
Steigende Inflationserwartungen und höhere Anleiherenditen setzen KI- und Tech-Werte zunehmend unter Druck.
Die milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne könnten zunehmend Opfer eines Umfelds werden, das Investoren lange Zeit kaum beachten mussten: dauerhaft höhere Zinsen. Darauf verweist Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Broker eToro, in einer aktuellen Markteinschätzung.
Die Grundproblematik: Während klassische Softwareunternehmen früher mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz skalieren konnten, verschlingt die neue KI-Welt enorme Summen für Rechenzentren, Server, Halbleiter und Infrastruktur. Höhere Finanzierungskosten treffen dieses Modell daher unmittelbar.
Parallel ziehen die Renditen an den Anleihemärkten weiter an. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren inzwischen bei rund 4,5%, deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit liegen bei etwa 3,0% – zwischenzeitlich dem höchsten Niveau seit mehr als einem Jahrzehnt.
Hintergrund sind nach Einschätzung von Wienke insbesondere steigende Inflationserwartungen. Geopolitische Spannungen, höhere Energiepreise und Risiken entlang globaler Handelsrouten erhöhen den Inflationsdruck und erschweren Zinssenkungen der Notenbanken.
Für KI- und Wachstumsunternehmen entsteht daraus eine doppelte Belastung: Zum einen steigen die Finanzierungskosten für milliardenschwere Infrastrukturprojekte. Zum anderen verlieren zukünftige Gewinne rechnerisch an Wert. Denn höhere Zinsen führen dazu, dass erwartete Cashflows stärker abdiskontiert werden – ein zentraler Bewertungsfaktor gerade bei wachstumsstarken Technologiewerten.
Hinzu kommt die wiedererstarkte Konkurrenz vom Rentenmarkt. Jahrelang galt für viele Anleger praktisch alternativlos: Kapital floss in Technologieaktien und Wachstumswerte. Mit Staatsanleiherenditen von vier Prozent und mehr verändert sich diese Dynamik.
Besonders kritisch könnte sich zudem die hohe Marktkonzentration auswirken. Große KI- und Tech-Konzerne dominieren inzwischen weite Teile der Aktienindizes. Kommt es dort zu einer breiteren Korrektur, könnte dies den Gesamtmarkt zusätzlich belasten.
Umgekehrt sieht eToro-Analyst Maximilian Wienke durchaus Potenzial für eine neue Dynamik: Sollten geopolitische Risiken nachlassen, Energiepreise sinken und die Renditen am Anleihemarkt wieder zurückkommen, könnten gerade KI- und Technologiewerte erneut Rückenwind erhalten.
Die KI-Story bleibt intakt – ihre Finanzierung wird allerdings zunehmend zum entscheidenden Faktor.
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