
Das Muster wiederholt sich weltweit: Wichtige Entscheidungen, wie ein Verbot neuer Kunststoffe, werden über Jahre diskutiert und immer wieder vertagt. Investoren können diese Lücke füllen. Von Hadewych Kuiper*
Seit Beginn der Debatte sind 2,1 Mrd. Tonnen neuer Kunststoff entstanden – was dem Gewicht von 467.000 erwachsenen Elefanten entspricht. Während Ausschüsse zögern, gelangt Plastikmüll in unser Wasser, zerstört unsere Umwelt und findet sogar über Mikroplastik seinen Weg in unseren Körper.
Hinauszuzögern von Entscheidungen als Strategie der Interessenvertreter fossiler Brennstoffe
Es ist bestürzend zu sehen, wie unglaublich langsam unsere Entscheidungsträger vorankommen – insbesondere da die Interessen der fossilen Brennstoffindustrie den Weg zu nachhaltigem Fortschritt blockieren. Mindestens 234 Lobbyisten von Unternehmen aus der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie hatten sich für die Teilnahme an den Verhandlungen zum Plastikabkommen im August registriert, wobei die endgültige Teilnehmerzahl die der Wissenschaftler um das Vierfache überstieg.
Die besten heute verfügbaren Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Ölreserven in nur 51 Jahren erschöpft sein werden. Diese Berechnung berücksichtigt weder die steigende Nachfrage durch fossil betriebene Rechenzentren, die mit dem KI-Boom einhergehen, noch den endlosen Verbrauch von Einwegkunststoffen oder die Zunahme verheerender Konflikte, die die Lage zusätzlich verschärfen. Hinzu kommt, dass die Verbraucher eindeutig ein Ende der Ölförderung fordern und weltweit viele Menschen wegen leidenschaftlicher Proteste inhaftiert wurden.
Es gibt eine offensichtliche Präferenz für saubere Energie, die sowohl unter dem Strich billiger ist als auch weniger Umweltverschmutzung verursacht und außerdem unserer strategischen Unabhängigkeit zugutekommt. Betrachten Sie jedes einzelne Risiko, darunter Geschäftsrisiken, Verbraucherrisiken, Währungsrisiken, Ereignisrisiken, Marktrisiken, gesetzliche Risiken, Liquiditätsrisiken, regulatorische Risiken, Reputationsrisiken und vieles mehr. Immer wieder zeigt sich, dass nachhaltige Vermögenswerte langfristig die besseren risikobereinigten Investitionen sind.
Politiker denken in Vierjahreszyklen – der Finanzsektor blickt über kurzfristige Trends hinaus
Während Lobbyisten reden und Politiker sich streiten, entscheiden die Vermögensverwalter, wo investiert wird. So kontrollieren Pensionsfondsmanager über 58,5 Bio. USD – rund zwei Drittel des globalen BIP. Damit spielen Investoren bei der Bewältigung dringender globaler Probleme eine zunehmend entscheidende Rolle, insbesondere da staatliche Maßnahmen ausbleiben oder gar zurückgeschraubt werden.
Investoren haben die Möglichkeit, einzugreifen und bedeutende Veränderungen voranzutreiben, indem sie Kapital in nachhaltige und wirkungsvolle Unternehmen investieren. Auf diese Weise können sie die Lücken füllen, die durch die Untätigkeit der Regierungen entstanden sind, Lösungen für den Klimawandel und soziale Ungleichheit unterstützen und den Fortschritt hin zu einer gerechteren und grüneren Welt beschleunigen. Diese Investitionsentscheidungen kommen nicht nur der Gesellschaft und der Umwelt zugute, sondern bieten auch langfristigen Wert und Widerstandsfähigkeit für die Investoren selbst.
*) Hadewych Kuiper ist Managing Director bei Triodos Investment Management (IM). Als Finanzdienstleister hat Triodos Investment Management ein verwaltetes Vermögen bis Ende Juni 2024 von rund 5,9 Mrd. EUR.
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