
Die „griechische Tragödie“ ähnelt inzwischen einer Seifenoper, die niemals zu enden scheint. Aber irgendwann muss mal Schluss sein und dieser Zeitpunkt rückt immer näher.
Woche für Woche wird nach einer Lösung für dieses Problem gesucht. Doch einig wurde man sich noch immer nicht. Alle Anstrengungen zur Heilung des griechischen Patienten sind bisher fehlgeschlagen. Gelungen ist lediglich die Stabilisierung der Bankenlandschaften in Griechenland und dem restlichen Europa, die unter den Folgen der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gelitten hatten. Doch geholfen hat das dem „kleinen Mann“ in keinster Art und Weise.
Somit hat der Großteil der Bevölkerung Griechenlands nicht von den Hilfsgeldern profitiert und musste sogar noch weitere Einschnitte hinnehmen. Ganz nach dem Motto: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ wurde in der Vergangenheit Politik gemacht, was schließlich auch zum politischen Wechsel geführt hat. Dieser wurde zwar vollzogen, aber an die Bekämpfung des Grundübels traut sich auch die neue Regierung nicht heran, weshalb die Stimmung erneut zu kippen droht. Denn die Privilegien der Reichen werden nicht angetastet, was für eine linksorientierte Partei sehr ungewöhnlich ist.
Sich jetzt zu beschweren, dass die Staatengemeinschaft in den vergangenen Jahren der damaligen Regierung Mittel zur Verfügung stellte, die der Gesundung des Patienten nicht dienlich gewesen waren, kann so nicht unkommentiert stehen bleiben. Zum damaligen Zeitpunkt war der Druck der Bevölkerung in Griechenland so groß, dass ein Bürgerkrieg drohte und sich die europäischen Partner zu der finanziellen Hilfe genötigt sahen. Das Geld wurde den vom griechischen Volk gewählten Volksvertretern zur Verfügung gestellt, die eine Verteilung nach ihrem persönlichen Gusto vornahmen. Doch dafür kann man nicht die Politiker der EU verantwortlich machen, die sich nicht in die Aufteilung der Gelder einmischten. Wäre das passiert und man hätte einen von vielen Seiten geforderten Statthalter inthronisiert, dann wäre der Aufschrei der Bevölkerung Griechenlands sicherlich noch heute zu hören.
Mit konventionellen Behandlungsmethoden wird man im Fall Athen nicht weiterkommen und daher gilt: „It’s time to say Goodbye“. Denn jede noch so publikumswirksam präsentierte Lösung wird nur für kurze Zeit die Symptome mildern, aber keine nachhaltige Gesundung bringen.
Im wer weiß wievielten Anlauf des Ringens um eine Lösung der Griechenland-Krise haben Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef François Hollande am Mittwoch den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras in Brüssel getroffen. Die Regierung in Athen hatte noch in der Nacht zum Dienstag neue Reformvorschläge vorgelegt, die jedoch in Brüssel als nicht ausreichend angesehen wurden. So dämpfte auch der Vorsitzende der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, Erwartungen auf eine rasche Einigung mit Athen.
Der zur Schau getragene Optimismus der Griechen sei „eine Unterschätzung der Komplexität dessen, was von ihnen erwartet wird“, sagte er und forderte indessen von Athen eine Reform des Rentensystems. Eine Verständigung zwischen Griechenland und seinen Geldgebern sei „in den kommenden Tagen“ zwar möglich, sagte der EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis, aber dies erfordere „wirklich politischen Willen, vor allem von der griechischen Seite – also weniger taktisches Manövrieren und mehr substanzielle Arbeit.“ Zentrale Fragen sind demnach weiter strittig. Das klingt wie ein weiteres Kapitel aus der „unendlichen Geschichte“.
Logistiker fahren am Kapitalmarkt vor
Verursacht durch den Renditeanstieg bei deutschen Bundesanleihen seit Ende Mai zeigen sich viele Unternehmen verhalten und abwartend bezüglich ihrer Mittelaufnahme an den Kapitalmärkten. Doch in der Logistikbranche scheint die langfristige Planung der Mittelbeschaffung und der vorhandene Liquiditätsbedarf ein Festhalten an der Refinanzierung bewirkt zu haben.
So wurde der von S&P mit B- bewertete französische Transport- und Logistikkonzern CMA CGM S.A. mittels einer Dualtranche an den internationalen Rentenmärkten aktiv. Die eine Tranche (WKN: A1Z2YZ), die am 15.01.2021 fällig wird, hat ein Volumen von 550 Mio. EUR und bietet den Anlegern einen jährlichen Zinssatz von 7,75%. Allerdings hat sich der Emittent eine Kündigungsmöglichkeit zum 15.01.2018 zu 103,875% festschreiben lassen. Ferner besteht eine einseitige Kündigungsmöglichkeit per 15.01.2019 zu 101.938% sowie per 15.01.2020 zu 100%. Der Bond wurde mit einem Aufschlag von +784,1 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gepreist, was einem Emissionspreis von 98.87% entsprach.
Bei der zweiten sechsjährigen Anleihe (A1Z25B), im Volumen von 175 Mio. EUR, handelt es sich um eine Aufstockung des ersten Bonds, welcher aufgrund technischer und regulatorischer Natur zu Beginn als eigenständige Anleihe zu emittieren ist. Der Emissionsspread betrug in diesem Falle +753,70 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe, was einem Ausgabepreis von 99,50% gleich kommt. Diese identisch ausgestattete Tranche wird per 22.07.2015 mit der Anleihe (A1Z2YZ) zusammengelegt.
Als zweites Logistikunternehmen wurde die US-amerikanische XPO Logistics Inc., derzeit noch ohne Bonitätseinschätzung von S&P, mit einer sechsjährigen (15.06.2021) 500 Mio. EUR umfassenden Anleihe (A1Z2UR) am Primärmarkt aktiv. Der Schuldner zahlt einen jährlichen Zinssatz von 5,75% an die Investoren. Jedoch behält sich der Emittent auch hier das Recht der jährlichen Kündigung und zwar zum 15.12. vor. So kann er die Anleihe vorzeitig im Jahr 2017 zu 102,875%, 2019 zu 101,438% und 2020 zu pari tilgen. Der Bond wurde zu 100% emittiert.
Mit einer Mindestanlagesumme von nominal 100.000 EUR dürften die beschriebenen Bonds insbesondere für institutionelle Investoren interessant sein.
Klaus Stopp
Leiter Skontroführung Renten, Baader Bank AG
Relevante Informationen und Kurse rund um das Thema Anleihen finden Sie auf Baader Bondboard.