
Der Markt für KI-Titel differenziert zunehmend zwischen Profiteuren und hoch verschuldeten Infrastrukturbetreibern.
Die jüngsten Rücksetzer bei KI-Aktien sind nach Einschätzung von Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, vor allem auf Gewinnmitnahmen und Portfolioanpassungen zurückzuführen. Nach den außergewöhnlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate gehe es für institutionelle Investoren zunehmend darum, die Jahresperformance abzusichern und übergroße Einzelpositionen zu reduzieren.
Dabei könnten Anleger frei werdendes Kapital vorübergehend am USD-Geldmarkt zu Renditen von rund 3 bis 4% parken. Es bestehe also kein unmittelbarer Zwang, Gewinne direkt wieder in Aktien zu investieren. An der Börse werde schließlich häufig nicht das verkauft, was fundamental schlecht dastehe, sondern das, womit zuvor besonders viel verdient worden sei.
Zugleich unterscheide der Markt stärker zwischen den Gewinnern des KI-Investitionszyklus und Unternehmen, die ihr Wachstum mit erheblichem Fremdkapital finanzieren. Die Kursbewegungen bei CoreWeave, Oracle und verschiedenen Serverinfrastruktur-Anbietern verdeutlichten die Risiken: Der Aufbau von KI-Rechenzentren verschlingt enorme Summen, während steigende Finanzierungskosten und eine möglicherweise schwächere Auslastung die Renditen belasten könnten. Unternehmen mit hohen Cashflows und soliden Bilanzen seien davon weniger abhängig.
Hohe Erwartungen, heftige Reaktionen
Bei Nvidia und AMD wiederum seien hervorragende Geschäftszahlen inzwischen weitgehend eingepreist. Selbst starke Quartalsergebnisse könnten daher Kursverluste auslösen, wenn sie die hohen Erwartungen nicht überträfen. Gewinnmitnahmen und systematische Handelsstrategien verstärkten solche Bewegungen mitunter.
Wenn Verkäufe primär durch Portfolioanpassungen ausgelöst würden, blieben die fundamentalen Wachstumsperspektiven zunächst intakt. Nach deutlichen Rücksetzern könnten niedrigere Bewertungen dann neue Käufer anziehen. Allerdings sei nicht jeder Kursrückgang automatisch eine Kaufgelegenheit: Die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur müssten langfristig entsprechende Renditen erwirtschaften. Steigende Kapitalkosten, unzureichende Auslastung oder enttäuschende Kapitalrenditen könnten den Investitionszyklus ernsthaft belasten.
Nussbaumer empfiehlt daher, zwischen einer Bereinigung überfüllter Positionen und einer tatsächlichen Verschlechterung der Geschäftsperspektiven zu unterscheiden. Solange die Gewinnschätzungen stiegen und der KI-Investitionszyklus intakt bleibe, könnten Rücksetzer attraktive Einstiegsgelegenheiten eröffnen. Bei stark fremdfinanzierten Geschäftsmodellen sei hingegen Vorsicht angebracht.
Entscheidend werde künftig weniger die überzeugendste KI-Geschichte sein als die Fähigkeit, daraus nachhaltig Gewinne und freien Cashflow zu erwirtschaften.
Serge Nussbaumer ist Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix.
———-
BondGuide nutzt KI zum Orthografie-Check sowie bei Bildern, Kollagen oder Grafiken.
! NEU ! Die erste BondGuide Jahresausgabe 2026 ist erschienen (12.Mai): ‚Green & Transition Finance 2026‘ kann wie gewohnt kostenlos als e-Magazin oder pdf heruntergeladen werden.
Bitte nutzen Sie für Fragen und Meinungen Twitter – damit die gesamte Community davon profitiert. Verfolgen Sie alle Diskussionen & News zeitnaher auf Twitter@bondguide !

