Kreml unter Beschuss: Drohnenkrieg erreicht Russlands Machtzentrum

Moskau bei schönem Wetter

Die jüngsten ukrainischen Angriffe auf Moskau markieren eine neue Eskalationsstufe. Der Kreml steht zunehmend unter Druck – militärisch wie politisch.

Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau und insbesondere auf die Moskauer Ölraffinerie markieren nach Einschätzung von Peter Mironenko von The Bell einen Wendepunkt im Krieg. Was lange als symbolische Einzelaktion erschien, entwickle sich zunehmend zu einer dauerhaften Bedrohung für das russische Kernland.

Während frühere Angriffe – etwa auf den Kreml im Mai 2023 oder auf ein Regierungsgebäude im Moskauer Geschäftsviertel Moscow City – noch als Ausnahmen galten, habe die Ukraine ihre Fähigkeiten im Bereich weitreichender Drohneneinsätze deutlich ausgebaut. Nach Daten des Konfliktbeobachters ACLED wurden bis Ende 2024 insgesamt 335 Angriffe auf Ziele mehr als 100 Kilometer hinter der russischen Grenze registriert. Allein 2025 seien bereits 658 entsprechende Angriffe gezählt worden.

Besonders bemerkenswert sei dabei die zunehmende Durchschlagskraft ukrainischer Systeme. Der Angriff vom 18. Juni habe gezeigt, dass selbst die dicht gestaffelte russische Luftverteidigung rund um Moskau keine vollständige Sicherheit gewährleisten könne. Die Moskauer Raffinerie sei bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen attackiert worden.

Die Auswirkungen reichen laut Mironenko weit über den unmittelbaren Sachschaden hinaus. Rauchwolken über Industrieanlagen und Energieinfrastruktur seien inzwischen fester Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung geworden. Selbst staatliche Versuche, Berichterstattung einzudämmen oder Bilder zu unterdrücken, könnten die Debatte kaum noch kontrollieren.

Besonders aufschlussreich seien die Reaktionen in den sozialen Medien und Suchmaschinen. Laut Google Trends erreichte das Interesse am Moskauer Stadtteil Kapotnja, in dem sich die Raffinerie befindet, zeitweise ähnliche Werte wie die Fußball-Weltmeisterschaft. In Moskau selbst lag das Suchvolumen sogar deutlich darüber.

Für den Kreml entsteht daraus ein doppeltes Problem. Einerseits wächst die Unsicherheit über die Wirksamkeit der eigenen Verteidigungssysteme. Andererseits trifft der Krieg damit zunehmend die russische Bevölkerung direkt – und nicht mehr nur Regionen nahe der Front.

Offen bleibt, wie Präsident Wladimir Putin auf die jüngsten Angriffe reagieren wird. Bislang hat sich der russische Staatschef öffentlich nicht dazu geäußert. Die politische Bedeutung der Attacken dürfte jedoch erheblich sein, da sie die Verwundbarkeit des russischen Machtzentrums sichtbar machen und zugleich die zunehmende Reichweite ukrainischer Gegenangriffe unterstreichen.

Peter Mironenko berichtet für das unabhängige russische Wirtschafts- und Politikmedium The Bell. Der Fokus seiner Analysen liegt auf den politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in Russland und den Nachbarstaaten.

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