Green Asset Ratio: Crashtest kein wirklicher Fehlschlag – Verbesserungsbedarf erkannt

Für dieses Jahr sollen Finanzinstitute zum ersten Mal ihre Green Asset Ratio (GAR) offenlegen: ein gelungener Wurf? Von Armand Satchian, ESG Analyst, La Française AM

In den Vorjahren hatten die Finanzinstitute nur die „Berechtigungsversion“ dieses Indikators veröffentlicht[1]. Die Veröffentlichung der GAR ist ein wichtiger Schritt, um Stakeholdern einen Überblick darüber zu verschaffen, wie und in welchem Ausmaß die Vermögenswerte der Finanzinstitute mit den Umweltzielen der European Union Taxonomy (EUT) übereinstimmen – ein wesentliches Instrument des EU-Rahmenwerks für nachhaltige Finanzen[2].

Der Indikator stellt ein Verhältnis zwischen den an der EUT ausgerichteten Vermögenswerten und den gesamten von der GAR abgedeckten Vermögenswerten (im Nenner enthaltene Vermögenswerte) dar. Angesichts der zahlreichen Kritikpunkte, die der Bankensektor an diesem Indikator geäußert hat, könnte diese Erstveröffentlichung jedoch als Crashtest gewertet werden, der möglicherweise seine zukünftige Glaubwürdigkeit beeinträchtigen könnte.

Berechnung des GAR

Die integrierten Jahresberichte 2023 (veröffentlicht 2024) haben die Prognosen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in ihrem EU-weiten Pilotprojekt zu Klimarisiken von 2021[3] bestätigt – die GAR-Werte (Umsatz-KPI[4]) wären äußerst niedrig. Während der durchschnittliche Prozentsatz der zulässigen Vermögenswerte 36,5% erreicht, liegt der von unserem Team berechnete durchschnittliche GAR (Prozentsatz der angepassten Vermögenswerte) bei nur 2,5% (basierend auf einer Stichprobe aus 24 Finanzinstituten).

Um die Erwartungen der Stakeholder zu erfüllen, haben die Finanzinstitute die Grenzen der GAR über verschiedene Kanäle wie die European Banking Federation (EBF[5]), ihre integrierten Jahresberichte usw. aktiv kommuniziert. Sie haben insbesondere hervorgehoben, dass der Indikator strukturell niedrig und irreführend ist und dass die Vergleichbarkeit eine Herausforderung darstellt, da der Indikator stark vom Geschäftsmodell der einzelnen Finanzinstitute beeinflusst wird (z.B. Exposure gegenüber Unternehmen, die nicht der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) unterliegen). Darüber hinaus stellt der Zugang zu Daten, die die Anpassung der EUT für Vermögenswerte unterstützen, insbesondere im Einzelhandelssegment, eine echte Herausforderung dar. […]

Wir begrüßen die umfassenden Hinweise der Finanzinstitute darauf, dass die Beteiligten bei der Auslegung der GAR vorsichtig sein müssen. Wir teilen die Meinung, dass es bei der Gestaltung erheblichen Verbesserungsbedarf gibt. Wir erkennen jedoch auch die erhöhte Transparenz an, die durch den Indikator ermöglicht wird, und sind der Meinung, dass der Crashtest nicht wirklich ein kompletter Fehlschlag ist. […]

Nach diesem Crashtest wird die GAR wahrscheinlich weiterhin im Rampenlicht stehen und möglicherweise an Glaubwürdigkeit einbüßen (zumindest in ihrer derzeitigen Fassung). Dennoch sind sich die Beteiligten (z.B. Finanzinstitute, Aufsichtsbehörden) nach der ausführlichen Erläuterung ihrer Grenzen und der Erprobung in der Praxis nun der Herausforderungen bewusst und sollten aktiv daran arbeiten, diese zu bewältigen. Dies wird nicht nur für die Berichterstattung, sondern auch für den Erfolg des EU-Rahmens für nachhaltige Finanzen von entscheidender Bedeutung sein.

1] The eligibility version represents the percentage of assets eligible to the EU taxonomy (eligible assets/total GAR assets). Taxonomy eligibility indicates if an economic activity is in the scope of the Taxonomy.

[2] European Commission, COMMISSION DELEGATED REGULATION (EU) 2021/2178 of 6 July 2021, 10 December 2021, Publications Office (europa.eu).

[3] EBA, EBA veröffentlicht Ergebnisse des EU-weiten Pilotprojekts zum Klimarisiko, 21. Mai 2021, EBA publishes results of EU-wide pilot exercise on climate risk | European Banking Authority (europa.eu).

[4] Es gibt zwei Versionen des GAR-KPI – eine Umsatzversion und eine CAPEX-Version. Während die Umsatzversion den Anteil der an der Taxonomie ausgerichteten Einnahmen des jeweiligen Geschäftspartners berücksichtigt, basiert die CAPEX-Version auf dem %-Anteil des Anteils der an der Taxonomie ausgerichteten CAPEX des jeweiligen Geschäftspartners.

[5] EBF, Green Asset Ratio kann für Nachhaltigkeit nicht das sein, was CET für Kapital ist, Januar 2024, Green-Asset-Ratio-January-2024-002-2.pdf (ebf.eu)

[6] Bei den Vermögenswerten, die konsequent aus der GAR-Berechnung herausgenommen werden (und nicht einmal im Nenner enthalten sind), handelt es sich um die Vermögenswerte von Staaten, Zentralbanken, supranationalen Emittenten und den Handelsbestand.

[7] EBA, Endgültiger Entwurf technischer Standards für die aufsichtliche Offenlegung von ESG-Risiken gemäß Artikel 449a CRR, EBA draft ITS on Pillar 3 disclosures on ESG risks.pdf (europa.eu)

[8] Platform on Sustainable Finance, Final Report on Minimum Safeguards, October 2022, Final Report on Minimum Safeguards (europa.eu) P. 54 ‘’ Financial institutions carrying out this activity would have to meet MS in order to be able to count these activities as taxonomy-aligned This would not be required, for example, for mortgages where the underlying activity is considered eligible (i.e. activities 7.1, 7.2 and 7.7) and whose descriptions do not include the term ‘financing’.

[9] Climate Change Adaptation DNSH is the only relevant DNSH criteria for mortgages.

[10] „Fit for 55“ bezieht sich auf das EUZiel der EU, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu reduzieren.

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