal 15, wovon ein Drittel aktuell pleite oder in Abwicklung ist: Basis sind eigentlich 10.

Wir müssen sie jedoch weiterführen, denn um in den Anspruch von Abschlagszahlungen aus den Pleiten zu kommen, müsste man in der Realität das Kapital auch weiterhin gebunden halten. Bestes Beispiel: BeA Behrens. Die Anleihe lief schon Ende 2020 aus. Erfolgt die finale Abschlagszahlung, bleibt nur ein Verlust von 15-20%. Nicht gut – aber zigmal besser als eine Euroboden.

Ausblick
Läuft super bisher im ersten Halbjahr – genau nach Plan. Eine Hochrechnung für das Gesamtjahr würde rund 11% Plus ergeben. Es gibt keinen Grund zu irgendwelchen Änderungen.

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